»Atelierhaus Nieheim« schließt – Mietvertrag endet im Juni – erfolgreiche Kulturarbeit seit 2010 Kunst ist zum Greifen nah

Nieheim (WB). Das ­»Atelierhaus Nieheim« (AHA) hat sich seit dem Start in 2010 zum einem wunderbaren »Einfallstor« in die Welt der Kunst, Poesie und Kreativität entwickelt. Es ist von Anfang an ein offenes Angebot für alle Interessierten in der Region gewesen. Das Team von Kunstbegeisterten in Nieheim wird im Sommer allerdings sein angestammtes Zuhause verlieren.

Von Harald Iding
Das »Atelierhaus Nieheim« (AHA) hat sich zu einem Künstlerhaus der besonderen Art entwickelt, in dem sich alle Generationen wohlfühlen. Es schließt Ende Juni dieses Jahres.
Das »Atelierhaus Nieheim« (AHA) hat sich zu einem Künstlerhaus der besonderen Art entwickelt, in dem sich alle Generationen wohlfühlen. Es schließt Ende Juni dieses Jahres. Foto: Harald Iding

Denn sie haben die Kündigung erhalten – weil die bauamtlichen Vorgaben nicht mehr gewährleistet seien für die bisher genutzten Räume auf zwei Ebenen. Es dreht sich um die frühere Wohnung des evangelischen Pfarrers – im Gebäude »Marktstraße 7«, gleich neben der Kirche. »Die Kündigung hat uns der Vermieter, die Evangelische Kirchengemeinde, mitgeteilt. Daher endet unser Mietvertrag und wir werden das Haus zum 30. Juni dieses Jahres verlassen«, sagte Birgitt Meier dem WESTFALEN-BLATT. Auch für die Nieheimerin Doris Abthoff endet mit diesem Einschnitt ein Kapitel: »Ich werde meine Arbeit als Dozentin in den Mal- und Kreativkursen nicht weiter fortsetzen. Seit etwa sechs Jahren bin ich mit großer Freude im Atelierhaus aktiv und habe gemeinsam mit den Kursteilnehmern viele schöne Momente erleben dürfen.«

Erst am Montag durfte sie wieder eine Gruppe Grundschulkinder im Rahmen des Projektes »Kultur und Schule« im Atelierhaus begrüßen. Kinder aus den dritten und vierten Klasse erfahren dort regelmäßig Kunst außerhalb der Schule, direkt in einem Werkhaus von Künstlern. »Dieses Angebot kommt bestens an und Talente können auf diese Weise entdeckt werden.«

Birgitt Meier erinnert sich noch gerne an ein junges Mädchen, das früh den Blick für das Wesentliche und die Proportionen hatte: »Sie hat die Dinge einfach anders wahrgenommen als die meisten Gleichaltrigen. Das ist eine sehr schöne Erfahrung gewesen – für beide Seiten.«

Das Angebot für Erwachsene und Kinder zur künstlerischen Gestaltung ist breit gefächert. Foto: Harald Iding

Die Vielfalt der Kunstwelt spiegelt sich in dem enormen Angebot des Atelierhauses wider. »Wir bieten ein breit gefächertes Angebot für Kinder und Erwachsene zur künstlerischen Gestaltung.«

Dazu zählten in den vergangenen Jahren zum Beispiel regelmäßige wöchentliche Malkurse in Arbeitsgruppen; Schnuppertage für Anfänger; Ferienangebote in bildender Kunst; Projekt- und Ideenschmiede; Kurse und Seminare zur plastischen Skulpturgestaltung; Kalligrafie und Mosaikgestaltung – und das ist nur ein kleiner Überblick der zahlreichen Aktivitäten für alle Generationen.

Landschaftsmalerei mit Berliner Dozentin

In dieser Woche hat die erfahrene Künstlerin und Dozentin Bärbel Rothhaar aus Berlin wieder einen erfolgreichen Kurs (Thema: Landschaftsmalerei) über mehrere Tage anbieten können. Unter den begeisterten Akteuren war Anette Bombicki aus dem Kreis Lippe. »Die Räumlichkeiten und die Atmosphäre hier sind einfach ideal. Seit Jahren nutze ich die Möglichkeiten, mich in der Malerei fortzubilden und mehr zu erfahren – zum Beispiel über den Expressionismus und den Surrealismus. Ich werde hier das Haus der Kunst sehr vermissen.«

Powertex-Skulpturen

Neben Birgitt Meier und Doris Abthoff haben sich auch Margret Wulf-Freitag (Expertin für Powertex-Skulpturen) und Annemarie Düker (Farb-Quilt) im AHA-Team engagiert eingebracht. Gemeinsam haben sie es geschafft, auch die künstlerischen Kreise größer zu ziehen, über Stadt- und Kreisgrenzen hinaus. »Wir haben an den Veranstaltungen des Kunstvereins ›Malen an der Burg‹ in Blomberg teilgenommen. Daneben gibt es eine Kooperation mit der VHS und auch eine Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum in Nieheim«, betonte Meier.

Erfolgreiche »Quilt-Gruppe«

Und da ist noch die »Quilt-Gruppe« mit durchschnittlich 16 bis 18 Frauen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren, die sich regelmäßig in dem Künstlerhaus trifft. Für sie ist es mehr als die künstlerische Auseinandersetzung mit Stoffen. Birgitt Meier: »Es geht um soziale Bindungen, Vertrauen und Gemeinschaftsgeist. Jede der Damen freut sich auf die Treffen. Sie besuchen sogar gemeinsam Freundinnen in anderen Städten. Das ist ein wunderbarer Zusammenhalt entstanden!« Diese Gruppe habe in der Altstadt von Nieheim einen neuen Raum als Nachfolgelösung für sich gefunden.

Auszeit vom Alltag

Birgitt Meier und ihre Teamkolleginnen hoffen, dass die Kreativität trotz Schließung des AHA auch weiterhin in der Region künstlerisch gelebt wird. »Kinder und Erwachsene brauchen einfach die Möglichkeit, sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und dabei ihre kreative Ader zu entdecken.«

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