Susanne Saage startet neues Projekt „Paten fürs Leben“ – Gymnasium Steinheim beginnt
Jugend schenkt Senioren Zeit

Steinheim (WB). „Ich möchte das verschenken, was keiner mehr hat: Zeit.“ Wenn „Löwenmama“ Susanne Saage ihr neues Projekt vorstellt, dann tut sie auch dieses wieder mit ganz viel Herz. Dieses Herz schlägt unermüdlich für andere Menschen – für die schwer kranken Kinder, die sie alljährlich zu Weihnachten beschenkt , und auch für Senioren. Ihnen ist das Projekt „Paten fürs Leben“ gewidmet, mit dem Susanne Saage Zeit schenkt und Jung und Alt zusammenführt.

Samstag, 10.10.2020, 06:00 Uhr

Das Städtische Gymnasium Steinheim ist als erste Partnerschule der Ausgangspunkt der Initiative, von der Susanne Saage sich wünscht, dass sie wie ihre „Aktion Löwenmama“ bundesweit Kreise zieht. 17 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe haben sich bereit erklärt, als „Paten fürs Leben“ Senioren in Pflegeheimen zu besuchen. Vorbei schauen, zusammen „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen, kleine Besorgungen machen, etwas vorlesen oder einfach da sein: All das ist möglich, sobald die Corona-Situation Besuche wieder erlaubt. Susanne Saage ist mit Pflegeheimen im Gespräch. Sie hat auch Anfragen von Senioren, die alleine zuhause leben. Auch sie können am neuen Patenschaftsprogramm teilnehmen.

Paten für Fünftklässler

Die Steinheimer Gymnasiasten, die den Anfang machen, haben in der Schule eine Streitschlichterausbildung durchlaufen und stehen den Fünftklässlern immer mit Rat, Tat und Kennenlern-Aktionen hilfreich zur Seite. „Sie sind Paten der Fünftklässler und möchten jetzt auch Paten für Senioren sein“, freuen sich die Lehrerinnen Maria Behler und Dorothea Eulenring. Ihnen dankt Susanne Saage ebenso wie Schulleiter Marko Harazim für die einhellige Unterstützung. „Als ich das Projekt vorgestellt habe, signalisierten alle gleich die Bereitschaft, für ältere Menschen etwas zu tun. Das finde ich großartig“, strahlt Susanne Saage. Stolz ist die als „Löwenmama“ bundesweit bekannte Sommersellerin auf die Schülerinnen und Schüler: „Die Jugend leistet sehr viel.“ Weitere Schulen möchten dem guten Beispiel des Gymnasiums Steinheim folgen und ebenfalls mitmachen.

Das Herz aus Sonnenblumen erzählt eine eigene rührende (Herzens-)Geschichte: Die Blumen stammen von einem Sonnenblumenfeld aus Lügde. Der Landwirt hat es angelegt, um Menschen glücklich zu machen. Daher war es ihm eine Freude, Susanne Saage für die Vorstellung ihres Patenprojekts die Blumen mitzugeben. Für diese herzliche Geste dankt sie der Familie von Herzen.

Das Herz aus Sonnenblumen erzählt eine eigene rührende (Herzens-)Geschichte: Die Blumen stammen von einem Sonnenblumenfeld aus Lügde. Der Landwirt hat es angelegt, um Menschen glücklich zu machen. Daher war es ihm eine Freude, Susanne Saage für die Vorstellung ihres Patenprojekts die Blumen mitzugeben. Für diese herzliche Geste dankt sie der Familie von Herzen. Foto: Sabine Robrecht

Für sie alle hat Susanne Saage eine Fülle von Ideen. Sie könnte sich vorstellen, dass Unternehmer oder Privatleute ein Zeitungsabo schenken und mehrere Senioren sich dieses dann teilen. Die Schülerinnen und Schüler können die Zeitung von einem Leser zum anderen bringen und bei der Gelegenheit vielleicht auch gelesene Zeitschriften aus dem eigenen Haushalt mitnehmen. Wenn einem älteren Menschen eine Kiste Mineralwasser fehlt, „könnt Ihr mich anrufen. Ich bringe sie dann mit dem Auto vorbei“, signalisiert Susanne Saage. Unkompliziert und tatkräftig bietet die bescheidene Frau mit dem großen Herzen den jungen Paten ihre Unterstützung an – und ruft Senioren, Pflegeheime und Schulen dazu auf, sich per E-Mail unter ssaage@web.de an sie zu wenden. Denn die „Paten fürs Leben“ sollen Kreise ziehen. Damit Senioren nicht nur in Steinheim und Umgebung, sondern überall nicht mehr so alleine sind.

