Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper freut sich über unerwarteten Dachboden-Fund
Nieheimer Ziegel von 1844 entdeckt

Nieheim/Pömbsen (WB). Von einem Sensationsfund spricht Nieheims Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper, nachdem ihm auf die Berichterstattung dieser Zeitung und die kulturgeschichtliche Schrift des Heimatvereins Nieheim hin zwei Dachziegel überlassen wurden.

Sonntag, 02.02.2020, 22:26 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 22:30 Uhr
Über den Sensationsfund von zwei Dachziegeln freut sich Nieheims Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper. Deutlich ist der Name Pömbsen und die Jahreszahl 1844 in einen Ziegel eingeritzt, der andere trägt die Jahreszahl 1846. Foto: Heinz Wilfert

„In sie sind deutlich lesbar die Jahreszahlen 1844 und 1846 mit dem Namen der Ortschaft Pömbsen eingeritzt,“ berichtet Pieper, der davon ausgeht, dass diese Dachziegel im Nettelsiek gebrannt wurden und so die historischen Erkenntnisse über die Nieheiemr Ziegelhütte untermauern. Die Hütten auch in Brakel und Bad Driburg leisteten so einen wichtigen Beitrag für die Brandverhütung, weil die Strohdächer nach und nach durch Ziegeldächer ersetzt werden konnten. Die jetzt gefundenen Ziegel lagen bis 1979 in Nieheim auf einem Haus, was beweist, wie wertbeständig die Qualität der Dachziegel aus der einstigen städtischen Nieheimer Ziegelhütte war. Diese Ziegelhütte im Nettelsiek hat nachweislich von 1708 bis 1858 über 150 Jahre die Stadt Nieheim und angrenzende Orte mit Mauersteinen und Dachziegeln versorgt. Sie lag zwischen Erwitzen und Pömbsen im Quellgebiet des Erwitzer Mühlenbaches.

Dachziegel sind flächige grobkeramische Bauelemente aus gebranntem Ton, die seit Jahrhunderten zum Eindecken von geneigten Dächern dienen. Diese wird dann Ziegeldeckung genannt und ist ein Teil der Dachentwässerung. Eine zusammenhängende Reihe von Dachziegeln nennt sich Gebinde. Die Ziegeldeckung kann aus traditionellen, unverfalzten Dachziegeln wie Hohlpfannen, oder Mönch und Nonnen-Ziegeln oder aus modernen Falzziegeln wie Doppelmuldenfalzziegeln bestehen. Die Qualität bezüglich der Regensicherheit und die Art der zweiten Entwässerungsebene entscheiden über die Dachneigung.

Neben Dachziegeln gibt es weitere, natürliche Bedachungsmittel, wie fein gespaltene Schieferplatten, mit denen die Schieferdeckung hergestellt wird. Neben den natürlichen gibt es auch künstliche Dachdeckungswerkstoffe wie Betondachsteine oder Elemente aus Kupfer oder Zink für die Herstellung von Metalldächern. Im Kreis Höxter liegen auf alten Gebäuden in vielen Orten vielfach auch Sollingsandsteinplatten.

Wann genau und von wem der aus Ton gebrannte Dachziegel erfunden wurde, ist nicht überliefert. Es gibt jedoch einen Bericht des griechischen Schriftstellers Pindar, in welchem er die Erfindung des Dachziegels im Jahre 450 vor Christus den Korinthern zuschreibt. Während es zur Geschichte des Dachziegels außer von Originalstücken (aus Bodenfunden) nur spärliche Informationen gibt, ist die Historie des Mauerziegels in zahlreichen Schriften antiker Schreiber festgehalten und durch Ausgrabungen belegt.

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