Witwe des Auswanderers Helmut Krekeler überreicht Ölgemälde an Dorfgemeinschaft in Steinheim-Ottenhausen Ein Stück Heimat kehrt zurück

Steinheim (WB/nf). Tausende von Kilometern lebte Helmut Krekeler fern von Ottenhausen in Kanada, wohin er 1952 ausgewandert war. Doch seine Heimat hat er immer im Herzen getragen. Geholfen hat ihm dabei ein Bild, das eine Ansicht Ottenhausens zeigt. Das ist jetzt der Dorfgemeinschaft übergeben worden.

Das Ölbild kehrt nach Jahrzehnten zurück (von links, vordere Reihe): Ilse Krekeler, Mary Krekeler mit Tochter Wendy und Stephan Lücking (Heimatverein Ottenhausen).
Das Ölbild kehrt nach Jahrzehnten zurück (von links, vordere Reihe): Ilse Krekeler, Mary Krekeler mit Tochter Wendy und Stephan Lücking (Heimatverein Ottenhausen). Foto: Heinz Wilfert

Vor einem Jahr ist Krekeler im Alter von 85 Jahren verstorben. Seine Witwe Mary schenkte jetzt das Bild der Dorfgemeinschaft in Ottenhausen. Das Bild hat nun im Ratsherrenzimmer des Dorfgemeinschaftshauses einen würdigen Platz bekommen. »Eigentlich wollte jedes unserer drei Kinder das Bild haben«, sagte die Witwe (81) dem WESTFALEN-BLATT. Sie besucht gerade mit ihrer Tochter Wendy, einer Schauspiellehrerin, die alte Heimat ihres Mannes.

Die Entscheidung, es aber Ottenhausen zu schenken, sei ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes gewesen, ist Mary Krekeler sicher. Helmut Krekeler stammte aus einer Lehrerfamilie. Seine Mutter Elisabeth und der Großvater Ferdinand waren beide Lehrer in Ottenhausen.

Landwirtschaftliche Lehre

Er selbst ergriff diesen Beruf nicht, sondern absolvierte nach dem Abitur eine landwirtschaftliche Lehre und beendete die Abschlussprüfung in Münster als Jahrgangsbester. Nach der Volljährigkeit wanderte er 1952 nach Kanada aus. Dort war er erst Farmarbeiter, schulte auf Zimmermann um und war später sogar als Bauleiter für große Projekte wie Kranken- und Feuerwehrhäuser zuständig. Unter anderem leitete er einige Bauvorhaben, die für die EXPO 1967 in Montreal errichtet wurden. In Kanada habe sich Helmut Krekeler schnell integriert. Nur der Fußball fehlte dem eingefleischten FC Schalke-Fan, der sich deshalb als Schiedsrichter und in einem »Soccerverein« engagierte. 1955 heiratete er Mary Lewis, die Tochter des Trainers. Im »Deutschen Clubhaus«, dessen Präsidentin Ehefrau Mary war, ­organisierten sie viele Feste und Weihnachtsfeiern.

Helmut Krekeler war dort als Hobbywirt tätig. Mutter Elisabeth hat dem Paar das jetzt aus Kanada zurückgekehrte Bild 1955 zur Hochzeit nach Kanada geschickt. Die Ansicht von Ottenhausen stammt von einem Maler namens Menzel – es hatte vorher vermutlich seinen Platz in der alten Volksschule.

Großer ideeler Wert

»Das Ölbild mit der Ansicht Ottenhausens spielte für Helmut immer eine wichtige Rolle«, erzählte Mary. Es hat mehr als 60 Jahre lang im Wohnzimmer der Krekelers in Carlsbad Springs gehangen. Die vertraute Heimat war so immer ganz nahe. Über das Geschenk freut sich Stephan Lücking, Beauftragter für Heimat- und Kulturpflege (Heimatverein), sehr. »Das Bild hat einen großen ideellen Wert. Es zeigt die tiefe Verbindung, die der Auswanderer zu seiner Heimat hatte.« Sechs Jahrzehnte besuchte Helmut Krekeler regelmäßig sein Heimatdorf, alle zwei Jahre gehörte das Schützenfest zum festen Reiseprogramm. Auch Ehefrau Mary, die jetzt in Toronto lebt, hat diese Besuche sehr genossen. »Jedes Mal wurde die kanadische Fahne gehisst«, wissen die Freunde.

Im Dorfgemeinschaftshaus feierten beide übrigens im EXPO-Jahr ihren 45. Hochzeitstag. Die Schwester Ilse von Helmut Krekeler lebt heute noch in der Ortschaft Ottenhausen.

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