Kfz-Sachverständiger Johannes Pollmann gibt Tipps – Beratung vom Fachmann ist Pflicht
Oldie-Kauf mit Verstand statt Herz

Nieheim -

Oldtimer liegen im Trend, auch im Kreis Höxter. Aber nicht nur die Preise, auch die Gründe für die Anschaffung eines alten Schätzchens liegen hier meist woanders.

Donnerstag, 04.02.2021, 23:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 07:22 Uhr
Die Mercedes Heckflosse gehört Josef Pollmann. 20 Jahre hatte das Fahrzeug in einem Stuttgarter Autohaus trocken gestanden – ein Glückstreffer für den Kfz-Gutachter. Foto: Ralf Brakemeier

Das Ambiente, im noblen Golfclub von Pebble Beach gleich neben der Rennstrecke von Laguna Seca stimmte. 2018 wechselte hier in Kalifornien bei einer Auktion von Sotheby’s ein Ferrari 250 GTO den Besitzer. Nur 36 Exemplare des Sportwagens wurden Anfang der 60er Jahre gebaut – der Preis war entsprechend: Gut 40 Millionen Euro war dem neuen Besitzer die Anschaffung wert. Oldtimer liegen im Trend, auch im Kreis Höxter. Aber nicht nur die Preise, auch die Gründe für die Anschaffung eines alten Schätzchens liegen hier meist woanders, wie der Nieheimer Kfz-Sachverständige Josef Pollmann weiß: „Das sind Fahrzeuge, die man aus seiner Kindheit und Jugend kennt. Der Nachbar fuhr so einen oder man hat beim Vater damals selbst als Steppke auf der Rücksitzbank dieses besonderen Modells gesessen.“ Viele wollen sich nach 30 Jahren oder mehr auch ihr erstes Auto als Liebhaberstück noch einmal zulegen. Bei allen Emotionen, die bei diesem Thema eine Rolle spielen, warnt der Experte: „Beim Oldtimer-Kauf darf nicht das Herz die Hauptrolle spielen, sondern der Verstand.“

Anlage oder Daily Driver

Die erste Frage sollten sich Interessenten nach der Art der Anschaffung beantworten. Will ich einen recht frischen Youngtimer, den ich auch regelmäßig, womöglich als Zweitwagen, bewegen will, einen so genannten „Daily Driver“, oder soll es eine betagte Edelkarosse als Wertanlage sein? „In jedem Fall“, so rät Josef Pollmann, „sollte vor dem Unterzeichnen des Kaufvertrages ein Experte befragt werden.“ Das kann der befreundete Kfz-Mechaniker sein, den ich zur Besichtigung mitnehme, das kann aber auch ein unabhängiger Gutachter sein, dem ich das Auto vor dem Kauf vorführe. Pollmann: „Wir können natürlich ein aufwendiges, genaues Gutachten machen, oder auch schnell die wichtigsten Stellen abprüfen, um eine erste Einschätzung abgeben zu können.“ Denn: Stellt sich nach dem Kauf heraus, dass das angeblich makellose Schätzchen Schwachstellen hat, dass Bleche geschweißt oder wichtige Teile ausgetauscht werden müssen, wird es meist teuer. Vor allem, wer nicht selbst Schrauber-Experte ist, sollte also vor dem Kauf genau hinsehen. Denn nicht nur die Kosten können aus dem Ruder laufen. „Gerade bei alten, selten gebauten Modellen ist die Ersatzteilversorgung oft schwierig und an wichtigen Teilen wie der Aufhängung darf auch nicht herumgepfuscht oder geschweißt werden“, warnt Pollmann vor dem Moment, in dem der Traum vom Oldtimer zum Albtraum wird.