Schlüsselerlebnis

„Die Gesellschaft hat den alten Menschen viel zu verdanken. Sie haben es verdient, dass wir uns um sie kümmern.“ Daher kämpft Susanne Saage – mit dem unbändigen Drive, der ihr das Prädikat „Löwenmama“ eingebracht hat, – für ihre Idee, gemeinsam mit jungen Menschen Licht in den oft tristen Lebensabend von Senioren zu bringen. Den Anstoß dazu hat – wie so oft im Leben – ein Schlüsselerlebnis gegeben: Susanne Saage ist in der Pflege tätig. Eine hochbetagte Bewohnerin der Einrichtung, in der sie arbeitet, hatte zu Weihnachten einen einzigen bescheidenen Wunsch: „Schieben Sie mich doch bitte ans Fenster, damit ich unseren Gartenteich noch einmal sehen kann.“ Susanne Saage kamen die Tränen – Tränen der Rührung und des Bedauerns darüber, wie wenig Zeit das Pflegepersonal hat. Jetzt verschenkt sie Zeit. Und führt Generationen zusammen. Beides zeigt sich demnächst im Logo des Programms, einem gelben Herz mit einer jungen und einer alten Hand. Die Steinheimer Gymnasiasten stehen in den Startlöchern und hätten längst schon mit ihren Besuchen begonnen, wenn Corona nicht wäre. Um trotzdem etwas zu tun, schreiben sie Postkarten. Diese werden vielen Senioren ein erstes Lächeln ins Gesicht zaubern.

O-Töne der Schüler

Junge Menschen kümmern sich um Senioren: Warum sie mitmachen, begründen einige Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Steinheim mit bewegenden Worten:

Paula Strato (15): „Wenn alte Menschen allein sind, wird es sie freuen, dass wir Jüngeren uns um sie kümmern. Auch uns macht es Freude, zu ihnen Kontakt aufzubauen.“

Greta Wiechers (16): „Wir schenken Zeit und bekommen etwas zurück. Wir werden von den alten Menschen etwas lernen, sobald wir uns uns mit ihnen treffen können.“

Tabea Simon (17): „Man selber ist glücklich, wenn man andere Menschen glücklich machen kann.“

Sarah Normann (17): „Es geht nicht nur darum, zu helfen, sondern einfach Freundschaft zu schließen. Da spielt das Alter keine Rolle.“

Alwin Siemens (18): „Viele alte Menschen sind auch vor Corona schon allein gewesen. Sie haben viel erlebt in ihrem Leben. Wir möchten ihnen eine Freude machen. Wenn wir sie besuchen, fühlen sie sich wertgeschätzt.“

Ein Kommentar von Sabine Robrecht

Ich hatte das Glück, in einer Großfamilie aufzuwachsen. Wir lebten bei den Eltern meiner Mutter mit im Haus. Sie waren der Mittelpunkt der Familie. Mit allem, was ich auf dem Herzen hatte, konnte ich zu ihnen kommen. Ich stieß auf Zuwendung und Verständnis und habe heute noch ihre lebensklugen Ratschläge im Ohr, die mir bei dem, was mich umtrieb, geholfen und mich geerdet haben. Aus ihren authentischen Erzählungen habe ich viel gelernt – über den entbehrungsreichen Alltag im Krieg, den Wiederaufbau nach 1945, die bescheidenen Lebensverhältnisse der Familien in diesen Jahren und das entschlossene Eintreten für ein Gemeinwesen, in dem es nie wieder so weit kommen darf, dass Krieg, Zerstörung und Totalitarismus Unheil über die Menschen bringen. Einen Wertekompass haben die Großeltern mir mitgegeben. Und sich an jedem noch so kleinen Schritt in meinem jungen Leben unbändig erfreut. Das tat richtig gut!

Die Zeit der Großfamilien ist mehr oder weniger vorbei. Trotzdem sollten die Generationen zusammenhalten: weil junge Menschen von den Älteren lernen und weil die Freude, die Senioren an Kindern und Jugendlichen haben, Balsam für junge Seelen ist.

Susanne Saage baut Brücken zwischen Jung und Alt. Ihr Patenschaftsprojekt bringt aber auch eine traurige Zeiterscheinung ins Bewusstsein: Viele ältere Menschen sind einsam. Das möchte die beherzte Sommersellerin ändern. Mit ihrer Initiative gewinnt sie Jugendliche dafür, Senioren in Pflegeheimen oder zuhause zu besuchen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Diese Idee ist ein Segen. Sie öffnet die Herzen junger Menschen und bringt den Älteren die Wertschätzung entgegen, die sie schon allein angesichts ihrer Lebensleistung in den Jahren des Wiederaufbaus (aber nicht nur deshalb) verdient haben.

Vom Gymnasium Steinheim aus, dessen Pionier-Paten Anerkennung gebührt, will Susanne Saage über den Kreis Höxter hinaus einen Stein ins Rollen bringen. Dass sie das Zeug dazu hat, zeigt ihre Weihnachts-Offensive „Aktion Löwenmama“, die inzwischen bundesweit Kreise zieht. Mit ihrem großen Herzen, ihrer Aufrichtigkeit und ihrer unerschöpflichen Energie schafft Susanne Saage es, viele Menschen an vielen Orten nachhaltig für eine gute Sache zu mobilisieren. Jetzt ist die Löwenmama auch für Senioren ein Segen. Sie haben es verdient.

 

 

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