Französische Priester wirken ab Ende September in einem alten Kölner Wallfahrtsort
Neviges statt Marienmünster

Marienmünster (WB/thö). Die französische Priestergemeinschaft St. Martin, die sich im vergangenen Jahr eigentlich in der Abtei Marienmünster niederlassen wollte, hat ein neues Domizil gefunden. Ende September ziehen die ersten drei Priester in das ehemalige Franziskanerkloster Neviges im Erzbistum Köln ein. Unter ihnen ist auch Abbé Thomas Diradourian, der 2017 als erster Priester seiner Gemeinschaft nach Marienmünster kam und auch in der Seelsorge der umliegenden Dörfer mitarbeitete.

Donnerstag, 03.09.2020, 05:38 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 05:40 Uhr
Blick auf das Pilgerzentrum (vorne) und dahinter die in eigenwilliger Architektur erbaute Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ in Velbert-Neviges. Im Kreis Mettmann will sich die Gemeinschaft St. Martin niederlassen. Foto: dpa

Scheitern in Marienmünster

Die Übernahme der Abtei Marienmünster scheiterte nach Angaben des Erzbistums Paderborn an unterschiedlichen Vorstellungen über die Nutzung von Räumlichkeiten zwischen Kirchengemeinde und Glaubensgemeinschaft. Örtliche Vertreter von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat gingen im April vergangenen Jahres noch weiter und berichteten von einer konservativen Einstellung der Gemeinschaft St. Martin. Das Kirchen-, Priester- und Frauenbild habe nicht übereingestimmt. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ aus Würzburg schrieb vom „Paderborner Debakel um Abtei Marienmünster“.

Klare Situation in Neviges

Die gescheiterte Übernahme der Abtei Marienmünster soll auch Thema bei der Ansiedlung der Gemeinschaft St. Martin in Neviges gewesen sein. Wie das Nachrichtenportal katholisch.de berichtet, hätten sowohl die französischen Priester als auch die rheinische Erzdiözese aus den schiefgegangenen Niederlassungsbestrebungen in Marienmünster gelernt. „In Neviges ist die Situation viel klarer: die Gemeinschaft übernimmt das Kloster und die Tätigkeit der Franziskaner, die Pfarr- und die Wallfahrtsseelsorge“, zitiert das Portal Diradourian.

In Marienmünster seien die Bedingungen ungünstig gewesen. „Unsere Gemeinschaft sollte das neue Konzept eines geistlichen Zentrums ins Leben rufen und das in Gebäuden, die seit Jahren leer standen”, beschreibt er die damalige Idee hinter der Ansiedlung der Gemeinschaft. „Dieses noch nicht klar umrissene Konzept hätte sich weitgehend unabhängig vom Gemeindeleben entwickelt, was in der Kirchengemeinde bei einigen Mitgliedern für Unruhe sorgte.“

Nachfolger der Passionisten

In der Abtei lebten von 1965 bis 2014 die Passionisten, die das Kloster dann aber wegen Nachfolgermangels aufgaben. Ähnlich wie es der Bettelorden der Franziskaner Anfang des Jahres in Neviges getan hat.

Das Erzbistum Köln bestätigte katholisch.de, dass im Vorfeld der Niederlassung am Marienwallfahrtsort „auch der Komplex Marienmünster ausführlich und mit großer Offenheit besprochen“ wurde. Die Schwierigkeiten, die rund um die ehemalige Abtei bestanden hätten, seien in Neviges nicht vorhanden. Anstatt eines „Nebeneinanders“, wie es in Marienmünster befürchtet wurde, werde es im Erzbistum Köln ein „Miteinander“ geben.

Wallfahrt seit 1681

Die Wallfahrt nach Neviges findet seit 1681 statt und geht auf eine Wunderheilung zurück. Zentrales Objekt der Verehrung ist ein Votivbild der Jungfrau Maria aus dem 17. Jahrhundert. Der Mariendom „Maria, Königin des Friedens“ in Velbert-Neviges wurde 1968 geweiht. Die nach einem Entwurf des Kölner Architekten Gottfried Böhm errichtete Kirche ist wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur bekannt: Das Gebäude im Stil des Brutalismus ähnelt einem Zelt aus Beton.

Mehr als 340 Jahre lang wurden Pfarrei und Wallfahrt in Neviges von den Franziskanern betreut. Im vergangenen Jahr beschloss die Leitung der Deutschen Franziskanerprovinz aus personellen Gründen, das Kloster in Neviges zum 31. Dezember 2019 aufzugeben.

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