Experte stellt im Marienmünsteraner Ausschuss Ideen für den Windmühlenweg vor
Neues Baugebiet soll das Klima schonen

Vörden -

Am Windmühlenweg in Vörden ist ein neues Baugebiet geplant. Professor Johannes Üpping von der Technischen Hochschule OWL skizzierte im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt die Möglichkeiten, welche Festlegungen schon bei der Planung getroffen werden können, um ein solches Quartier der Zukunft unter Beachtung der Klimaziele zu schaffen. Um konkrete Kriterien des potenziellen Baugebiets geht es aber noch nicht, die sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden.

Freitag, 05.02.2021, 06:00 Uhr
Professor Johannes Üpping von der Technischen Hochschule OWL erläuterte im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt von Marienmünster unter dem Aspekt Klima-ziele wichtige Kriterien für die Planung künftiger Baugebiete und Quartiere. Foto: Heinz Wilfert

„Wenn wir heute nicht die richtigen Entscheidungen treffen, wird es später immer schwieriger mit dem CO2-Restbudget auszukommen, das uns bis 2040/50 zur Verfügung steht,“ sagte Üpping, weil die Klimawende nur als Ganzes funktionieren könne. Seine Überlegungen, was bei der Planung eines Neubaugebietes beachtet werden sollte, gliederte er in die Bereiche Gebäudeplanung, das Thema Gemeinschaft und die Digitalisierung.

Schon bei der Planung der Gebäude müsse Vielfalt der Schlüssel sein, weil die Bedarfe sehr unterschiedlich seien. Eine Problem stelle der zunehmende Flächenverbrauch dar, deshalb gelte es, möglichst kleine, am tatsächlichen Bedarf orientierte Gebäudestrukturen zu schaffen. Kein Neubau sollte künftig ohne Fotovoltaikanlage mit entsprechender Wärmedämmung errichtet werden, so der konkrete Appell des Wissenschaftlers. Eine konsequente Süd-Ausrichtung des Dächer müsse es dafür nicht geben, gerade eine Ost-West-Ausrichtung biete für den Tagesverlauf oft die effektivere Lösung. Holzbau gehe bei den Materialien vor Beton. Stichwort sei die „graue Energie“, also die benötigte Energie für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung von Produkten.

Im zweiten Schwerpunkt widmete sich Üpping, der in Hagedorn lebt, dem Schwerpunkt „Gemeinschaft“. Weil Öl schon bald keine Option mehr sei, sprach er sich beim Heizen für ein „kaltes Nahwärmenetz“ aus, das zunehmend nachgefragt werde. Dabei wird mit Hilfe von Erdbohrungen eine Flüssigkeit von zehn Grad zu den Häusern geleitet. Kleine Wärmepumpen nutzen diese Energie dann zum Heizen der Häuser. „Das Verlegen der Leitungen ist in Quartieren kein großes Problem“, so Üpping, der gleichzeitig anregte, in künftigen Neubaugebieten erst gar keine Gasleitungen zu verlegen. Der Experte ist überzeugt, dass die Mobilität der Zukunft im Individualverkehr elektrisch sein werde und plädierte für leistungsfähige Ladestationen.

Ein weiterer Vorteil von E-Autos liege in der Möglichkeit, sie als Stromspeicher zu nutzen. Weil viele Haushalte über zwei Autos verfügten, die aber selten beide zusammen genutzt würden, könne Carsharing mindestens den Zweitwagen überflüssig machen. In Städten habe sich auch das Modell von Gemeinschaftsflächen als erfolgreich erwiesen, die gemeinschaftlich zur Eigenversorgung zu nutzen sind. Für solche Projekte müsse aber einiges an Überzeugungsarbeit auf dem Land geleistet werden.

„In jedes neue Haus muss Glasfaser,“ lautete eine Forderung Üppings zur Digitalisierung, die etwa auch die Straßenbeleuchtung revolutionieren könne. Digitale Infrastruktur schaffe die Voraussetzungen für das perfekte Energiemanagement. Intelligente Steuerungen ermöglichten, dass das Licht nur noch leuchte, wenn jemand vorbeigeht. Die Laternen könnten auch als Freifunkknoten wirken und W-Lan für alle bieten.

Bürgermeister Josef Suermann glaubt, dass die Anregungen Üppings zu einem neuen Denken in Marienmünster führen können. Der energetische Aspekt sei in diesem Zusammenhang jedoch nur einer von mehreren. „Für das potenzielle Baugebiet am Windmühlenweg ist das erst der Einstieg. Viele Fragen werden Verwaltung und Politik weiter beschäftigen,“ so seine Einschätzung.

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