Startschuss zum Umbau des Tilly-Hauses zum Forum Anja Niedringhaus: Inhaltliches Konzept von Michael Ebert
FAN soll 2022 eröffnet werden

Höxter -

Ein Traum wird Wirklichkeit: Das Forum Anja Niedringhaus (FAN) in Höxter ist finanziert und kann baulich umgesetzt werden. Der Startschuss für die Realisierung ist jetzt gefallen. 2022 soll das umgebaute Tilly-Haus von 1610 mit FAN und Wohnungen eröffnet werden.

Mittwoch, 10.02.2021, 05:20 Uhr
Im Heisterman-von Ziehlbergschen Adelshof ist das Tilly-Haus das größtes Gebäude; rechts das Jacob-Pins-Forum. Foto: Michael Robrecht

Der Verein für journalistische und künstlerische Fotografie will in ihrer Heimatstadt an die 2014 in Afghanistan ermordete Fotojournalistin Anja Niedringhaus erinnern. „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt“, lautete ihr Leitsatz. Die Kraft ihrer Bilder liegt in der Gabe, in einem Moment das Besondere zu erkennen und zu zeigen, was die Maschinerie des Krieges mit den betroffenen Menschen macht. Fotoschauen, Workshops und Begegnungen – das alles will das Forum bieten.

Im August 2020 beschloss der Rat Höxter eine Unterstützung von bis zu 250.000 Euro. Damit war die Finanzierung komplett gesichert, und eigentlich hätte es im Herbst losgehen können. Aber die Corona-Pandemie habe sich auf die Planungen ausgewirkt, so der Vorstand des Vereins um Vorsitzende Christine Longère.

Nun hat die letzte Phase der Realisierung begonnen. Für die Erstellung eines kuratorischen und inhaltlichen Konzeptes konnte Michael Ebert gewonnen werden. Er arbeitet als Dozent, Kurator und Autor, berichtet das FAN. Ebert unterrichtet seit vielen Jahren an den Hochschulen von Hannover und Magdeburg Fotojournalismus und Geschichte der Fotografie. Anja Niedringhaus hat er persönlich kennengelernt, und auch darüber hinaus hat Ebert eine Verbindung zur Thematik der Kriegsfotografie. So betreut er an der Hochschule Magdeburg den Nachlass des Pulitzerpreisträgers Horst Faas, einem der einflussreichsten Kriegsfotografen des 20. Jahrhunderts.

Ebert hat Referenzen

Faas, der 2012 in München verstarb, war in seiner letzten Position europäischer Fotochef der Agentur Associated Press (AP) und damit zeitweise auch der unmittelbare Vorgesetzte von Anja Niedringhaus. Nicht nur zu Horst Faas, sondern auch zum US-amerikanischen Bürgerkrieg oder der Geschichte des Napalm-Mädchens Kim Phuc hat Ebert viel beachtete Fotoausstellungen realisiert. Das Werk von Anja Niedringhaus hat er bereits in zwei Ausstellungen präsentiert.

Für Ebert steht eine positive und den Menschen zugewandte Ausrichtung des Forums in Höxter im Vordergrund. Es soll nicht nur eine Erinnerungsstätte werden, sondern ein lebendiger Ort, der für eine vielfältige Nutzung als Kultur- und Begegnungszentrum für Fotografie, Menschenrechte und Pressefreiheit geeignet ist. Der Arbeitstitel „Von Höxter in die Welt“ soll dabei auch die westfälischen Wurzeln von Anja Niedringhaus und die Verbindungen zu ihrer Geburtsstadt unterstreichen. Dabei darf auch die Bedeutung des Tilly-Hauses und die seines Namensgebers nicht vergessen werden.

Konzept in Arbeit

Zusammen mit der Agentur Hunger & Koch und der Architektin Cornelia Lange, die für die bauliche Sanierung des Tilly-Hauses zuständig ist, wird Ebert jetzt zügig ein detailliertes Konzept erstellen. Im Rahmen einer Ausschreibung für Szenographie ging das Büro für Design und Szenografie Hunger & Koch (Hannover) als Gewinner hervor und wurde vom FAN mit der Gestaltung beauftragt. Hunger & Koch ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Team aus Szenographen, Designern und Geisteswissenschaftlern mit Schwerpunkt Design im Raum. Zu ihren neuesten szenographischen Arbeiten zählen Ausstellungen für die Gedenkstätte Ahlem, das Fagus-Werk in Alfeld und die Wasserkunst der Herrenhäuser Gärten Hannover.

Multifunktional

Das FAN in der Westerbachstraße wird museale und Bereiche für Veranstaltungen unter einem Dach vereinen. Hunger & Koch hat erste Ideen vorgelegt. Museum, Diskussionsforum, Kino und Ort, an dem an Anja Niedringhaus erinnert wird, sollen eine kräftige gestalterische Handschrift erhalten. Mit Blickachsen, Perspektiven und Licht setzte sich Anja Niedringhaus mit ihrer Fotografie auseinander. Hunger & Koch greift diesen Aspekt auf, indem bestehende Raumstrukturen im Tilly-Haus aufgebrochen werden und gezielte Blickachsen, Schneisen eingezogen und durch Licht akzentuiert werden. Die Einbeziehung von Medienangeboten ist integraler Bestandteil.

FAN-Vorsitzende Christine Longère freut sich, nun kompetente und erfahrene Partner für die Realisierung des FAN ins Boot geholt zu haben. Damit rückt die für 2022 geplante Eröffnung des Forums Anja Niedringhaus in greifbare Nähe. Außer der Stadt Höxter fördern auch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung das Leuchtturmprojekt. Weitere Zuschüsse zu den Kosten, die auf knapp eine Million veranschlagt werden, kommen aus BKM-Mitteln (Bundesförderung Kultur und Medien), aus Städtebauförderungsmitteln sowie auf Beschluss des deutschen Bundestages aus dem Programm Landkultur der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

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