Nieheims Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper wird 80 – ein geschätzter »Tausendsassa«
Macher und Querdenker mit Herz

Nieheim (WB). Zurück zu den Wurzeln. Seine Geburtsstadt Braunschweig steuert heute, 8. April, der Stadtheimatpfleger von Nieheim, Ulrich Pieper, an. »An meinem 80. Geburtstag möchte ich in der Pfarrkirche ein Gebet sprechen, in der ich getauft worden bin.« Damit aber die zahlreichen Freunde und Wegbegleiter von Pieper die Gelegenheit bekommen, dem »Tausendsassa« aus Nieheim persönlich zum Ehrentag zu gratulieren, gibt es eine große Feier.

Montag, 08.04.2019, 11:11 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 11:14 Uhr
In der alten Küche des Museums im Kornhaus (auch Sackmuseum) fühlt sich der Vorsitzende Ulrich Pieper wohl. Er feiert am 8. April seinen 80. Geburstag. Foto: Harald Iding

»Ich lade alle zu einem musikalischen Frühschoppen am Sonntag, 28. April, ab 11 Uhr an der Stadthalle Nieheim ein«, sagt Pieper. Das Blasorchester Himmighausen wird zünftig aufspielen. Statt Geschenke möchte Ulrich Pieper, dass die Gäste für die Anlage und Pflege der »Nieheimer Flechthecken« und den Naturschutz spenden. »Der Erlös der Feier am 28. April fließt auch in diesen Topf«, so der Stadtheimatpfleger, der den Flechthecken erst zu einem »Adelstitel verholfen hat. Schon seit Jahren setzt sich Pieper, zugleich Vorsitzender des Heimatvereins Nieheim, für den Schutz und die Förderung der » Nieheimer Flechthecken « ein. Die Krönung war 2018 die Anerkennung der speziellen, handgebundenen Hecken durch die deutsche Unesco-Kommission als »Immaterielles Kulturerbe«. Mehr Anerkennung geht nicht.

»Nieheimer Flechthecke« geadelt

Aber die Arbeit, das Anlegen mittels traditioneller Technik von eben diesen Lebensräumen, bleibt weiter Auftrag von Pieper und den vielen Helfern in der Großgemeinde. Die Unesco lobt: »Dort werden verwilderte Hecken wieder gepflegt, um das Landschaftsbild aufzuwerten. Gerade heute stellt die Kulturform einen großen ökologischen Wert für die Tier- und Pflanzenwelt dar. Vögel erhalten neuen Lebensraum, Igel, Hasen, Siebenschläfer oder die Haselmaus und Rebhühner finden einen Brut- und Nistplatz.«

Ulrich Pieper sitzt wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag in der urgemütlichen Küche des Sackmuseum und blickt im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Auf die Frage, wie viel Zeit er heute noch für das Ehrenamt aufbringt, lächelt Pieper fast wie ein kleiner Junge: »Es ist immer noch ein Acht-Stunden-Arbeitstag – in mehreren Vereinen und in ganz verschiedenen Positionen!« Er dürfte der wohl jüngste »80er« sein. So viel Energie steckt in ihm.

Eintrag ins »Goldene Buch«

Als Pieper Anfang dieses Jahres von der Stadt Nieheim mit einer Urkunde und dem Eintrag ins »Goldene Buch« für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement insbesondere in den Bereichen Flechthecken, Kaltblutpferde und Sackmuseum öffentlich geehrt wurde, trug er feinen Zwirn und Krawatte.

Sonst sieht man den Naturfreund eher in stabiler Arbeitskleidung – denn er will täglich anpacken und etwas verändern, das geht eben nicht im Anzug. Pieper hat viele Facetten. Das zeigt sich auch an seiner Vita: Da reicht ein einzelnes DIN-A4-Blatt nicht mehr aus, um die vielen Eckdaten seines Lebens und Schaffens aufzuzählen. Hier aber die wichtigsten Stationen auf seiner Zeittafel:

Bei Großeltern aufgewachsen

Geboren wurde Ulrich Pieper am 8. April 1939 in Braunschweig. Wegen des Krieges kam er – von Familie getrennt – 1940 bei den Großeltern in Nieheim unter, wo er aufwuchs. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit seinen drei Schwestern gemeinsam nach Nieheim. Dort besuchte er die Volksschule – und wechselte 1953 noch einmal den Wohnort. Dieses Mal war es Münster. Dort begab er sich in eine kaufmännische Lehre und baute die Pfarrjugend in der Domstadt mit auf – als Pfarr- und Dekanatsjugendleiter.

