Mehrtägiges Festival »Voices« auf Gut Holzhausen mit grandiosem Konzert eröffnet Stimmen, Stimmung und alte Steine

Nieheim (WB). Wunderbar, großartig und umwerfend – so lauteten die Kommentare des Publikums zum Eröffnungskonzert des Stimmen-Festivals »Voices« auf Gut Holzhausen. Melodien von Franz Schubert und Alban Berg entführten die Zuhörer ins Wien des 19. Jahrhunderts.

Von Iris Spieker-Siebrecht
Sängerin und Festivalleiterin: Leonore von Falkenhausen hat sich zum Auftakt über sehr viele Glückwünsche freuen dürfen.
Sängerin und Festivalleiterin: Leonore von Falkenhausen hat sich zum Auftakt über sehr viele Glückwünsche freuen dürfen. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung des Dirigenten Vincent de Kort eröffnete den Abend mit Franz Schuberts Sinfonie h-moll D759, »die Unvollendete«. Der ausdrucksstarke, dramatische erste Satz steht bei dieser Sinfonie im Kontrast zum ruhigeren, zweiten Satz.

Sieben frühe Lieder

Mit Alban Bergs »Sieben frühe Lieder« begeisterte die künstlerische Leiterin und Sopranistin Leonore von Falkenhausen das Publikum. Während Schubert als bedeutender Vertreter der frühen Romantik gilt, wurde Alban Berg, geboren 1885, als Komponist der zweiten Wiener Schule bekannt. Mit dem »Sieben frühen Lieder«-Zyklus tritt Berg als 22-Jähriger erstmals an die Öffentlichkeit, sie interpretieren die Erfahrungen einer ersten Liebe.

Der klare Sopran Leonore von Falkenhausens harmoniert dabei außerordentlich mit dem Orchester und spiegelt große Emotionalität. Die Zuschauer honorieren das mit begeistertem Applaus. Und erst nach einer Zugabe wird die Sängerin in die Pause entlassen. »Schubert als ›Hauptthema‹ des Abends haben wir mit Bergs ›Frühen Liedern‹ ergänzt, weil sie so gut zu der etwas mystischen, traumhaften Stimmung, mit der die unvollendete Sinfonie schließt, passen«, erläutert die Sängerin und engagierte Festivalleiterin im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Große Sinfonie in C-Dur

Im zweiten Teil des Konzertes spielt die Nordwestdeutsche Philharmonie Schuberts »große« Sinfonie in C-Dur, D 944. Zu ihr sagte einst Robert Schumann, der die Sinfonie Jahre nach dem Tode Schuberts entdeckte: »Hier ist, außer meisterhafter Technik der Komposition, noch Leben in allen Fasern, Kolorit bis in die feinste Abstimmung, Bedeutung überall, schärfster Ausdruck des Einzelnen«.

Vincent de Kort führte dabei die Philharmonie zu einem überragenden, mitreißendem Musikerlebnis. Und wenn die Zuschauer schon den ersten Teil mit großem Beifall bedachten, so feierten sie die Musiker nach der »großen Sinfonie« regelrecht mit nicht enden wollendem Applaus.

Eckpfeiler im Kulturland

Das Festival »Voices« ist seit nunmehr elf Jahren ein herausragender Pfeiler des kulturellen Angebots in der Region. Jedes Jahr wieder gelingt es Leonore von Falkenhausen, dem Hausherrn Johann-Friedrich von der Borch und dem gesamten Team, ein außergewöhnliches musikalisches Programm in der einzigartigen Kulisse des Gutes auf die Beine zu stellen.

In der Festival-Woche interpretieren namhafte Künstler ein erlesenes Programm großer Bandbreite – aber nicht etwa in einem auf hochglänzendem Konzertsaal, sondern zwischen Bruchsteinmauern und ländlicher Kulisse. Die Melodien entfalten sich zwischen gekälkten unregelmäßigen Wänden und farbig angestrahlten, mächtigen alten Balken. Einen roten Teppich gibt es auch hier – er verdeckt die Unebenheiten im Boden des alten Schafstalls.

Ländliches Sommerfest

Viele liebevolle Details wie die großen Blumensträuße und die Decken auf den Besucherstühlen schaffen eine persönliche Atmosphäre. Das Festival korreliert dabei auf ganz eigene Weise den Charme eines ländlichen Sommerfestes mit Freunden und den Genuss auserlesener musikalischer Darbietungen. Dieser Auftakt war einfach nur fabelhaft!

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