Protestaktion auf einem Feld bei Abtei Marienmünster – Betroffene wollen aufklären
Landwirte entfachen Mahnfeuer

Kreis Höxter/Marienmünster (WB). Grundwasserverunreinigung und Insektensterben, Klimawandel und Massentierhaltung – die Landwirtschaft in Deutschland steht massiv in der Kritik. Gegen pauschalisierte Schuldzuweisungen, Hetze und „ideologischen Shitstorm“ im Netz wehren sich immer mehr Landwirte, auch im Kreis Höxter.

Montag, 09.12.2019, 08:25 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 10:50 Uhr
Die Landwirte haben am Wochenende ein Mahnfeuer entfacht. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Mit einem Mahnfeuer machten die Landwirte aus Marienmünster und dem Kreisgebiet am Samstagabend in der Nähe der Abtei Marienmünster auf sich aufmerksam.

Als die Strohballen gegen 17 Uhr entfacht wurden, hatten sich rund 100 Landwirte, Familienmitglieder und einige Verbraucher eingefunden. Mitorganisator Hermann Müller sagte: „Es ist genug. Die Landwirte können nicht für alle negativen Umweltbeeinflussungen verantwortlich gemacht werden. Wir düngen bedarfsgerecht, bauen Zwischenfrüchte an und handeln nach gesetzlichen Regelungen, die immer wieder überprüft werden. Nitrate gelangen auch durch Industrie und Gesellschaft, durch undichte Kanäle oder den Straßenverkehr, ins Grundwasser. Wir bitten um den Dialog mit der Bevölkerung, den Umweltverbänden und den Regierungen in Brüssel, Berlin, Düsseldorf und Höxter. Gemeinsam sollte der richtige Weg in die Zukunft gefunden werden!“

„Handel fordert Billigangebote“

Georg Menke, der einen Bullenmaststall und eine Biogasanlage in Löwendorf betreibt, ergänzte: „Die heutige Struktur der Landwirtschaft ist aus dem politischen Willen heraus, Nahrungsmittel billig zu produzieren, gewachsen. Der Handel und die großen Ketten fördern mit ihren Billigangeboten eine Produktion, die viele Verbraucher zumindest verbal ablehnen. Wenn die Masse der Verbraucher bereit ist, auch Verantwortung zu tragen und für Nahrungsmittel mehr zu bezahlen, können sich Haltungsformen, Düngung oder Beackerung der Flächen ändern. Aber die deutschen Landwirte bekommen unzählige Auflagen, die sie zum großen Teil selbst finanzieren müssen. Und gleichzeitig unterschreiben Bundesregierung und EU-Kommission ein Rindfleischabkommen mit den südamerikanischen Staaten, dass den zollfreien Import von Rindfleisch beinhaltet.“ Jedem sei klar, dass dieses Fleisch nicht nach hiesigem Standard produziert worden ist – ganz abgesehen von der Waldabholzung zum Futteranbau.

Auffallend viele junge Leute und Jugendliche stehen am Feuer. Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT bestätigen viele, dass ihnen pauschale Vorurteile oder Wörter wie „Tierquäler“ und „Umweltverschmutzer“ im Alltag immer wieder begegnen – geäußert von Mitschülern oder Vereinskameraden, denen Hintergrundwissen meist fehle.

Nebenerwerbsbetrieb

Jonas Behr (15) aus Bredenborn lebt trotzdem gern mit dem Nebenerwerbsbetrieb seiner Familie und will ihn auch zukünftig weiterführen. „Es macht Spaß, zu sehen, wie sich das im Herbst gesäte Korn entwickelt oder wie Tiere wachsen“, erklärt er seinen Bezug zur Landwirtschaft. Auch der siebenjährige Julian Welling will einmal „Bauer werden“. Telelader fahren mache ihm zur Zeit am meisten Spaß. Aber wie sein Vater Christian fürchten auch viele der heutigen Betriebsleiter in der Region, dass die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten für ihre Kinder und Nachfolger so schwierig werden, dass über Jahrhunderte bestehende Familienbetriebe unrentabel werden.

„Wir brauchen Zeit und Planungssicherheit – nicht immer wieder neue Verordnungen, die Investitionen erfordern und deren Ergebnisse nicht abgewartet werden, so wie die der Düngeverordnung, die 2017 in Kraft trat. Die Umweltprobleme müssen gelöst werden, aber mit der Landwirtschaft. Das sollte auf Grundlage wissenschaftlicher Daten geschehen – und nicht durch Hetze und eine Bundesregierung, die – durch Organisationen und fragwürdige Gutachten getrieben – irgendwelche Gesetze verabschiedet“, so die Meinung der Betroffenen.

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