Menschen 2021: Lehrer Heinz Kremper bietet an der Sekundarschule Höxter Kurse rund um das Fahrrad an
Geometrie nicht nur in Mathematik

Höxter -

Sein erstes Mountainbike hat er sich als junger Mann selbst zusammen geschraubt. Inzwischen gibt Heinz Kremper seine Leidenschaft für Fahrräder an seine Schüler weiter. An der Sekundarschule in Höxter hat der Mathematik- und Physiklehrer eine Mountainbike-AG und eine Radwerkstatt ins Leben gerufen.

Freitag, 09.04.2021, 21:00 Uhr
Die Mountainbike-AG richtet sich eigentlich an Schüler der Klassen fünf und sechs. Weil aber die Abschlussfahrt der 10. Klasse 2020 coronabedingt ausgefallen ist, waren einige der älteren Schüler mit Heinz Kremper im vergangenen Frühsommer einen Tag mit den Rädern im Solling unterwegs.

Bremsen austauschen, Schläuche reparieren oder die Schaltung richtig einstellen: Für die Acht- und Neuntklässler der Sekundarschule sind das keine ungewohnten Aufgaben. Sie haben ihre eigenen Fahrräder nach Anleitung von Heinz Kremper, der vor seinem Lehramtsstudium eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker absolviert und fast 20 Jahre in dem Beruf gearbeitet hat, auf Vordermann gebracht und sogar Räder ihrer Mitschüler repariert. „Bis jetzt haben wir alle Fahrräder wieder hinbekommen“, lobt Kremper die hohe Auffassungsgabe der Schüler, die die Radwerkstatt als Ergänzungsunterricht im Ganztag wählen können. „Ein Rad haben wir auch komplett in seine Einzelteile zerlegt und dann wieder zusammen gebaut“, erläutert der 50-Jährige, der seit 2014 an der Sekundarschule unterrichtet.

Dabei stehen auf seinem Stundenplan neben den Studienfächern Mathe und Physik auch Technik und eben die beiden Rad-Projekte. Um für die Mountainbike-AG bestens gerüstet zu sein, besuchte der C-Lizenz-Biketrainer vor zwei Jahren eigens eine Fortbildung zum Radtrainer mit dem Schwerpunkt Mountainbike im Bikepark in Aachen. Seitdem haben die Fünft- und Sechstklässler der Sekundarschule die Möglichkeit, als Profilfach im Ganztag an der Mountainbike-AG teilzunehmen. Oft geht es auf die Jumpline am Bielenberg in unmittelbarer Nähe zur Schule oder auch in den Wald zum Rodenecktrum in Höxter. „Die Schüler sind hoch motiviert und lassen sich auch von schlechtem Wetter nicht aufhalten“, betont Kremper, der allerdings auch schon mal eine Theoriestunde eingeschoben hat, wenn die äußeren Bedingungen gar nicht passten. Dann erklärt der Mathelehrer die Rahmen-Geometrie der Fahrräder. Weitaus beliebter sind allerdings die aktiven Unterrichtsstunden mit praktischen Techniktipps und Sprüngen.

Lehramtsstudium in Münster abgebrochen

Ursprünglich hatte Heinz Kremper bereits nach seiner Bundeswehrzeit mit einem Lehramtsstudium in Münster begonnen. „So richtig war das damals aber nichts für mich“, erinnert er sich. Nach einem Semester brach er ab und absolvierte eine Lehre zum Zweiradmechaniker. „Das war mein Ding. Ich hatte vorher schon mal ein Praktikum absolviert und habe in jeder freien Minute geschraubt“, erzählt der Familienvater. Zwei Bandscheibenvorfälle zwangen ihn nach Jahren im Beruf allerdings zum Umdenken. Mit der angebotenen Umschulung zum Verkäufer konnte er sich nicht anfreunden. An der Uni Paderborn studierte er Mathe und Physik auf Lehramt, ließ das Referendariat folgen und unterrichtet seit knapp sieben Jahren an der Sekundarschule in Höxter. „Es war der richtige Schritt, noch einmal zu studieren und einen ganz anderen beruflichen Weg einzuschlagen“, sagt Kremper, der mit seiner Familie in Borgentreich lebt.

Seiner Rad-Leidenschaft ist er treu geblieben. Regelmäßig ist er im Wald auf den Trails unterwegs oder nutzt den Parcours auf dem Sportplatz in Natzungen, den er mit aufgebaut hat. Eine selbst gezimmerte Rampe steht sogar im eigenen Garten.

Aktuell während der Corona-Pandemie müssen die Höxteraner Sekundarschüler allerdings sowohl auf die Mountainbike-AG als auch auf das Schrauben in der Radwerkstatt verzichten. „Wir beschränken uns im Präsenzunterricht auf die Vormittagsstunden. Außerdem sind in beiden Angebote ja Schüler aus verschiedenen Klassen zusammen. Das wollen wir in Corona-Zeiten vermeiden“, betont Heinz Kremper und sehnt sich nach einer Normalisierung der aktuellen Lage.

Erstes Mountainbike vor 30 Jahren gebaut

Sein erstes Mountainbike, das er vor drei Jahrzehnten selbst zusammen geschraubt hat, hat er übrigens immer noch. „Inzwischen sind wohl nur noch der Rahmen und der Sattel im Originalzustand“, lacht der 50-Jährige. Alle anderen Komponenten hat er im Laufe der Zeit ausgetauscht und modernisiert. Ab und zu holt er es für eine Ausfahrt auch noch mal aus der Garage. Im Dauereinsatz ist es allerdings nicht mehr. Da schwört der Rad-Experte inzwischen auf sein E-Mountainbike – und nutzt das manchmal auch als „Dienstrad“ auf dem Weg zur Schule.

 

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