Hobby Kaninchenzucht hat sich gewandelt – Vereinen fehlt der Nachwuchs Die Kleinen sind heute die Größten

Nieheim-Erwitzen (WB). »Sind die süß» – Kaninchen, besonders Jungtiere, begeistern viele Menschen. Sie haben glänzende Knopfaugen und ein kuscheliges Fell, sie sind schnell handzahm und vergleichsweise anspruchslos in der Haltung: Es gibt viele Punkte, die die Nager zu beliebten Haustieren machen. Neben der Haltung weniger Tiere als Kuschelfreunde sind es vor allem Züchter, die Kaninchenhaltung aus Passion betreiben.

Von Iris Spieker-Siebrecht
Die kleinen Lohkaninchen sind vier Wochen alt und sind der ganze Stolz des Züchterehepaares Stamm.
Die kleinen Lohkaninchen sind vier Wochen alt und sind der ganze Stolz des Züchterehepaares Stamm. Foto: Iris Spieker Siebrecht

Kaninchen mit Schlappohren heißen Widder. Foto: Iris Spieker Siebrecht

Zu ihnen gehören Thomas und Tanja Stamm aus Erwitzen, die seit vielen Jahren Lohkaninchen züchten. Thomas Stamm ist auch der erste Vorsitzende des Kaninchenzuchtverein Nieheim, der am 15. April vor 60 Jahren gegründet wurde. Seine Frau ist dort als Kassiererin aktiv.

Fleischerzeugung tritt in den Hintergrund

»Früher war die Erzeugung von Fleisch ein wichtiger Grund für die Kaninchenhaltung«, erzählt er mit Blick in das Vereinsbuch. Sieben Züchter starteten 1958, und 1960 waren es schon 20, die sich im Verein organisierten. Damals stand die Zucht von großen Rassen im Vordergrund, »Riesenschecken« und »Helle Großsilber« etwa, die ausgewachsen sechs oder sieben Kilogramm wiegen.

Thomas Stamm mit der Vereinschronik des Nieheimer Kaninchenzuchtvereins. Foto: Iris Spieker Siebrecht

Kaninchen konnten, – auch in Städten – auf relativ wenig Raum gehalten werden und waren in Notzeiten wichtige Nahrungslieferanten. Seit etwa 20 Jahren sind die mittelgroßen, kleinen und Zwergrassen immer wichtiger geworden. »Die brauchen weniger Platz und sind als Hobbytiere auch leichter zu verkaufen«, erklärt Stamm die Gründe.

Mit neun Monaten ausgewachsen

Stamms »Lohkaninchen« gehören zu den kleinen Rassen und werden, je nach Geschlecht, zwischen 2,5 und 3,25 Kilogramm schwer. Zur Zeit leben 55 Tiere in den Ställen der Stamms, aber die Zahl steigt: Seit Januar ist Wurfzeit.

»Wenn die Kleinen nach 28 bis 31 Tagen Tragzeit geboren werden, sind sie nackt und blind. Das Muttertier hat aus Einstreu und Fell ein Nest gebaut, das die Kleinen nach etwa zwei Wochen zum ersten Mal verlassen. Bei uns bleiben Jungtiere acht Wochen bei der Mutter, und mit etwa neun Monaten sind sie dann ausgewachsen«, erzählt Tanja Stamm.

Neben der Größe sind die Länge des Fells und dessen Farbe Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen Rassen, wichtig sind auch die Ohren. »Tiere mit hängenden Ohren nennt man Widder«, weiß der Züchter. Übrigens: »Karnickel« ist ein Schimpfwort. Das kostet 50 Cent in die Vereinskasse.

Im Herbst ist Ausstellungszeit, dann werden die Tiere im Verein, auf Kreis- , Landes- und Bundesebene gezeigt. Thomas und Tanja Stamm sind mit ihren Tieren regelmäßig bis zur Landesschau vertreten. »Die Verbundenheit mit den Tieren« ist Thomas Stamms Hauptgrund, Kaninchen zu halten. Er freut sich, wenn seine Jungtiere ein gutes neues Zuhause finden.

Züchter beantwortet gern Fragen

Leider fehlen dem Verein, wie fast allen Kleintierzuchtvereinen überall, der Nachwuchs.

»Tiere zu halten, ist für Kinder und Jugendliche heute einfach nicht mehr reizvoll. Das bedeutet Verantwortung und Gebundenheit, die viele nicht mehr wollen«, bedauert Stamm. So sind aktuell nur noch zwölf Züchter im Verein aktiv, und die meisten sind schon lange dabei. »Die Zukunft sieht düster aus«, meint Stamm. Deshalb freut er sich über jeden, der Interesse an Kaninchen hat und steht für Fragen nach Rassen, Haltung und Fütterung gern zur Verfügung.

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