Wasserstraße 6: Vom Nieheimer Sackmuseum aus auf den Spuren des Heiligen Nikolaus
Unter dem Sofa versteckt

Nieheim -

Ausgerechnet in der Wasserstraße 6 steht das Sackmuseum in Nieheim. Der 6. Dezember ist ein wichtiges Datum in einer Stadt, die ein besonderes Verhältnis zum Heiligen Nikolaus hat.

Sonntag, 06.12.2020, 07:19 Uhr
Auf den Sack gekommen: Jana Reineke wird Nachfolgerin Ulrich Piepers als Museumsleiter. Foto: Ralf Brakemeier

Das Jahr seiner Geburt ist nicht genau bekannt, ebenso wenig das seines Todes. Er lebte irgendwann zwischen 270 und 365 der Zeitrechnung, wurde schon mit 19 Jahren Priestern und später Bischof. Nur sein Todesdatum ist bekannt, er starb an einem 6. Dezember. Die Rede ist natürlich vom Heiligen Nikolaus, der an diesem Sonntag im Mittelpunkt vieler Feiern stehen sollte, die fast alle wegen der Pandemie-Beschränkungen abgesagt werden mussten. Im Rahmen unserer Adventstürchen-Serie gehen wir aber dennoch auf die Suche nach dem Mann, der auch etwa 1650 Jahre nach seinem Tod vor allem in der Katholischen und der Orthodoxen Kirche als einer der wichtigsten Heiligen überhaupt verehrt wird. Und wo könnte diese Suche mehr Erfolg versprechen, als in Nieheim, deren Stadt- und Kirchenpatron Nikolaus ist.

Ausgerechnet in der Wasserstraße 6 steht das Sackmuseum der Stadt. Und hier treffen wir auf Ulrich Pieper, Museumsleiter und Stadtheimatpfleger, der auch selbst ein ganz besonderes Verhältnis zum Heiligen Nikolaus pflegt.

Angst vor dem Sack

„Unter dem grünen Sofa mit den langen Bommeln habe ich mich als Kind versteckt, wenn der Nikolaus zu uns in die gute Stube kam“, erinnert sich der 81-Jährige lachend an die Zeit rund um das Ende des Zweiten Weltkriegs. Denn der Nikolaus stand damals nicht nur für Geschenke und gute Worte, sein Knecht Ruprecht hatte auch die Rute dabei und Schlimmeres: „Aus seinem Sack baumelten ausgestopfte Socken, wir Kinder hatten Angst, dass er uns in den Sack stopft und mitnimmt“, berichtet Pieper. Gemeinsam mit Jana Reineke, die Pieper als Leiterin des Sackmuseums nachfolgen soll, sitzt er am alten Tisch in der Küche des Museums. Hier atmet alles den Geist dieser Zeit, als man den Kindern – und nicht nur denen – von Seiten der Erwachsenen oder auch der Kirche, gerne mal mit drastischen Maßnahmen drohte.

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Bischof von Myra

Dabei hatte Bischof Nikolaus von Myra, oder vielmehr die Figur, die in späteren Jahrhunderten aus ihm wurde, so gar nichts mit einer mahnenden oder gar strafenden Autoritätsperson zu tun. Er schien vielmehr ein Querdenker seiner Zeit, und das in einer fortschrittlichen, nicht rückwärts gewandten Form. Im Jahr 325 soll Nikolaus als kritischer Geist am ersten ökumenischen Konzil der Kirchengeschichte teilgenommen haben. Aber das, wie auch die zahlreichen Legenden, die sich um die mildtätigen Taten und Wunder, die dem Heiligen zugeschrieben werden, drehen, wird von Geschichtsschreibern erst gut 200 Jahre nach dem Tod der historischen Person bezeugt. Über den Bischof von Myra ist geschichtlich belegt nur wenig bekannt. Allgemein wird angenommen, dass sein Handeln mit dem Nikolaus von Sions vermischt zum heutigen Heiligen Nikolaus wurde.

Kirchen- & Stadtpatron

In Nieheim zumindest ist man stolz auf den Kirchen- und Stadtpatron und wird ihm auch an diesem Sonntag, unter strengen Corona-Auflagen, mit dem gemeinsamen Singen am 2. Advent (los geht es vor der Kirche St. Nikolaus um 17.30 Uhr) gedenken. Der beliebte Nikolausempfang im Sackmuseum muss aber ausfallen. Hier gibt es sonst neben kleinen Säcken mit Geschenken für die Kinder viel Gesang von Nikolausliedern. Auch das Lied „Großer Bischof Nikolaus“, das schon 1778 in Nieheim gedichtet und vertont wurde, wird dann angestimmt – auch wenn die Kindergartenkinder heute, anders als Ulrich Pieper, nicht mehr alle zehn Strophen auswendig singen können.

Nikolaus-Statue

Zum Dank an ihren Stadtheiligen haben die Nieheimer vor fast 75 Jahren eine Nikolaus-Statue im Park „Lehmkuhle“ errichtet. Hier finden sich auch Nikolausquelle und -bach sowie der Nikolausbrunnen. „Die Statue haben die Bürger aufgestellt, weil Nieheim von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben ist“, berichtet Ulrich Pieper, der viele Jahre Chef des St.-Nikolaus-Hospitals (Alten- und Pflegeheim) war. „Daran sieht man, dass wir schon viel schlimmere Zeiten zu überstehen hatten. Das sollte uns in der Corona-Pandemie auch Hoffnung geben“, sagt Nieheims Stadtheimatpfleger.

Patronatsfest

Seit Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde im Nieheimer Rathauskeller das Patronatsfest nach dem Festhochamt in der Kirche gefeiert. Dazu hatte der damalige Stadtdirektor Ferdinand Reineke, Großvater von Jana Reineke, eine Nikolaus-Skulptur in Auftrag gegeben. Aus dem 400 Jahre alten Holz des alten Rathauses wurde sie gefertigt und wird zum Nikolaus-Empfang im Sackmuseum aufgestellt. Bei diesem Anlass wird auch heute noch gerne das bekannte Lied „Passt auf, jetzt kommt der Nikolaus“ gesungen. Im weiteren Verlauf heißt es da: „erschreckt nur nicht.“ Ulrich Pieper kennt das Lied seit seiner Kindheit: „Damals hatten die Worte Demut und Achtung noch eine große Bedeutung.“ Und das fehlt dem Museumsleiter heute oft.

Säcke und der Nikolaus

Auch der Sack des Nikolauses kommt im Nieheimer Sackmuseum natürlich zur Geltung. Hier wird, neben verschiedenen Gabensäcken, unter anderem vom Niederländischen Sinterklaas, auch eine historische Laterne, die zu Martins- und Nikolaus-Umzügen genutzt wurde, gezeigt. Die erzwungenen Corona-Schließungen setzen auch dem nur durch Besuchereinnahmen und Spenden finanzierten Sackmuseum zu. Nur 800 der sonst 4000 Besucher hat Museumsleiter Ulrich Pieper in diesem Jahr gezählt. Im Sommer konnte das Museum für einige Wochen, mit Einbahnstraßenregelung und Lüftungskonzept öffnen. Zuschüsse ermöglichen jetzt den Einbau einer neuen Lüftungsanlage. Auch eine Kameraüberwachung der Ausstellungsräume wird demnächst möglich sein. Für das kommende Jahr hoffen die Verantwortlichen vor allem darauf, dass die beliebten Veranstaltungen im Sackmuseum wieder durchgeführt werden können. Ulrich Pieper plant unter dem Motto „Alltäglicher Genuss“ auch eine Sonderausstellung über Kaffeesäcke aus aller Welt.

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