Ära geht zu Ende: Letzte Abschlussklasse erhält in der FWWS Zeugnisse Förderschule schließt nach 45 Jahren

Steinheim (WB). Dieser Tag wird in die Geschichte der Stadt Steinheim eingehen: Zum letzten Mal hat am Freitag (24. Juni) eine Abschlussklasse ihre Zeugnisse erhalten. Die Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule (FWWS) wird  für immer geschlossen. Damit geht eine Ära zu Ende.

Von Harald Iding
Die Abschlussklasse der Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule hat am Freitag ihre Zeugnisse erhalten. Auf dem selbst gemalten Bild ist die Schule zu sehen, die jetzt schließen wird.
Die Abschlussklasse der Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule hat am Freitag ihre Zeugnisse erhalten. Auf dem selbst gemalten Bild ist die Schule zu sehen, die jetzt schließen wird. Foto: Harald Iding

In den vergangenen Monaten herrschte große Unsicherheit, was mit den Kindern der nachfolgenden Klassen passiert. »Seitdem feststeht, dass es eine private Förderschule in Brakel gibt, die den Unterricht fortsetzt, blicken wir auch wieder  mit Zuversicht nach vorn«, betonte der kommissarische Leiter der Schule, Gottfried Eichhorn, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

In seiner  Abschlussrede vor Kollegen, Eltern sowie den Schülern der Abschlussklasse betonte Eichhorn, dass die Schule immer mehr als nur ein Ort des Lernens gewesen sei. »Wir haben alle darauf hin gearbeitet,  dass Ihr nun eigenständig Euren Weg gehen könnt –  im Leben und im Beruf.« Die Schulbildung sei keine Sackgasse für den Berufsstart, sondern Qualifikation und echte Motivation, die  über den Ehrentag hinaus wirke.

Schülersprecherin: »Wir sind alle sehr traurig.«

»Danke für jeden neuen Tag. Danke, dass ich all meine Sorgen auf Dich werfen mag«, sangen  die jungen Leute.  Schülersprecherin Kimberly (17) zeigte sich wie ihre Mitschüler berührt von dem Augenblick. »Wir sind  die letzte Klasse dieser Schule und alle sehr traurig, dass die Türen geschlossen werden. Denn die   anderen können die vielen schönen Dinge, die wir   erleben durften, gar nicht mehr genießen. Wir  wurden hier besonders gefördert und haben alle eine Perspektive erhalten«, sagte sie dieser Zeitung.

Enger Zusammenhalt in den Jahrzehnten

Mit der Freude über den Abschluss gehe die Wehmut über die endgültige Schließung und den Abschied von einer echten Institution einher. In der Aussage der Schülersprecherin  wird aber auch deutlich, dass nicht das »Ich« im Vordergrund steht, sondern schon die Sorge um die anderen, das starke »Wir-Gefühl«, ihre Gedanken und Wünsche prägt. »Wir halten zusammen und haben in den zurückliegenden Jahren auch schon Erziehungsberechtigten nach 21 Uhr Tipps gegeben, wenn sie uns per Handy angerufen haben«, so Leiter Gottfried Eichhorn.

Wechsel nach Brakel und Blomberg

Von den aktuell  26 Mädchen und Jungen im Alter zwischen elf und 17  Jahren sind jetzt zwölf entlassen worden. »Die anderen wechseln im neuen Schuljahr nach Brakel und  Blomberg. Zwei Lehrpersonen fangen ebenfalls in Brakel an. Ich werde als Lehrer an der  Sekundarschule Lügde unterrichten«, sagte Eichhorn (58).

In der Klasse von Verena Koch malten die Kinder ihrer Lehrerin noch schnell einen lieben Gruß mit vielen kleinen Herzchen an die Tafel: »Mama Koch. Du siehst hübsch aus!« Dieses  Miteinander, die individuelle Fürsorge, die leidenschaftliche Betreuung und die intensive Förderung –  in den 45 Jahren sei  das Leben in der FWWS wie in einer großen Familie gewesen. Auch eine   Sozialpädagogin unterstützte das Team tatkräftig. »Unsere Gemeinschaft hat Berge versetzt. Der letzte Tag mit der Abschlussklasse heute schmerzt – und trifft uns alle«, so Eichhorn.

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