Pflegekinderdienst im Landkreis Holzminden benötigt mehr Familien, die Kinder „auf Zeit“ aufnehmen
Die Suche nach einem guten Zuhause

Holzminden -

Wenn Kinder oder Jugendliche in ihrer eigenen Familie nicht den Rückhalt finden, den sie dringend brauchen, kann es besser sein, einen geeigneteren sozialen Ankerpunkt zu finden. Es ist Aufgabe des Pflegekinderdienstes im Landkreis Holzminden, in solchen Fällen entsprechende Lösungen zu finden. Doch das wird zunehmend schwieriger.

Donnerstag, 08.04.2021, 23:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 13:34 Uhr
Bereichsleiter Benjamin Peters (von links), Saskia Söhngen und Peter Kros kümmern sich zusammen mit ihren Kolleginnen um das Thema Pflegeeltern. Foto: Landkreis Holzminden

. „Während der Bedarf in den letzten Jahren ständig gestiegen ist, nimmt die Bereitschaft, sich einer solch anspruchsvollen Herausforderung zu stellen, stetig ab. Dabei haben nicht nur die Kinder und Jugendlichen etwas von dem Engagement“, wirbt der Landkreis dafür, sich mit dem Thema zu befassen. „Immer wieder hören wir von Gasteltern, dass der Umgang mit ihren Schützlingen nicht nur anstrengend, sondern vor allem auch bereichernd gewesen sei“, sagt Lena Dewitz, die zusammen mit Jennifer Williams und Peter Kros das Gastelternprojekt in dem Bereich „Besondere Soziale Dienste“ betreut. Insgesamt besteht das Team des Pflegekinderdienstes unter der Leitung von Benjamin Peters aus sieben Personen. Der Allgemeine Pflegekinderdienst ist für die Vermittlung der Allerkleinsten bis zum sechsten Lebensjahr verantwortlich. Das Gastelternprojekt kümmert sich um Kinder ab dem Schuleintrittsalter und Jugendliche. Bei dem dritten Bereich handelt es sich um die sogenannte Familiäre Bereitschaftsbetreuung, die Kinder und Jugendliche in akuten Notsituationen für einen begrenzten Zeitraum in einer anderen Familie unterbringt.

Speziell die von Kerstin Neu und Jennifer Williams zu organisierende Bereitschaftsbetreuung ist dabei als Akutmaßnahme im Coronajahr 2020 schon deutlich an ihre Grenzen gekommen. Denn für eine zeitweilige Unterbringung stehen gerade einmal elf Pflegefamilien zur Verfügung. 37 Mal wurden diese im vergangenen Jahr in Anspruch genommen, im Durchschnitt hat sich also jede Familie um mindestens drei Kinder gekümmert. Mag auch die Tatsache, dass die Bereitschaft, sich mit so vielen unterschiedlichen durchaus nicht einfachen jungen Charakteren zu befassen, als ein Indiz für das wirklich vorbildliche Engagement der betreuenden Pflegefamilien anzusehen sein: Es hat bei weitem nicht gereicht. „Der Bedarf an Plätzen ist wesentlich höher gewesen“, erklärt Kerstin Neu, „aufgrund der schon vorgenommenen Belegungen war mehr aber einfach nicht drin.“

Als Konsequenz kommt, wenn keine Familie gefunden wird, nur noch eine kurzfristige Heimunterbringung infrage. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sollte das aber eigentlich nur die letzte Option sein.

Nicht viel anders sieht es auch bei dem schon erwähnten Gastelternprojekt aus. Den dort untergebrachten schon älteren Kindern und Jugendlichen soll in den Familien für einen längeren Zeitraum ein Zuhause gegeben werden. Hier wie für alle pflegenden Familien gilt: Es bedarf besonders stabiler Verhältnisse, einem robusten Durchhaltevermögen auch in schwierigen Phasen und der Bereitschaft, auch regelmäßige Kontakte mit den oft problembelasteten Herkunftsfamilien zu akzeptieren. 23 Gastfamilien haben sich im Landkreis bisher dazu bereit erklärt, diese Aufgabe zu bewältigen. Mittlerweile sind aber bereits 20 Plätze schon vergeben und die Decke für weitere Vermittlungen werde dünn.

Bei dem von Christine Brennecke, Luisa Chanut und Saskia Söhngen betreuten Allgemeinen Pflegekinderdienst ist die Situation trotz des Engagements von bereits 45 Pflegefamilien ähnlich. Denn die betreuen derzeit 55 der betroffenen Kinder, die schon als Kleinkind vermittelt wurden. Bei immer weiter steigenden Zahlen ist die Kapazitätsgrenze auch hier längst erreicht. Die Besonderen Sozialen Dienste des Landkreises sind also ständig auf der Suche nach motivierten und engagierten Familien, die helfen können. Und sie versprechen dabei, niemanden allein mit auftretenden Problemen zu lassen. „Wir bieten sowieso eine vorherige intensive Schulung durch unsere Fachkräfte an“, betont Bereichsleiter Benjamin Peters. Darüber hinaus gebe es aber auch während und nach der Aufnahme eines Kindes eine ständige Begleitung durch entsprechende sozialpädagogische Kräfte.

Interessierte Familien können sich unter www.landkreis-holzminden.de/pflegekinder informieren oder per E-Mail an pflegekinderdienst@landkreis-holzminden.de beziehungsweise telefonisch unter der Rufnummer 05531/707-350 unverbindlich beraten lassen.

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