Beim Mühlenbauer Gebr. Ruberg in Nieheim übernimmt die sechste Generation
Dreigestirn plant die Zukunft

Nieheim (WB/RB). Innovationen fördern und Traditionen bewahren: Dieser Leitlinie folgt beim Nieheimer Maschinenbauer Gebr. Ruberg Firmenchef Alhard Ruberg bereits in der fünften Generation. Nun schickt sich mit der 29-jährigen Tochter Janina und dem 31-jährigen Schwiegersohn Marc Ruberg die sechste Generation an, in die strategische Führungsaufgaben in der Personalleitung und im Vertrieb zu übernehmen.

Donnerstag, 24.09.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 16:54 Uhr
Zusammen wollen (von links) Alhard, Marc und Janina Ruberg das Familienunternehmen in die Zukunft führen. Der Seniorchef führte das Unternehmen seit Beginn der 1980er Jahren alleinverantwortlich. 55 Mitarbeiter und zehn Lehrlinge sind beschäftigt.

1848 gegründet

Gegründet wurde das mittelständische Unternehmen im Jahr 1848 von Christian Ruberg. Es konzentrierte sich zunächst ganz auf den Mühlenbau und belieferte vorwiegend Mühlen und bäuerliche Betriebe in den Landkreisen Höxter, Warburg und Paderborn. In Folge der aus ganz Deutschland eingehenden Aufträge begann die zweite Generation damit, den Betrieb sukzessive zu erweitern. Folglich stieg der Personalbedarf kontinuierlich an, so dass Gebr. Ruberg in den 1960er Jahren mit 50 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern im damaligen Amt Nieheim zählte.

55 Mitarbeiter

Der Wandel von der bäuerlichen Landwirtschaft zur Agrarindustrie zog in der Folge Veränderungen nach sich, die auch den Nieheimer Mühlenbauer vor neue Herausforderungen stellte. Getreidesilos und Großanlagen wie zum Beispiel Futtermittelwerke waren plötzlich gefragt und zwangen die Unternehmensleitung zum Umdenken und zur Betriebserweiterung. Ruberg folgte dem neuen Trend, ohne jedoch das Kerngeschäft zu vernachlässigen.

Heute fertigt das Unternehmen mit seinen 55 Festangestellten und zehn Auszubildenden mit moderner Steuerungstechnik ausgerüstete Spezialmaschinen für global agierende Großkonzerne in der ganzen Welt. Produziert wird unter anderem für die Lebensmittel- und Agrarindustrie, die Futtermittel- und Gewürzmittelindustrie, für Umwelt- und Recyclingunternehmen, für die Automobil- und Holzbranche sowie für die Kunststoff- und Pharmaindustrie. Alleinverantwortlicher ist seit 1980 der heute 62-jährige Alhard Ruberg.

Gelassen zurückziehen

Mittlerweile kann sich der Chef jedoch „mit einer gewissen Gelassenheit“ aus der Verantwortung zurückziehen, denn mit Janina und Marc Ruberg ist vor einem Jahr die nachfolgende Generation in das Unternehmen eingestiegen und hat sich in leitenden Positionen bewährt. Beide haben in renommierten Hamburger Unternehmen eine solide kaufmännische Ausbildung erhalten und anschließend Betriebswirtschaft studiert.

Von Kindheit an

Janina Ruberg, die das Innere des väterlichen Betriebs von Kindesbeinen an kennenlernte, übernahm nach ihrer Rückkehr die Leitung der Personalabteilung. Da es Marc Ruberg ganz wichtig ist, über alle „Betriebsgeheimnisse und Betriebsabläufe“ genau Bescheid zu wissen, durchläuft er zurzeit noch alle Abteilungen. Künftig wird er für den Vertrieb zuständig sein und dabei mitwirken, das Unternehmen weiterzuentwickeln und neue Märkte zu erschließen. Die Antwort auf die Frage, wie sich die Zusammenarbeit von Jung und Alt gestaltet, ist unmissverständlich: „Es ist alles gut“, lacht Alhard Ruberg zufrieden. „Die jungen Leute haben alle Freiheiten. Und bisher haben sie diese zum Wohl des Unternehmens sehr gut genutzt.“ Lobend erwähnt er die Entscheidungen, die zum Beginn der Corona-Krise in enger Abstimmung getroffen und mit Erfolg umgesetzt werden konnten. „Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und trotzdem die Produktion fortzuführen, waren aufgrund der ungewissen Lage schnell und vorausschauend wirksame Konzepte zu entwickeln“, so Alhard Ruberg. Hilfreich waren dabei die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle für die Fertigung sowie das von der Verwaltung und der Konstruktionsabteilung in Anspruch genommene Homeoffice.

Homeoffice mit Grenzen

Vom Homeoffice auf Dauer hält man bei Gebr. Ruberg jedoch nur wenig. „Die Menschen entfremden sich und neue persönliche Bindungen entwickeln sich nur schwer“, ist die Meinung des Chefs. Ihm fehlen bei Verhandlungen mit Kunden und Lieferanten die Nähe, die Körpersprache und der alles besiegelnde Händedruck.

Obwohl Janina und Marc Ruberg die modernen Kommunikationstechniken zu schätzen und gezielt zum Vorteil des Unternehmens einzusetzen wissen, denken sie in diesem Punkt wie der Senior. „Die Vorteile der Face-to-Face-Kommunikation lassen sich durch nichts ersetzen“, meint Janina, während Marc an Verkaufsgespräche erinnert, die sich bei einer Tasse Kaffee oder einem gepflegten Essen angenehmer führen lassen als in Videokonferenzen.

Neue Azubis

Auch bei der Zukunftsplanung liegen die Meinungen des „familiären Dreigestirns“ dicht beieinander. Überzeugend war Janina Ruberg ganz offensichtlich bei der Anwerbung neuer Auszubildender. Acht neue Azubis begannen in diesem Jahr eine qualifizierte Ausbildung. Derweil konnten Alhard und Marc Ruberg die Geschäftsbeziehungen trotz der Corona Krise intensiv pflegen und neue Kunden hinzugewinnen.

Dennoch sind sich beide darüber im Klaren, dass es nach Corona schwieriger werden wird. Aber sie sind auch fest davon überzeugt, dass Konzerne wie Henkel, Givaudan oder Unilever die Mischanlagen des Nieheimer Maschinenbauers nach wie vor weltweit einsetzen werden.

Mitarbeiter einbinden

„Wir leben zusammen, und wir arbeiten zusammen. Wir reden miteinander und entscheiden miteinander“, lässt Alhard Ruberg erkennen, mit welcher Philosophie er das Traditionsunternehmen am internationalen Markt halten und festigen will. Und er pflichtet Schwiegersohn Marc Ruberg bei, wenn dieser erklärt, dass er gerne die Angestellten, soweit das möglich ist, in Entscheidungsprozesse einbinden möchte.

Den Vater lange fragen

Worauf die junge Generation sonst noch baut, formuliert Janina wie folgt: „Ich hoffe, dass wir den Papa noch ganz viele Jahre um Rat fragen können.“

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