Der erste Tag für Nieheims Bürgermeister Johannes Schlütz
Hier malocht der neue Chef gleich mit

Nieheim(WB). Es ist noch dunkel an diesem frühen Montagmorgen. In Bredenborn steuern Schüler gezielt die Bushaltestelle neben der Pfarrkirche an und einige Kilometer weiter macht sich von Holzhausen aus der neue Nieheimer Bürgermeister auf den Weg zu seinem ersten Arbeitstag als Chef der Stadtverwaltung.

Dienstag, 03.11.2020, 14:41 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 21:41 Uhr
An der Seite des Bauhof-Kollegen Philipp Antemann (links) greift Johannes Schlütz in der Nieheimer Ortschaft Sommersell am Montagmorgen zur Benzin-Heckenschere. Der Herbst sei die beste Zeit für den Rückschnitt von Bodendeckern. Später ist das Team auch noch auf dem Spielplatz des Ortes im Einsatz. Foto: Harald Iding

Statt Anzug und Krawatte trägt der dreifache Familienvater Johannes Schlütz eine schlichte Arbeitshose und einen dunklen Pulli über dem weißen T-Shirt. Das Paar Arbeitsschuhe mit Stahlkappen liegt schon im Kofferraum seines Wagens bereit.

Gleich geht es los: Um 7 Uhr fängt der Arbeitstag nicht nur für die neun Männer des Bauhofes an. Auch ihr oberster Chef im Rathaus, Bürgermeister Johannes Schlütz, wird in den ersten Stunden seiner Amtszeit an ihrer Seite sein. Das hatte er im Vorfeld den Wählern auch so versprochen.

Schlütz will gleich mit anpacken – und tut das auch. Es wird richtig malocht in den nächsten Stunden. Körperliche Arbeit kennt der 50-Jährige schon aus seinem privaten Leben und als Mitglied in mehreren Vereinen. Mitmachen und anpacken – das mag Schlütz, der als Buchautor und langjährige Führungskraft bei der „Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur GmbH“ in Frankfurt am Main auch den intellektuellen Austausch zu schätzen weiß.

Ungewöhnlicher Einsatz

„Ich will einfach besser verstehen, für was genau die Kollegen verantwortlich sind? Welche Arbeiten ausgegliedert wurden und wie der Tagesablauf grundsätzlich aussieht“, verrät Johannes Schlütz am Rande seines ungewöhnlichen Arbeitseinsatzes dem WESTFALEN-BLATT.

Den ersten Tag eines Bürgermeisters stellt man sich eigentlich ganz anders und viel entspannter vor: Frischer Kaffee, der dem neuen Chef im Zimmer 12 des Rathauses mit Keksen serviert wird. Eine Unterschriftenmappe, die auf dem Arbeitstisch liegt – und ständig den Telefonhörer in der Hand, um das „Netzwerk“ zu pflegen. So oder so ähnlich könnte es sein.

Stattdessen hält Johannes Schlütz im Laufe des Vormittags in der Ortschaft Sommersell eine Benzin-Heckenschere in der Hand und kümmert sich mit Landschaftsgärtner Philipp Antemann (30) und Kollegen Stefan (44), der den gleichen Nachnamen wie der „Neue“ trägt, um den passenden Formschnitt von Bodendecker und Rosen, die um einen Ahornbaum herum nach außen auf die Straßenfläche streben.

Um 9 Uhr ist Frühstückspause. Schlütz trinkt eine Tasse Tee aus der Thermoskanne und freut sich über die Stullen. Kraft tanken für die nächste Runde. Die beiden Bauhofmitarbeiter Philipp Antemann und Stefan Schlütz attestieren ihm schon nach kurzer Zeit „echten Einsatzwillen“. Aber Antemann macht unmissverständlich deutlich, dass ein „Azubi“ gerade am ersten Tag immer auch „gut zuhören und gehorchen muss“. Schlütz quittiert diese Offenheit mit einem freundlichen Lächeln und greift als „Hilfskraft“ zu Schaufel und Besen, denn der Grünschnitt muss auf den Transporter und wird später zwischengelagert. Bis 12 Uhr dauert die Bauhof-Schicht von Schlütz am gestrigen Montag. Danach fährt der Finanzexperte kurz nach Hause, um sich frisch und fein zu machen – für die nächste Etappe, im Rathaus. Mit Ehefrau Anke und den Kindern hatte Schlütz dort am 1. November sein Dienstzimmer bereits nach seinen Vorstellungen eingerichtet. Jetzt stehen dort gerahmte Bilder mit Stationen aus seinem Leben. Als das Ehepaar Schlütz zum Beispiel Majestäten der Schützen in Holzhausen waren (2014) und sich auch im Hofstaat (2018) richtig wohl fühlten.

Büro ist eingerichtet

Auch wenn es in dieser Woche noch weitere Termine im Bauhof gibt, so schränkt die aktuelle Corona-Entwicklung seine Pläne für den Bauhof doch etwas ein. „Ich werde nach der Mittagspause täglich ins Rathaus wechseln“, so der Bürgermeister, der jetzt Rainer ­Vidal im Amt gefolgt ist.

Aus dem bundesweiten Teil-Lockdown würden neue Restriktionen auf Ebene der Kommunen resultieren. Die verschärften Corona-Schutzvorschriften müssten im Nieheimer Ordnungsamt sorgfältig geprüft, auf die Gegebenheiten in Nieheim übertragen und an alle Beteiligten verständlich kommuniziert werden.

Corona habe auch seinen Ausstand in Frankfurt beeinflusst. „Eine Feier mit mehreren Kolleginnen und Kollegen ist derzeit gar nicht zulässig. Der Abschied fiel daher sehr bescheiden aus“, bedauert Schlütz, der in Frankfurt 22 Jahre beruflich verbracht hat. „Alle unsere Kinder sind dort geboren.“ Und was ist sein langfristige Ziel? „Ich will hier mindestens zwei Legislaturperioden Bürgermeister sein, die Entwicklung der Gemeinde stark mitprägen – und für ihre Bürger alles geben!“

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