»Volxtheater«-Ensemble der Theaterwerkstatt Bethel zu Gast
»Mauer-Fälle« auf zwei Ebenen

Marienmünster (WB). Sogar auf dem Kirchentag in Dortmund im Juni dieses Jahres war das »Volxtheater«-Ensemble der Theaterwerkstatt Bethel mit seinem Stück »Mauer-Fälle« vertreten. Zu einer letzten Aufführung gastierte die ungewöhnliche Truppe am Tag der deutschen Einheit im Kulturzentrum Marienmünster.

Sonntag, 06.10.2019, 15:30 Uhr
Das »Volxtheater«-Ensemble der Theaterwerkstatt Bethel hat überzeugen können.    Foto: Wolfgang Braun

Die Zuschauer erlebten das außergewöhnliche, fantasievolle, dynamische und die Aufmerksamkeit und Interpretationsfreude fordernde Stück Bühnenkunst. Einzelne kurze Szenen in wechselnder Besetzung folgten übergangslos aufeinander. Verbindende Elemente waren mit weißem Leinen gespannte Quader, mit denen sich je nach Thema große und kleine Mauerstücke zusammenschieben und aufeinanderschichten ließen.

Verbindendes Element war auch das Agieren auf zwei Ebenen, auf der Bühne im Vordergrund und auf zusammengestellten Tischen im Hintergrund, die sehr rockige und fetzige Keyboard- und Schlagzeugmusik (Nils Rabente und Leon Brames) und vor allem die begeisternde Spielfreude der 13 Akteurinnen und Akteure unter der Regie von Matthias Gräßlin und Katrin Nowak.

Vesper in der Corveyer Abteikirche

Eine andere Gruppe war in einer Vesper in der Abteikirche Corvey unter dem Thema »Zuhause - für jeden?!« mit Szenen und Bildern zum Leben und zu Liedern des über Jahre von der preußischen Polizei verfolgtem Heinrich Hoffmann von Fallersleben aufgetreten. »Ich habe noch nie eine so außergewöhnliche Vesper erlebt«, sagte Hans-Hermann Jansen von der Kulturlandschaft OWL und Kulturstiftung Marienmünster.

Ensemble besteht seit 35 Jahren

Das »Volxtheater«-Ensemble der bereits seit 35 Jahren bestehenden Theaterwerkstatt Bethel setzt sich aus behinderten und nicht behinderten Menschen verschiedener Gesellschaftsbereichen und Altersgruppen zusammen, die dem Prinzip der offenen Kultur des Zusammenlebens, einer »inklusive Kultur«, verpflichtet seien, wie Regisseur Matthias Gräßlin einführend erläuterte. Mit Aktionen wolle die Theaterwerkstatt zukünftig zusammen mit lokalen Gruppen im Kreis Höxter auftreten.

Die Szenen unter dem Motto »Mauer-Fälle« wurde von den Ensemblemitgliedern selbst im engen Miteinander entwickelt. Dabei wurden eigene persönliche Erfahrungen und Texte ebenso verarbeitet wie solche von Hermann Hesse, Erich Fried oder Marina Abramovic. Dabei ging es um Mauern in der eigenen Psyche, Mauern zwischen Menschen und Geschlechtern, zwischen Staaten oder auch Denkweisen.

Nicht immer einfach, den SInn zu erkennen

Es ging auch um Verherrlichung von Mauern ebenso wie um deren Niederreißen. Es war für die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht immer einfach, den jeweiligen Sinn der jeweiligen Szene zu erkennen oder auch nur zu erahnen – und das obwohl sich das »Volxtheater als Theater aus dem Volk und für das Volk« versteht, wie es in der Eigenwerbung heißt. Auch Nonsens war offenbar erlaubt und auch gewünscht. Dabei waren die Grenzen zwischen Sinn und Unsinn fließen. Die Theatralik der Darsteller, ihr Können und ihre Spielfreude allerdings war so hinreißend, dass sie in ihrer letzten Aufführung von »Mauer-Fälle« mit stehendem Applaus belohnt wurden.

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