32-Jährige engagiert sich im Nieheimer Heimatverein – auch für das Archiv verantwortlich
Sackmuseum: Reineke ist neue Leiterin

Nieheim (WB). „Einmalig, außergewöhnlich und urig“ – mit diesen Attributen wirbt das „Deutsche Sackmuseum“ in Nieheim seit rund 15 Jahren erfolgreich um Besucher. Und die Fans kommen längst nicht mehr nur aus der heimischen Region. Aus ganz NRW und anderen Bundesländern reisen Gäste an, um die einzigartige Sammlung des Heimatvereins mit tausenden Exponaten zu bewundern. Wie das WESTFALEN-BLATT erfahren hat, ist die 32-jährige Nieheimerin Jana Katharina Reineke die neue Leiterin des Museums und des Vereinsarchivs geworden.

Donnerstag, 05.11.2020, 06:17 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 06:20 Uhr
An diesem Küchenschrank ihrer Großeltern hat die heute 32-jährige Jana Katharina Reineke als Kind oft gestanden. Heute befinden sich die Möbelstücke in der Ausstellung des Nieheimer Sackmuseums. Auch die „geheime Klappe“ kennt sie noch. Foto: Harald Iding

Sie hat das Ehrenamt von ihrem Vorgänger Ulrich Pieper (81) übernommen. Der Vorstandsbeschluss im Heimatverein sei einstimmig erfolgt. „Wir freuen uns sehr, dass sich Jana dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellt. Ich werde ihr natürlich in den nächsten Jahren gerne mit Rat zur Seite stehen“, betonte der Vereinsvorsitzende Pieper bei einem Gespräch mit Jana Katharina Reineke und der Heimatzeitung in der gemütlichen Museumsküche (Wasserstraße).

Dort konnte Pieper der jungen Museumschefin auch gleich eine persönliche Freude zum „Amtsantritt“ machen und ihr ein für sie überraschendes Dokument der Zeitgeschichte überreichen.

Pieper: „Es gibt ein Kriegstagebuch von 1870/71 eines Nieheimers mit dem Familiennamen Boedeker. Dabei handelt es sich um den Deutsch-Französischen Krieg. Dieses Thema will ein großes Museum aus dem Kreis Paderborn näher beleuchten und so haben wir uns intensiv ausgetauscht. Im Stammbaum dieser Familie Boedeker taucht am Ende auch der Familienname Reineke auf.“ Bei dem Tagesbuchschreiber handelt es demnach um einen Vorfahren der neuen Museumsleiterin. „Das beeindruckt mich wirklich sehr“, so die Nieheimerin, die viele auch als unabhängige Bürgermeisterkandidatin im Vorfeld der Kommunalwahl im September kennengelernt haben.

Reineke, die hauptberuflich beim Konzern Melitta in Minden als Leiterin eines Teams für die Gewinnung von neuen Fachkräften und für das Standortmarketing zuständig ist, erhielt von Pieper als Ausdruck eine Kopie des Bildes, das der Schreiber Boedeker seinerzeit von Nieheim und seinem Elternhaus gemalt hatte.

Sackmuseum in Nieheim hat viele Schätze

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  • Sackmuseum in Nieheim hat viele Schätze
Foto: Harald Iding
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Im Sackmuseum steckt ein weiteres Stück Geschichte der Familie Reineke. In der oberen Etage findet man eine Kücheneinrichtung von damals. „Auf dieser Küchenbank meiner Großeltern habe ich schon als Kind gesessen. Es ist wichtig, die eigene Geschichte zu kennen“, betont sie. Ihr Opa Ferdinand Reineke war damals der Stadtdirektor der Weberstadt.

Im Rückblick erinnert sich Pieper gerne an das Jahr 1983, als die Idee von den Ortsheimatpflegern entstanden ist, eine Art „Heimatraum“ mit Archiv zentral in Nieheim anzubieten. „So entstand ein Raum mit ersten Exponaten in der Alten Volksschule, wo sich heute unten der Polizeiposten befindet.“ Bei einem „Tag der offenen Tür“ kamen seinerzeit gleich 700 Mark als Spende zusammen. „Aus jedem Dorf brachten die Gäste etwas Historisches mit.“

1998 kaufte der Verein (in den Anfängen war es der Verkehrs- und Kneippverein, 1995 führte der neu gegründete Heimatverein die Arbeit fort) das genossenschaftliche Kornhaus in der Wasserstraße – ein Backstein-Gebäude aus dem Jahre 1908, in dem tausende Säcke – gefüllt mit Getreide, Saatgut, Dünger und Viehfutter – während des blühenden Landhandels hinein- und herausgetragen wurden. So entstand auch die Idee, den „Sack“ in den Mittelpunkt des einzigartigen Museums zu stellen. Es wurde ab 1998 viel Geld und noch mehr Arbeit in den Umbau gesteckt. „Statt Frühschoppen am Sonntag habe ich Führungen gegeben.“ In den Jahren stand immer auch ein starkes Team an Piepers Seite.

Weil in diesem Jahr wegen Corona bislang keine ordentliche Mitgliederversammlung veranstaltet werden konnte, übernimmt Jana Katharina Reineke das Amt zunächst einmal „kommissarisch“, wie vom Vorstand aktuell beschlossen. Sie sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Ich bin seit einiger Zeit Mitglied im Heimatverein. Schon als Kind besuchte ich den Heimatraum in der Alten Schule. Es ist richtig spannend und wichtig – es geht doch um die Geschichte unserer Stadt. Der Erhalt liegt mir sehr am Herzen!“

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