Innenarchitektin Billie Kantor gestaltet in ihrer Masterarbeit das leerstehende Hallenbad in Derental um
Co-Werken statt Schwimmen

Boffzen-Derental -

Unzählige Kinder haben hier schwimmen gelernt. Billie Kantor auch. 2018 wurde der Betrieb im Hallenbad in Derental eingestellt, zu hoch war der Sanierungsaufwand, zu wenig Geld in der Gemeindekasse. In ihrer Masterarbeit hat die 29-jährige Innenarchitektin aus Boffzen, die in Detmold studiert hat und jetzt in Bielefeld lebt, dem Hallenbad neues Leben eingehaucht – ganz ohne Wasser.

Samstag, 10.04.2021, 02:00 Uhr
Wasser gibt es schon lange nicht mehr im Hallenbad. Davon ausgehend, dass das auch so bleibt, hat Innenarchitektin Billie Kantor ihre Masterarbeit möglichen neuen Nutzungen des Leerstandes gewidmet. Foto: Alexandra Rüther

Ursprünglich sollte sich ihre Masterthese um die Weiterentwicklung von Büroarbeitsplätzen drehen. Stichwort Co-Worken. „Man hat dafür ein Recherche-Semester zur Verfügung“, erklärt Billie Kantor. Aber so richtig fand sie nicht ins Thema, ein privater Umzug und Corona taten ihr Übriges, sie musste sich neu orientieren und hatte plötzlich den Impuls, ein Hallenbad umgestalten zu wollen. Generell spezifische Leerstände haben es der jungen Frau angetan. Aus einem loste place, der ja durchaus eine gewisse Faszination ausübt, etwas Positives zu entwickeln – diese Idee hatte es ihr angetan.

Auch in der Gemeinde stieß Billie Kantor auf offene Türen, war doch zu dem Zeitpunkt nicht klar, was aus dem Bad werden sollte. Dass zwei Tage nach Anmeldung ihres Master-Themas der Förderbescheid für die Sanierung des Hallenbades im Rathaus ankam, konnte sie nicht ahnen. „Letztendlich ist das auch gar nicht schlimm. Natürlich wäre es toll gewesen, das Konzept in Derental umsetzen zu können, weil ich auch das Gefühl habe, die Derentaler würden das annehmen. Aber letztendlich sind die Ideen auch auf andere Leerstände, die eigentlich nutzungsspezifisch sind, übertragbar“, sagt Billie Kantor.

 

Denn es fehle grundsätzlich an Raum, der flexibel genutzt werden könnte. Von einer ganzen Dorfgemeinschaft etwa und nicht nur von einem Verein. Und so wird das Derentaler Schwimmbecken in Billie Kantors Entwurf zu einer Co-Werken-Fläche. Dabei bleibt die Grundstruktur erhalten. Es werden Holzraumklammern in das Becken gelassen mit Materialwänden, beweglichen Elementen, mit Tischen auf Rollen, vieles ist wegklappbar. Die Damendusche wird Küche, die Herrendusche Sanitärraum und die Umkleiden eine zweite Co-Werken-Fläche. Dabei arbeitet die Innenarchitektin viel mit Holzelementen, die auf den Bestand aufbauen und genauso wieder entfernt werden können.

Die Flexibilität der Nutzung zu durchdenken und durchdringen, war für Billie Kantor ganz wichtig. Und so ist in „ihrem“ Hallenbad ganz viel möglich: Yoga oder Konzerte, Kreativabende oder Vorträge, Nähstunden oder ein Wochenmarkt. Im Foyer könnte ein Automaten-Shop aufgestellt werde mit Dingen des täglichen Bedarfs oder rezeptfreier Apothekenware – „natürlich in Kooperation mit dem ansässigen Lebensmittelmarkt“. Auch ein Verkaufsregal mit Selbstgemachtem aus dem Ort ist denkbar.

Ihre Professorin hat Billie Kantor bescheinigt, ein „absolut zeitgemäßes“ Thema angegangen zu sein. „Der Leerstand um uns herum wird ja nicht weniger. Und es ist wichtig zu lernen damit kreativ und temporär vor allem umzugehen“, ist die junge Architektin überzeugt. Billie Kantor hat ihre Passion gefunden. Mit dem Masterabschluss in der Tasche, ist sie momentan freiberuflich unterwegs. „Aber es wäre schon schön, einen Platz zu finden, wo solche Ideen umgesetzt werden.“

Zahlen und Fakten

Das Hallenbad Derental ist 1968 in Betrieb genommen worden, 1998 folgte der Anbau mit Sauna und Technikzentrale. 2013 ist das Bad aufgrund des großen Sanierungsaufwandes geschlossen worden. 2018 erfolgte seitens der Samtgemeinde die Antragstellung zum Bundesprogramm „Sanierung Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen“. In den ersten beiden Vergaberunden wurde Derental nicht berücksichtigt. Aber der Bund stockte die Gelder auf und in der dritten Runde hat Derental den Zuschlag erhalten. 2,45 Millionen Euro sind für die Sanierung eingeplant, 90 Prozent davon werden gefördert. Laut Samtgemeindebürgermeister Tino Wenkel wird gerade das Vergabeverfahren vorbereitet. „Ein Kostencheck ist in Auftrag gegeben, das Ergebnis wird dem Samtgemeinderat kurzfristig präsentiert und anschließend, sollte der Rat das so beschließen, geht es an die Umsetzung“, erklärt er. Innerhalb von knapp zwei Jahren sollen dann im Wesentlichen die Wärmeversorgung, die Schwimmbadtechnik und das Dach auf Stand gebracht werden.

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