Führerscheinausbildung in der Corona-Zeit: Unterschiedliche Vorgaben mit vielen Ausnahmen sorgen für Unmut
Jugendliche in der Warteschleife

Kreis Höxter. -

Paul Hake wollte seinen Führerschein eigentlich schon mit 17 Jahren in der Tasche haben. „Jetzt wird es wohl nicht mal was zum 18. Geburtstag“, meint der Gymnasiast aus Beverungen. Ausgebremst worden sind er und viele seine Altersgenossen durch den aktuellen Corona-Lockdown.

Dienstag, 09.02.2021, 10:14 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 10:16 Uhr
Hannah Brand hat Glück: Die Hersterin, hier mit Fahrlehrer Wolfgang Fehr von der Fahrschule Schlender, hatte im Dezember schon genug Fahrstunden absolviert und durfte weiter ausgebildet werden. Jetzt steht sie kurz vor der Prüfung. Foto: Sylvia Rasche

 

„Wir dürfen nur Fahrschüler weiter unterrichten, die ihren Führerschein beruflich benötigen oder schon mehr als 50 Prozent der praktischen Stunden hinter sich haben“, sagt Markus Billeb von der gleichnamigen Fahrschule in Beverungen.

Paul Hake hatte erst zwei praktische Fahrstunden. Das war im vergangenen Dezember. Seither hängt er in der Warteschleife. „Das ist sehr schade. Jetzt haben wir erst die lange Pause und danach wird es mit den Prüfungsterminen vermutlich auch eng“, sagt der 17-Jährige.

Großer Unmut herrscht bei seinem Fahrlehrer zudem über die ungleichen Bedingungen in den Bundesländern. „In Hessen darf theoretischer Unterricht erteilt werden, im Auto reichen normale Stoffmasken, bei uns müssen die Fahrschüler medizinische Masken tragen, außerdem darf ich keine Theorie vor Ort unterrichten. Einige Fahrschüler sind daher schon abgewandert“, moniert Billeb, der im Dreiländereck besonders betroffen ist. „Wir haben in den 16 Bundesländern insgesamt zwölf verschiedene Regelungen. Das ist ungerecht“, bringt er es auf den Punkt.

Glück im Corona-Lockdown hat Fahrschülerin Hannah Brand aus Herste. Sie darf ihre Ausbildung in der Fahrschule Schlender mit Hauptsitz in Brakel fortsetzen, weil sie zum Stichtag im Dezember schon die Hälfte der vorgeschriebenen praktischen Fahrstunden absolviert hatte.

„Ich hatte zuerst Angst, dass ich wieder betroffen sein würde. Das war dann aber nicht so“, sagt die 17-Jährige. Im ersten Lockdown im Frühjahr musste sie ihre theoretische Ausbildung unterbrechen, war jetzt aber schon so weit, dass es nahtlos weiterging. Mit der FFP2-Maske im Auto zu sitzen, ist für sie völlig normal. „Ich kenne es gar nicht ohne Maske“, sagt Hannah Brand, die kurz vor der Prüfung steht. „Neben den fortgeschrittenen Schülern dürfen wir aktuell nur berufsbezogen ausbilden, haben zum Beispiel einen Gärtner oder einen Metzger, die beide ihre Führerscheine dienstlich benötigen. Dazu kommen die großen Klassen wie Trecker, LKW und Bus“, berichtet Fahrschulinhaber Thomas Schlender, der wie andere Anbieter auch, zwangsläufig einen Rückgang der Fahrschüler zu verzeichnen hat. Ein Ärgernis seien die sich häufig ändernden und nicht immer eindeutigen Bestimmungen. Das sieht auch Thomas Schelhorn, zweiter Geschäftsführer der gleichnamigen Höxteraner Fahrschule, so. „Wir verschwenden in der Organisation viel Energie, die wir lieber für unsere Schüler aufwenden würden.“ Es sei mühsam, diese wechselnden Regelungen den Fahrschülern immer wieder zu vermitteln. „Wir dürfen die Schüler, die sich am Anfang der Ausbildung befinden, jetzt im Lockdown nicht weiter betreuen und mussten sie nach Hause schicken. Das kommt bei den Kunden natürlich nicht gut an“, weiß Schelhorn. Besondere Auflagen, wie das Auto nach jeder Fahrt zu desinfizieren, sind für ihn in diesen Zeiten selbstverständlich.

Größeren Kommunikationsbedarf sieht auch Thomas Koch, Inhaber der Steinheimer Fahrschule Koch, durch die Corona-Verordnung. „Es gibt so viele unterschiedliche Vorgaben und Ausnahmen, dass die Fahrschüler und deren Eltern das manchmal gar nicht nachvollziehen können“, sagt der Steinheimer, der sich wie seine Kollegen auch einheitliche Regelungen gewünscht hätte. „Dann weiß wenigstens jeder, woran er ist.“

 

Für ihn bleibt die Tür vorerst geschlossen: Paul Hake muss seine Ausbildung bei der Fahrschule Billeb in Beverungen unterbrechen, da er zum Stichtag erst zwei Fahrstunden absolviert hatte und den Führerschein auch nicht beruflich benötigt.

Für ihn bleibt die Tür vorerst geschlossen: Paul Hake muss seine Ausbildung bei der Fahrschule Billeb in Beverungen unterbrechen, da er zum Stichtag erst zwei Fahrstunden absolviert hatte und den Führerschein auch nicht beruflich benötigt. Foto: Sylvia Rasche

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