»Stachelige Landfrauen« begeistern zum 20-jährigen Bestehen in Marienmünster »Uns kriegt niemand stumm«

Marienmünster (WB). Vor mehr als 300 Zuschauern haben die »Stacheligen Landfrauen« am Freitagabend zu ihrem 20-jährigen Bestehen ihre Stacheln ausgefahren und auf humoristische Art und Weise ihre Meinung zur Lebensmittelverschwendung, zum Bürokratismus, dem Leben auf dem Land und vielen anderen Themen kundgetan.

Von Greta Wiedemeier
Vor 20 Jahren haben sich die stacheligen Landfrauen im Kreis Höxter gegründet – und seither haben sie viele Fans dazu gewonnen. Zum runden Geburtstag hat die Formation auch im Schafstall der Abtei Marienmünster viele Besucher bestens unterhalten.
Vor 20 Jahren haben sich die stacheligen Landfrauen im Kreis Höxter gegründet – und seither haben sie viele Fans dazu gewonnen. Zum runden Geburtstag hat die Formation auch im Schafstall der Abtei Marienmünster viele Besucher bestens unterhalten. Foto: Greta Wiedemeier

Zu den »Stacheligen Landfrauen« unter der Chorleitung von Monika Tartsch gehören 18 Frauen aus dem Kreis Höxter, die ganz genau wissen, wovon sie singen. Sie sind allesamt in den verschiedensten Bereichen der Landwirtschaft tätig – ob Haupt- oder Nebenerwerb, ökologischer oder konventioneller Betrieb, alle positiven und negativen Seiten erleben sie hautnah mit. Gegründet hat sich die Formation, die traditionell immer in schwarz mit einem grünen Schal auftritt, im August 1997 aus dem Arbeitskreis für Öffentlichkeitsarbeit der Landfrauen heraus.

Alles begann auf der Oktoberwoche

Begonnen hat alles mit einem nach eigenen Angaben nicht sehr gelungenen ersten Auftritt auf der Warburger Oktoberwoche, für den sich auch eigentlich nur die Hälfte der Landfrauen ausgesprochen hatte. Zu allem Überfluss wurde die Lobbygruppe dort fälschlicherweise als »Stachelschweine« angekündigt und war, im Gegensatz zur viel zu lauten Begleitmusik, selbst kaum zu hören. Danach ging es jedoch stetig bergauf, sogar überregionale Auftritte folgten. Als Meilensteine der Chorgeschichte gelten vor allem ihre Auftritte vor Politikern wie Bärbel Höhn, Jürgen Trittin, Ilse Aigner und Christian Schmidt, eine Einladung zur Grünen Woche in Berlin, eine Dokumentation im WDR sowie erst vor zwei Jahren die Verleihung des »Tassilo Tröscher Preises« der Agrarsozialen Gesellschaft. Die kurz nach der Gründung gesetzten Chorziele, ein junger Chor mit einem Höchstalter von 55 Jahren zu bleiben und bei dreimaligem Fernbleiben von der Probe mit Konsequenzen rechnen zu müssen, haben sich heute ebenfalls verschoben: »Wenn wir tatsächlich an unseren zugegebenermaßen etwas realitätsfernen Zielen festgehalten hätten, stünde hier heute vom Alter her kaum noch jemand von uns auf der Bühne«, scherzt eine Sprecherin. Geprobt wird aber auch heute noch alle 14 Tage in der Landwirtschaftskammer.

Texte mit ernstem Hintergrund

So unterhaltsam die Auftritte der »Stacheligen Landfrauen« für das Publikum jedes Mal sind – ihre Texte haben durchaus einen sehr ernsten Hintergrund und werden immer an das aktuelle politische Geschehen angepasst. So wurden auch im Marienmünsteraner Schafstall in zahlreichen abwechslungsreichen Sketchen und Liedern Probleme angesprochen, mit denen man sich in der Landwirtschaft herumschlagen muss. Von den Fleischimporten aus Amerika, die hier zu Billigpreisen verkauft würden, über den übermäßigen Bürokratismus, mit dem jeder Landwirt sich abgeben muss, bis zur realitätsfernen Politik wurde jedes Thema abgedeckt. »Die Stacheligen« forderten die Zuschauer in ihrem Lied »Wehrt euch« auf, dagegen die Stimme zu erheben und appellierten an alle Politiker, doch bitte die Augen nicht mehr vor den Problemen zu verschließen. Denn »Stirbt der Bauer, stirbt das Land« hieß es in einem der Lieder.

Fans sind seit 20 Jahren treu

Die Zuschauer waren begeistert. Unter ihnen waren auch Hans-Josef Hanewinkel (Kreisverband) und Norbert Hofnagel (Maschinenring) als Vertreter der Landwirtschaft, Matthias Goeken als politischer Vertreter und einige ehemalige Chormitglieder – aber auch viele, die selbst gar keinen landwirtschaftlichen Betrieb haben, sind gekommen, um sich unterhalten zu lassen. So war zum Beispiel Peter Heuel, ehemaliger Pfarrer in Peckelsheim, begeistert von der Entwicklung der Landfrauen: »Ich bin Fan der ersten Stunde und höre die Texte und Sketche immer wieder gerne.« Eine weitere Zuschauerin erklärte, was diesen Chor so besonders macht: »Die Landfrauen räumen endlich mal auf mit den gängigen Vorurteilen gegen Bauernfrauen und kommen absolut authentisch und natürlich rüber.« Die Landfrauen selbst sind in zwanzig Jahren zusammengewachsen und sagen: »Wir sticheln immer weiter, uns kriegt niemand stumm!«

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