Comedy-Lady Maria Vollmer gibt Tipps für den Alltag Pillen und Prosecco

Marienmünster (WB). Noch ist sie nicht alt genug für Treppenlift und Gesundheitsschuhe, aber im »fünften Lebensjahrzent« ist man auch nicht mehr wirklich blutjung: Diese Übergangsphase macht Comedy-Lady Maria Vollmer mit »Push-up, Pillen und Prosecco« zum Erlebnis. 200 Besucher erleben im Schafstall in Marienmünster, wie sie über die Bühne wirbelt, singt, tanzt und schwadroniert.

Von Iris Spieker-Siebrecht
Maria Vollmer erzählt ihre Anekdoten mit großer Gestik und Mimik, tanzt temperamentvoll über die Bühne und singt wunderbare Parodien auf bekannte Melodien.
Maria Vollmer erzählt ihre Anekdoten mit großer Gestik und Mimik, tanzt temperamentvoll über die Bühne und singt wunderbare Parodien auf bekannte Melodien. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Der überwiegende Teil des Publikums ist weiblich und mittleren Alters, auch wenn sich einige Herren »verirrt« haben – besonders mutige Exemplare, wie Maria Vollmer meint. Und so ist das Programm auch ganz auf ihre »Zielgruppe« zugeschnitten: Sie karrikiert liebevoll, aber mit spitzer Zunge den täglichen Spagat zwischen Laptop und pubertierenden Teens, Ehemännern in der Midlife-Krise und Zalando-Kartons.

Und Maria Vollmer ist ein echtes Energiebündel: Sie erzählt ihre Anekdoten mit großer Gestik und Mimik, tanzt temperamentvoll über die Bühne und singt wunderbare Parodien auf bekannte Melodien. Wenn Abba einst von Fernando sang, träumt die moderne Frau heute von Zalando, und die Titelmelodie von Winnetou auf der Blockflöte lässt viele Köpfe im Zuschauerraum wehmütig nicken. Obwohl die Widersprüchlichkeiten und Absurditäten im Leben der gestandenen Frauen nicht wirkliches Comedy-Neuland sind, setzt Maria Vollmer doch immer wieder ganz eigene, wunderbare Momente.

Zum Schreien komisch ist die Zeitlupe, mit der sie die Wirkung von Pillen aufzeigt, und fast poetisch wird sie, wenn sie ihren Blick ins Publikum beschreibt: »Wegen der blendenden Scheinwerfer sehe ich nur die Glatzen – schimmernde Signale intelligenten Lebens.« Ihre Verbalakrobatik macht Spaß.

Neben den eigenen Befindlichkeiten ist Frau auch noch mit einem pubertierenden Sohn und einem Mann in der Midlife-Krise beschäftigt. Und während ersterer zu Justin Biber mutiert, der mit der kleinen Schwester von Daniela Katzenberger geht, sucht Ehemann Rainer seine Identität beim Erwerb des »Kettensägenführerscheins«. Nach dieser Parodie puren Machotums dann auch mal etwas tiefer gehende Gedanken: Warum sollen so viele Geräte, deren Bedienung Frauen zugeordnet wird, möglichst leise arbeiten? Darf man es nicht hören, wenn Frauen arbeiten? Dass die Künstlerin ein absoluter Profi ist, zeigt sich bei Problemen mit der Lautsprecheranlage, die sie einfach ins Programm mit einbaut, ebenso wie beim koketten Flirt mit Rüdiger in der ersten Reihe.

Etwas schwer tut sich die Entertainerin mit der ostwestfälischen Mentalität. Ein bisschen mitklatschen oder -singen, ein bisschen auf den Stühlen wippen: mehr geht am Samstagabend in Schafstall nicht. Ostwestfalen toben auch – aber ausschließlich innerlich. Wie sehr Maria Vollmer dennoch den Nerv des Publikums getroffen hat, bewies der kräftige und langanhaltende Schlussapplaus bis zur Zugabe.

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