Ulrich Fraune verlässt Volkshochschule nach 34 Jahren und zieht in alte Heimat Zurück in die Zukunft

Höxter (WB). Ulrich Fraune ist in Höxter ebenso eine Institution wie die Volkshochschule selbst, deren Entwicklung er in den vergangenen 34 Jahren als stellvertretender Leiter mitgeprägt hat. Jetzt verabschiedet sich der 65-Jährige zum Ende des Monats in den Ruhestand und kehrt in seine alte Heimat Münster zurück – ein emotionaler Schritt.

Von Dennis Pape
34 Jahre lang ist die Volkshochschule das berufliche Zuhause von Ulrich Fraune gewesen. Jetzt verabschiedet sich der stellvertretende Leiter in den Ruhestand.
34 Jahre lang ist die Volkshochschule das berufliche Zuhause von Ulrich Fraune gewesen. Jetzt verabschiedet sich der stellvertretende Leiter in den Ruhestand. Foto: Dennis Pape

Die Umzugskartons stehen bereits im Büro von Ulrich Fraune – die Zeichen stehen auf Abschied. Aus der Altersteilzeit geht es für ihn zum Monatsende in den Ruhestand. »Das wird ein gewaltiger Schritt in meinem Leben«, sagt Fraune mit nachdenklicher Miene, um jedoch anschließend mit einem Lächeln anzufügen: »Ich freuen mich auf diesen Schritt, denn Angst vor dem Ruhestand habe ich nicht.« Unabhängig von der Vorfreude auf sein »neues Leben« kann und möchte Ulrich Fraune eines aber auch nicht verheimlichen: »Ich habe hier in Höxter innerhalb der vergangenen 34 Jahre unzählige tolle Menschen kennengelernt. Generationenübergreifend haben mich viele Begegnungen geprägt und vor allem auch bereichert.«

Träume und Wünsche

Sein neuer Lebensabschnitt führt Fraune zurück zu den Wurzeln in seine Heimatstadt Münster. Mitten ins belebte Kreuzviertel. In der Nähe des Aasees. Dort wo das Leben pulsiert. »Ich bin in Münster heimisch – das umzusetzen, ist der nächste Schritt. Ich habe noch viele Träume und Wünsche, die ich Wirklichkeit werden lassen möchte«, sagt er. Münster habe diesbezüglich einen besonderen Reiz – nicht zuletzt, weil im Umkreis vier seiner fünf Geschwister sowie viele alte Freunde leben. »Einiges ist geblieben, anderes wiederum hat sich geändert. Jetzt möchte ich die Stadt für mich neu entdecken«, beschreibt er seine Motivation.

Respekt und Toleranz

Wenn Ulrich Fraune über seine jahrzehntelange Tätigkeit in der Volkshochschule Höxter-Marienmünster spricht, dann merkt man dem 65-Jährigen an, dass er auch in den letzten Tagen seiner beruflichen Laufbahn noch immer mit voller Leidenschaft bei der Sache ist. Er liebt und lebt seinen Job – und kann mit seiner Begeisterung andere mitreißen. Geholfen hat ihm vor allen Dingen aber auch eine ganz besondere Lebenseinstellung: Er begegnet jedem Menschen mit Respekt und Toleranz. Vorurteile? Ein Fremdwort für Ulrich Fraune. Diese Einstellung und seine eigene Vergangenheit haben ihm im Bereich der Erwachsenenbildung besonders geholfen. Fraune hat selbst erst mit 24 Jahren sein Abitur in Bad Driburg nachgeholt – »deshalb kann ich eine wichtige Botschaft glaubhaft rüberbringen: Auch wenn Du Dein Ziel noch nicht erreicht hast, kannst Du alles schaffen. Man muss sich Ziele setzen und das erfordert Kraft, Mut, Eigeninitiative sowie Verantwortung – das habe ich zu vermitteln versucht.«

Der Netzwerker

Als Eckpfeiler seiner Tätigkeit in der Volkshochschule Höxter-Marienmünster bezeichnet der Vater einer Tochter (31) und eines Sohnes (39) unter anderem die Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung Mitte der 1980er Jahre als Vorreiter in der Region sowie die Spätaussiedler in den 1990ern: »Diese Zeit war geprägt durch eine große Arbeitslosigkeit, gleichzeitig hatten wir aber auch ein großes Potenzial durch die Spätaussiedler, für die wir Sprachkurse und Umschulungen angeboten haben.« In diesen Situationen setzte die VHS auch auf eine weitere Stärke ihres stellvertretenden Leiters – das Netzwerken. Die Kontakte zu Arbeitsagentur, Jobcenter, Land und Bund sowie vor allem zu heimischen Unternehmen sind bereits früh entstanden und haben auch in den vergangenen drei Jahren bei der Arbeit mit Flüchtlingen zu vielen positiven Ergebnissen geführt. Seine Erfahrungen möchte er zukünftig in Münster ebenfalls einsetzen, um junge Menschen zu unterstützen.

Dynamik und Tatendrang

Eine »wunderbare Zeit mit vielen tollen Menschen« habe Ulrich Fraune in der VHS in Höxter erlebt – »deshalb tut mir der Abschied selbstverständlich auch weh«, sagt er. Vermissen wird ihn auch Leiter Rainer Schwiete: »Ulrich Fraune hat viele Strukturen aufgebaut und Netzwerke geknüpft. Er hat ein gewisses Gespür für Trends. Seine Nachfolgerin Dr. Claudia Gehle wurde glücklicherweise zwei Jahre von ihm eingearbeitet – sie tritt jedoch in große Fußstapfen.« Deutlich ruhiger werde es in der VHS-Verwaltung ohne seinen langjährigen Weggefährten, sagt Schwiete mit einem Augenzwinkern: »Er ist ein emotionaler Mensch. Er kommt in die Geschäftsstelle, überfällt alle und sagt ›so wir müssen mal eben‹ – und dann müssen alle auch.« Das sei ein Zeichen von Dynamik und Tatendrang. »Und das wird uns an ihm fehlen«, so Schwiete.

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