Hackschnitzelheizung in der Lüttge Straße 8 versorgt 30 Häuser in der Kernstadt Nieheim
Nahwärme bringt Leben

Nieheim -

Für Walter Rieks ist es auch eine Frage des beruflichen Überlebens. „Die Nachfrage nach Heizöl oder Gas wird in den kommenden Jahren zurückgehen, wir brauchen, gerade für Altbauten, Alternativen“, sagt der Chef des Nieheimer Energieversorgers mit gut 60 Mitarbeitern. Eine dieser Alternativen heißt Hackschnitzel.

Dienstag, 08.12.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 10:48 Uhr
Der Stoff aus dem die Wärme ist: Walter Rieks zeigt seine ökologisch hergestellten Hackschnitzel. Sie werden zentral gelagert, verbrannt und damit 30 Häuser im Zentrum von Nieheim beheizt und mit warmem Wasser versorgt. Foto: Ralf Brakemeier

Rieks treibt bei seinen Überlegungen aber noch eine andere Frage um: Wie erhält man das Leben in der Innenstadt mit ihrer alten Bausubstanz und höheren Energieverbräuchen? Für 30 Häuser rund um Wasserstraße, Lange Straße, Klingelstraße, Untere Mauerstraße und Lüttge Straße lautet die Antwort: Nahwärmenetz.

Direkt an seinem Wohnhaus in der Wasserstraße hat Walter Rieks ein kleines Kraftwerk mit einer Leistung von 1000 Kilowatt bauen lassen . Hier werden ökologisch und nachhaltig erzeugte Hackschnitzel verbrannt. Die entstehende Wärme erhitzt gut 30.000 Liter Wasser, die im Nahwärmenetz dann per Wärmetauscher am Haus die einzelnen Haushalte mit Heizungswärme und warmem Brauchwasser versorgen. Dafür mussten, den kurzen Wegen in der Nieheimer Innenstadt sei Dank, nur etwa 950 Meter Leitungen verlegt werden.

Hackschnitzel aus Borlinghausen

„Die Energiekosten werden langfristig, auch wegen einer ansteigenden Besteuerung, nach oben gehen. Die Kosten für unsere Nahwärmeversorgung bleiben stabil. So bleibt das Leben in der Innenstadt bezahlbar“, beschreibt Walter Rieks sein Konzept. Positiver Nebeneffekt für die Umwelt: Alte Ölheizungen werden auf Dauer vom Netz genommen, die Emissionen gehen runter.

Theo Reineke (links) gehört zu den ersten Kunden von Walter Rieks. „Früher hab ich Jahrzehnte lang Heizöl von Rieks bezogen, jetzt eben Nahwärme“, geht Reineke mit der Zeit.

Theo Reineke (links) gehört zu den ersten Kunden von Walter Rieks. „Früher hab ich Jahrzehnte lang Heizöl von Rieks bezogen, jetzt eben Nahwärme“, geht Reineke mit der Zeit. Foto: Ralf Brakemeier

240 Kubikmeter Hackschnitzel, hergestellt vom Biomassehof in Borlinghausen, fasst der Bunker. Im Winter reicht das für zwei Wochen. Das Mini-Kraftwerk funktioniert mit zwei kompletten Kreisläufen: Der Transport per Förderschnecke und die Heizung selbst sind doppelt vorhanden und werden im Routinebetrieb alle 200 Betriebsstunden gewechselt. „Sollte dennoch etwas ausfallen, haben wir noch eine Pelletheizung – die Versorgung ist also sichergestellt“, sagt Techniker Marcel Nebelung, der einer der Zuständigen für den Betrieb der Hackschnitzelheizung ist. Auch die heißen Abgase werden per Wärmetauscher energetisch genutzt.

Marcel Nebelung, Technischer Angestellter bei Firma Rieks, kennt sich mit der Computer-Steuerung der Anlage aus. Sie wechselt automatisch alle 200 Betriebsstunden den Brenner.

Marcel Nebelung, Technischer Angestellter bei Firma Rieks, kennt sich mit der Computer-Steuerung der Anlage aus. Sie wechselt automatisch alle 200 Betriebsstunden den Brenner. Foto: Ralf Brakemeier

Regionalität spielt beim Nahwärmekonzept von Firma Rieks eine große Rolle. Fast sämtliche Gewerke beim Bau der Anlage wurden von heimischen Handwerkern ausgeführt, die Hackschnitzel kommen aus Borlinghausen und werden mit LKW der Firma Rieks nach Nieheim gebracht. Für Ende des kommenden Jahres plant Walter Rieks, in Zusammenarbeit mit dem Sägewerk Freitag, eigene Hackschnitzel herzustellen und vor Ort zu trocknen. Der Brennstoff ist ein Abfallprodukt eines nachwachsenden Rohstoffs und kann so – wenn er auf großer Fläche natürlich getrocknet wird – weitgehend CO2-neutral energetisch genutzt werden.

Kirche ist Kunde

Im vergangenen Jahr hatte Rieks unter anderem bei den Nieheimer Holztagen über sein Vorhaben informiert. „Innerhalb von 14 Tagen hatte ich alle Haushalte zusammen“, freut sich der Unternehmer über den Zuspruch aus der Nachbarschaft. Die ersten zehn Häuser waren vor einigen Tagen bereits angeschlossen, neben privaten und geschäftlichen Abnehmern werden auch die Katholische Kirche sowie die Stadt Nieheim unter anderem mit dem Richterhaus und der alten Schule mit Wärmeenergie beliefert.

Walter Rieks (auf dem Bild mit Mitarbeiter Marcel Nebelung) baut in der Kernstadt von Nieheim ein Nahwärmenetz auf. Zentrale ist eine Hackschnitzelheizung, die 30.000 Liter Wasser als Wärmepuffer erhitzt. Das Wasser geht in unterirdischen Leitungen an 30 Häuser in der Umgebung und gibt dann per Wärmetauscher seine Energie ab,

Walter Rieks (auf dem Bild mit Mitarbeiter Marcel Nebelung) baut in der Kernstadt von Nieheim ein Nahwärmenetz auf. Zentrale ist eine Hackschnitzelheizung, die 30.000 Liter Wasser als Wärmepuffer erhitzt. Das Wasser geht in unterirdischen Leitungen an 30 Häuser in der Umgebung und gibt dann per Wärmetauscher seine Energie ab, Foto: Ralf Brakemeier

Das Konzept der Nahwärme auch auf andere Wohngebiet oder Ortschaften zu übertragen, kann sich Walter Rieks gut vorstellen. Planungen in diese Richtung gebe es allerdings noch nicht. Rieks: „Die ersten zehn Anschlüsse sind fertig, alles läuft bisher stabil.“ Jetzt komme es darauf an, dass das System auch bei kältesten Temperaturen Zuverlässigkeit beweise. Das wird smart überwacht. Die gesamte Anlage von einer Fachfirma aus Österreich und auch die Anschlüsse liefern regelmäßig Daten. So können Störungen schnell entdeckt und das System regelmäßig optimiert werden.

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