15 Bäume gefällt – Nieheimer Heimatpfleger will Strafantrag stellen – Kreis eingeschaltet
»Das ist ein Fall von Umweltfrevel«

Nieheim/Steinheim (WB). Sie bringen sich im Team für die Natur ein: Wolfgang Schlick (74), Wilfried Erbsland (67) und Ulrich Pieper (79) haben rund 100 Meter Flechthecke gesetzt. Auf dem Nachbar-Acker bietet sich ein ganz anderes Bild, die Senioren sind geschockt.

Donnerstag, 04.04.2019, 10:51 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 10:54 Uhr
Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper (79) ist fassungslos: »Auf einer Feldflur zwischen Nieheim und Oeynhausen ist ein erheblicher Eingriff in die Landschaft vorgenommen worden. 15 stattliche Eichenbäume am Wegesrand und auf dem Acker sind gefällt worden. Das ist ein Fall von Umweltfrevel!« Foto: Harald Iding

Ein Landwirt aus der Großgemeinde Steinheim hat dort als Eigentümer vor Wochen (wohl noch bis Ende Februar) auf einer Länge von mehr als 600 Metern mehrere Bäume gefällt und die Hecke auf Stock geschnitten. Entlang der Feldstraße »Nachtstall« zwischen der Bundesstraße 252 und der Ortschaft Oeynhausen bietet sich für Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper und seine Kollegen ein erschütterndes Bild. Pieper: »Ich bin auch von erbosten Bürgern informiert worden, dass hier ein Eingriff in die Landschaft vorgenommen worden ist, der nicht in Ordnung ist.« Aber nicht nur am Weg sind Bäume gefällt worden, auch in die Landschaft hinein. Es soll sich um insgesamt 15 Bäume, zumeist Eichen, handeln, viele mit einem meterdicken Stamm und etliche Jahrzehnte alt.

»Wenn man das sieht, was hier an Holz aufgestapelt ist, kann man das Ausmaß des Schadens in etwa erahnen«, so Pieper. Der Vorsitzende des Heimatvereins will jetzt einen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft stellen »wegen Zerstörung der Landschaft, Hecken und Bäume«. Das sei aus Piepers Sicht mehr als ein Umweltskandal, ein richtiger Frevel – eben eine bewusste Zerstörung.

»Immaterielles Kulturerbe in Deutschland«

Gleich nebenan kümmern sich die drei Naturfreunde aktuell um die Errichtung einer neuen Flechthecke. Pieper: »Das haben wir im vergangenen Jahr beim Kreis angemeldet und bekommen dafür auch entsprechende Fördergelder!« Die Deutsche Unesco-Kommission hat die »Nieheimer Flechthecke« erst vor Monaten als »Immaterielles Kulturerbe in Deutschland« geadelt.

Die Flechthecke sei eine kulturhistorisch gewachsene, spezifische Form der Feldeinfriedung. Diese Technik unter Nutzung von gewachsenen Naturmaterialien sei heute noch für eine aktive Kulturlandschaftspflege wertvoll. Die »Nieheimer Heckenlandschaft« im Kulturlandkreis Höxter bietet ein Stück Kulturgeschichte, lobt die Unesco. Diese Kulturform stelle einen großen ökologischen Wert für die Tier- und Pflanzenwelt dar.

Landschaftsschutzgebiet

Die betroffene Ackerfläche würde sich im Landschaftsschutzgebiet befinden. Pieper: »Ich sehe die Gefahr bei diesem Schnitt der Hecken, dass wenn sie später immer wieder kurz geschnitten werden, gar nicht mehr richtig aufwachsen. Dafür gibt es auch an anderen Stellen klare Belege. Damit verschwinden die Hecken dauerhaft aus der Landschaft!« Früher gab es in der Großgemeinde mehr als 100 Kilometer Hecken, heute bemühe man sich wieder mit großem Einsatz, sie neu in der Nieheimer Landschaft zu etablieren, was auch die Unesco-Kommission in besonderer Weise würdigt.

Auf Nachfrage teilte der Kreis Höxter als Untere Naturschutzbehörde gestern mit, dass die Hecke am »Nachtstall« auf Stock gesetzt worden sei – und das grundsätzlich auch rechtens ist. »Der Kreis wird jedoch prüfen, ob im Herbst Nacharbeiten zur Pflege erforderlich sind«, so eine Sprecherin.

Verwaltungsrechtliches Verfahren

Zu den gefällten Bäumen würde derzeit noch ein verwaltungsrechtliches Verfahren laufen, das noch nicht abgeschlossen ist. Der verantwortliche Landwirt selbst hat auch das Gespräch mit der Behörde gesucht. Er sagte am Mittwoch dem WESTFALEN-BLATT: »Ich will die Sache mit den Bäumen wieder gutmachen. Es war ein Fehler, nicht vorher Kontakt mit der Unteren Landschaftsbehörde aufgenommen zu haben.« Allerdings: Die Hecke habe er durch ein Fachunternehmen »ganz normal auf Stock setzen lassen«. Sie würde auf jeden Fall wieder ausschlagen. »Das machen wir alle sechs bis sieben Jahre so. Dafür brauche ich auch keine Zustimmung der Behörde.«

Weil entlang der Feldstraße eine Telefon-Freileitung führt und sie dort schon zwei Mal durch Bäume (Äste) beschädigt worden sei, habe man ihm geraten, doch die Bäume dauerhaft zu entfernen. »Ich will die Natur nicht verschandeln, das ist überhaupt nicht mein Wille. Deshalb habe ich auch nicht alle Bäume am Wegesrand gefällt und wollte sie mit dem Steiger noch zurückschneiden.«

Kommentare

Werner Nokiel  wrote: 04.04.2019 18:07
Naturschutz
Hallo,
ich bin in Nieheim aufgewachsen. Ich finde es super, wenn insbesondere diese sehr schöne Landschaft und in diesem Zusammenhang auch zu deren Erhaltung bestimmte Maßnahmen gepflegt werden. Herr Pieper und sein Team sind auf dem richtigen Weg und verdienen, dass man sie unterstützt. Zielführend sind immer Gespräche miteinander. Gerichte sehen Dinge häufig- und als Jurist weiß ich das - nicht immer praxisnah und sachgerecht.
Beste Grüße WN

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