1965 trat er in die Junge Union ein und ein Jahr später in die CDU. Er wurde Verwaltungsangestellter bei der Landesversicherungsanstalt. 1960 kam der berufliche Wechsel zur MAN-Maschinenfabrik in Hannover. Für das Unternehmen war er zuletzt kaufmännischer Leiter der Reparaturwerkstätte in Hildesheim. Ab 1966 war die Beresa-Automobilgesellschaft in Münster dann sein Arbeitgeber (dort war er Hauptbuchhalter). Wer sich heute fragt, warum Ulrich Pieper eigentlich so ein ausgeprägtes technisches Verständnis für die vielen Dinge im Alltag hat, der findet in diesen Lebensstationen wohl eine Antwort.

Überhaupt: Führung und Verantwortung zu übernehmen, ohne lange zu lamentieren und sich für Mitarbeiter stark zu machen, um sie stark zu machen – dieser Charakterzug hat Pieper auch im weiteren beruflichen Werdegang und bei seinen Aufgaben im Ehrenamt immer wieder ausgezeichnet.

Pieper wird im Mai dieses Jahres 40 Jahre mit Hildegard (geborene Schöning aus Nieheim) verheiratet sein. Sie haben drei Kinder (Birgit, Dirk und Ludger) und ihren Lebensmittelpunkt ganz in der Nähe der Lehmkuhle (in einem liebevoll sanierten alten Haus in der Burgstraße).

Schützenkönig in 1993

Seit 1972 gehört Pieper aktiv der Alten Schützengesellschaft an. Er war Rottmeister, Adjutant, Schützenkönig (1993), Kommandeur (2008) und 1. Oberst (2009). Als Ratsmitglied der CDU setzte er sich maßgeblich gegen die Planung einer Giftmülldeponie in der Tongrube Rath ein. Pieper: »Es war ein erbitterter Kampf über Jahre – aber mit Erfolg!« 1983 wurde er Ortsheimatpfleger, war ein leidenschaftlicher Initiator zur Gründung eines Heimatmuseums und der Hille-Gesellschaft zum Erhalt des Hauses in Erwitzen.

Er hatte einige Zeit den Vorsitz im Ortsausschuss inne und arbeitete an der Gestaltung des Stadtkerns mit. Beruflich kennen ihn noch viele in der Funktion als Heim- und Verwaltungsleiter des St.-Nikolaus-Altenwohn- und Krankenheims (ab 1988). 1989 übernahm er die Aufgabe des Vize-Kreisheimatpflegers und ist heute noch Stadtheimatpfleger.

Viele Vereine gegründet

Er gestaltete die 750-Jahr-Feier (1993) seiner Heimatstadt Nieheim mit und kaufte die Kaltblutstute Sina. In dem Jahr wurde auch der Verein »Freunde des Westfälischen Kaltblutpferdes Nieheim« gegründet. 1995 gehörte Ulrich Pieper zu den Gründungsmitgliedern des Heimatvereins Nieheim mit Aufbau von Arbeitskreisen: Plattdeutsch, Archäologie, Flechthecken, Pferde, »Juprona« (Jugendgruppe) und »El Mikado« (Akkordeongruppe). 1998 initiierte Pieper die Erweiterung des Heimatvereins und den Kauf sowie Umbau des alten Kornhauses in der Wasserstraße (auch zum Sackmuseum). Seit 2007 ist Pieper Vorsitzender des Heimatvereins mit seinem weitreichenden Netzwerk. Als Mitglied hat er sich eingebracht – unter anderem im Verkehrs- und Kneippverein, Männergesangverein, EGV Nieheim, in der Fr.-Wilhelm-Weber-Gesellschaft, im FC Nieheim und DRK.

Persönliche Betroffenheit

Warum hat Ulrich Pieper in den Jahrzehnten eigentlich so viele Ehrenämter mit Fleiß übernommen? Seine Antwort darauf: »Oft aus Begeisterung für eine Sache, aus Zufall oder auch aus persönlicher Betroffenheit.« Sein größter Wunsch: »Dass die Gesellschaft mit sich im Gespräch bleibt!«

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