Untersuchungsausschuss befragt Jugendamtsmitarbeiterin aus Höxter
Missbrauchsfall Lügde: Lehrerin schlug 2015 Alarm

Höxter/Lügde (WB) -

Der Missbrauchsfall Lügde hätte drei Jahre eher beendet werden können, wäre das Jugendamt des Kreises Höxter Hinweisen konsequenter nachgegangen. Das ist zumindest die Einschätzung einiger Landtagsabgeordneter nach der letzten Sitzung des Parlamentarischen Un­tersuchungsausschusses.

Freitag, 05.02.2021, 13:16 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 13:56 Uhr
Mario S. und Andreas V., die Täter von Lügde, 2019 vor dem Landgericht in Detmold. Foto: Althoff

Bis in den Abend hinein befragten die Abgeordneten am Mittwoch eine Mitarbeiterin (28) des Jugendamts. Sie hatte ihre Stelle dort gerade erst angetreten, als 2015 die Meldung einer Grundschullehrerin einging. Die Frau berichtete dem Jugendamt von einem Mädchen, das in den Akten des Ausschusses unter dem Pseudonym Daniela auftaucht. Die Lehrerin wusste, dass Daniela bei ihrem angeblichen Patenonkel Mario S. (einem der beiden Haupttäter im Fall Lügde) auf dem Campingplatz „Eichwald“ übernachten durfte.

Sie teilte dem Jugendamt mit, nach solchen Übernachtungen sei das Mädchen, das sonst ein „Sonnenschein“ sei, ausgewechselt. Es habe einen starren Blick, klage über Schmerzen am Po und weigere sich, sich für den Schwimmunterricht auszuziehen. Daniela habe gesagt, ihr Onkel solle sie nicht kitzeln. Das Jugendamt ließ das Mädchen daraufhin untersuchen. Ob es den Arzt über den Missbrauchsverdacht informierte oder der nur eine allgemeine Untersuchung durchführte, blieb am Mittwoch offen.

2017 meldete sich dann eine vom Familiengericht bestellte Umgangspflegerin mit einem weiteren Missbrauchsverdacht beim Jugendamt. Sie sagte, Daniela schlafe auf dem Campingplatz mit Mario S. in einem Bett, und er küsse sie auf den Mund. Daraufhin soll das Amt der alleinerziehenden Mutter geraten haben, Daniela nicht mehr dort übernachten zu lassen – ohne das aber zu kontrollieren.

Die Jugendamtsmitarbeiterin sagte, man sei nach den Vorschriften vorgegangen. Das Vorgehen sei damals in Teambesprechungen so festgelegt worden.

Marc Lürbke, Sprecher der FDP im Ausschuss: „Das Jugendamt wusste außerdem, dass Danielas Vater wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft und ein Freund von Mario S. war. Wenn das alles nicht reicht, um ein Kind in Sicherheit zu bringen oder die Polizei einzuschalten – was muss dann noch passieren?“ Auch im Fall Höxter zeige sich, dass es an Weiterbildung in Sachen Kindesmissbrauch fehle. „Und zwar bis heute!“.

Der Ausschussvorsitzende Martin Börschel (SPD) sagte, man werde in den kommenden Wochen die Vorgänge in Höxter durchleuchten und klären, ob überhaupt Konsequenzen aus dem Fall Lügde gezogen worden seien.

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