Gängige Marken

Der Experte rät deshalb vor allem Neulingen in der Old- und Youngtimer-Szene zu gängigen Fahrzeugen. Seine Tochter etwa fährt einen 1300er Käfer aus den 60er-Jahren. Mehr als 36.000 Krabbeltiere mit H-Zulassung fahren auf deutschen Straßen, der Käfer ist der häufigste Oldtimer hierzulande. Deswegen aber dennoch kein Schnäppchen. Gut 10.000 Euro müssen inzwischen für ein gut erhaltener Exemplar investiert werden. 1970 war der Volkswagen frisch vom Band noch für 5495 D-Mark zu haben, nur gut einem Viertel des jetzigen Durchschnittspreises. Die Zeiten der Schnäppchen sind auch im Youngtimer-Bereich vorbei. Selbst ein DDR-Wartburg, den es nach der Wende zum Schrottpreis gab, wird heute im Schnitt mit 5500 Euro gehandelt. Der beliebte 3er BMW E21 kostete 2016 im guten Zustand noch 8500 Euro, drei Jahre später schon 13.700 Euro, also 61 Prozent mehr. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Ein Ferrari 328 kann heute 26 Prozent günstiger sein, als vor fünf Jahren – heißt allerdings immer noch gut 74.000 Euro.

Obwohl das Corona-Jahr 2020 eine Delle für den boomenden Markt bedeutete – ein Grund ist, dass in Krisenzeiten viele Leute ihre mobilen Schätzchen zu Geld machen wollten – ist der Trend zu Oldtimern weltweit ungebrochen. Trotz der Corona-Beschränkungen wurden 2020 sogar einige Fahrzeuge mehr verkauft als im Vorjahr.

Perfekte Historie

Die Kriterien für eine H (Historisch)-Kennzeichnung werden strenger. „Manche Leute versuchen, mit ihrem alten Auto Steuern zu sparen und ohne Plakette in alle Umweltzonen zu kommen“, verrät Josef Pollmann die Tricks. Schließlich erreichen durchaus verkehrstüchtige Golf III inzwischen ebenfalls die Grenze von 30 Jahren. In einem solchen Fall gilt allerdings: Eine Oldtimer-Zulassung bekommen nur Fahrzeuge im absoluten Original- und Top-Zustand, die als Kulturgut gelten können.

Hauptfeind des Oldtimer-Freundes ist natürlich der Rost. Hier kann ein Lackdichtemesser schon bei der ersten Besichtigung Aufschluss geben, ob der schicke Schlitten nur von Farbe und Spachtelmasse zusammengehalten wird. Die Kfz-Gutachter wie Josef Pollmann geben im Vorfeld Tipps und können anhand ihrer besonderen Datenbanken auch die Preise einschätzen. In jedem Fall sollten aber weitere Reparatur- und Instandhaltungskosten eingeplant werden. „Sie müssen auch über eine Unterbringung des Fahrzeugs nachdenken. Ein trockener Stellplatz sollte vorhanden sein“, rät GTÜ-Experte Pollmann künftigen Oldtimer-Besitzern, „und Vorsicht vor Schwarzen Schafen auf Internet-Plattformen.“ Wer nachweisen kann, dass er sein altes Schätzchen nur selten bewegt, kann von der Versicherung einen Oldtimer-Tarif auch ohne H-Kennzeichen bekommen.

Hilfe beim Schrauben

Neben den Kfz-Gutachtern können Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein altes Auto zu ihrem Hobby zu machen, aber auch woanders Hilfe holen. Schraubergemeinschaften, Oldtimer- oder Marken-Clubs gibt es auch im Kreis Höxter einige. Josef Pollmann rät: „Wer vom Schrauben noch wenig Ahnung hat, kann aber auch in Mietwerkstätten Hilfe finden.“ Hier muss selbst repariert werden. Hebebühne, Werkzeug und Materialien werden in Rechnung gestellt, den einen oder anderen Tipp vom Werkstattmeister gibt es aber manchmal gratis obendrauf.

Als Taxi in Nieheim

Josef Pollmann selbst nennt eine „kleine Heckflosse“, W 110, so die interne Kennung des Mercedes‘, sein Eigen. Als 190 C leistet der Vierzylinder, der vorher 20 Jahre in einem Stuttgarter Autohaus stand, eher bodenständige 80 PS. „So einen Wagen fuhr mein Vater früher in Nieheim als Taxi“, erinnert sich Josef Pollmann. Neben der Form ist er vor allem von der einfachen Technik begeistert. „Hier kann man tatsächlich noch selbst schrauben, ohne Computer-Diagnosegerät“, beschreibt er die Faszination am alten Blech. Heute gehört den alten Fahrzeugen sein Herz, beim Kauf hat Pollmann damals aber vor allem den (Sach-)Verstand entscheiden lassen.

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