Besonderes Modell kommt an: In Lüchtringen dürfen die Kinder am ersten Wochentag die Grundschule besuchen
Montags ist die Freude riesig

Höxter (WB) -

Kimi zieht eine Schnellheftermappe aus ihrem Ranzen. Auf dem ersten Blatt befinden sich Zahlen und lustige Gesichter. „Das habe ich gemacht“, erzählt die Zweitklässlerin stolz. „Das ist sehr gut gelungen“, hält Klassenlehrerin Gabriela Müller den Daumen nach oben. An der Grundschule in Lüchtringen ist an diesem Montag wieder Schultag. Präsenz trotz Distanzunterricht steht hoch im Kurs.

Dienstag, 02.02.2021, 05:51 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 20:16 Uhr
Der Daumen für das Lüchtringer Montags-Modell zeigt nach oben: Die Schülerinnen Marta (von links), Viktoria und Lina freuen sich, dass sie einmal in der Woche ihre Lehrerin Ute Lämmchen sehen dürfen. Foto: Jürgen Drüke

„Unser Modell kommt bei Schülern, Lehrern und Eltern sehr gut an“, stellt Schulleiter Elmar Happe ­heraus. „Als der Distanzunterricht im verschärften Lockdown nach den Weihnachtsferien angeordnet wurde, waren wir gut vorbereitet.“ Aus dem ersten Lockdown im Frühjahr seien Lehren gezogen worden. „Der kurze und direkte Kontakt in der Distanz waren uns wichtig.“ Die Motivation sei bei allen sehr hoch. Die Mädchen und Jungen der Klassen eins bis vier kommen jeden Montag für etwa 15 Minuten in die Schule, gehen mit ihren Lehrerinnen die Aufgaben der vergangenen Woche durch und erhalten neue Aufgaben. „Die Kinder kommen in zeitlichen Abständen. Ob Deutsch, Sachunterricht, Englisch, Mathe, Kunst, Musik oder Religion – es passt“, berichtet Happe.

Die Mischung zwischen Distanz und Montagspräsenz sowie das Lernen in Videokonferenzen und über Erklärvideos auf der Homepage würden gern angenommen. „Kimi freut sich jeden Montag auf die Schule“, stellt Verena Bertram, die Mutter der siebenjährigen Zweitklässlerin, heraus.

Kimi präsentiert stolz ihre Zeichnung. Lehrerin Gabriela Müller (rechts) und Mutter Verena Bertram würdigen das gelungene Werk der Zweitklässlerin.

Kimi präsentiert stolz ihre Zeichnung. Lehrerin Gabriela Müller (rechts) und Mutter Verena Bertram würdigen das gelungene Werk der Zweitklässlerin. Foto: Jürgen Drüke

„Etwa zehn Prozent unserer 94 Schüler verfügen nicht über ein Endgerät. Oder es fehlt ein Drucker“, berichtet Happe. Die kurze Präsenz am Montag helfe weiter. Der Förderverein der Schule habe erst vor wenigen Wochen 15 Tablets zur Verfügung gestellt. Von der Stadt werde es noch Endgeräte geben. „Die Notbetreuung wird hier von 19 Schülern genutzt. Die digitale Ausstattung der Schule ist deshalb immens wichtig“, spricht der Schulleiter von „guten Bedingungen“.

Nati (vorne) und Lina kommen gerne in die Notbetreuung. Lehrerin Ruth Grothe lobt die Kinder.

Nati (vorne) und Lina kommen gerne in die Notbetreuung. Lehrerin Ruth Grothe lobt die Kinder. Foto: Jürgen Drüke

Im Schulgebäude, unmittelbar an einer Tür nach draußen, hat sich Ute Lämmchen eingerichtet. Neben einer kleinen Tafel erklärt die Pädagogin den Schülerinnen und Schülern kurz die Aufgaben. „Es sind maximal fünf Kinder, die in einer Gruppe sein dürfen“, berichtet die Klassenlehrerin der Drittklässler. Jakob und Marta hören ganz genau hin, wenn sie Tipps von ihrer Lehrerin bekommen. Marta (8) bekommt ein dickes Kompliment für ihr Skelett, das sie auf Papier erstellt hat. „Das ist ein sehr fröhliches Skelett“, freut sich Lämmchen über die Kreativität, welche die Kinder an den Tag legen. „Fertige Arbeiten werden eingesammelt, Probleme geklärt und Schwätzchen gehalten. In der dritten und vierten Klasse klappt das mit Videokonferenzen und Erklärvideos gut“, betont die Grundschullehrerin und fügt an: „Die Größenordnung unserer Schule erlaubt das spezifische Modell.“ Lüchtringen sei ein idealer Standort für diese Form des Unterrichts in schweren Zeiten. „Ich war Darsteller in einem Erklärvideo für Mathe. Das hat mir großen Spaß gemacht, Frau Lämmchen“, verrät der achtjährige Jakob dann noch.

Schulleiter Elmar Happe wünscht sich, so wie auf dem Foto den Präsenzunterricht zurück, wenngleich die digitalen Fortschritte aus dem Distanzunterricht aus seiner Sicht mitgenommen werden dürfte.

Schulleiter Elmar Happe wünscht sich, so wie auf dem Foto den Präsenzunterricht zurück, wenngleich die digitalen Fortschritte aus dem Distanzunterricht aus seiner Sicht mitgenommen werden dürfte. Foto: Archiv

In einem Klassenraum kümmert sich Ruth Grothe um die Kinder der Notbetreuung. „Wer seine Aufgaben gemacht hat, der lernt am Tablet spielend weiter“, schmunzelt die Lehrerin. „Die Art des Unterrichts schweißt uns alle noch mehr zusammen. Die Kinder sind dankbar, dass sie montags in die Schule dürfen. Der Kontakt ist auch Lernmotivation“, weiß der Schulleiter.

Bis zum 14. Februar ist der Distanzunterricht angesagt. Mindestens bis dahin heißt es in Lüchtringen noch weiterhin: „Montags ist die Freude groß.“

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