Fürstenberger Straße 5: 40 Jahre verwaistes Gebäude hinter der Weserbrücke in Höxter wird liebevoll saniert
Ein Prinz küsst uraltes Haus wach

Höxter -

Mit der rechten Hand wischt der Bauherr über einen großen Felsen vor seinem Haus: 1834 steht dort in Stein gemeißelt. „Das ist das Baujahr dieses historischen Gebäudes“, sagt Martiros Mkrtchyan. Hinter der Weserbrücke in Höxter wird das 186 Jahre alte Haus in der Fürstenberger Straße fünf nach vier Jahrzehnten Leerstand mit Liebe zum Detail wachgeküsst.

Samstag, 05.12.2020, 09:32 Uhr aktualisiert: 05.12.2020, 09:34 Uhr
Martiros Mkrtchyan legt am alten Haus in der Fürstenbergerstraße fünf Stein um Stein frei. Es geht jeden Tag voran. Die neue Außenfassade des 1834 eingeweihten Hauses soll schmucker Tuffstein aus Armenien zieren. Foto: Jürgen Drüke

 

„Der Abriss dieses besonderen Hauses stand oft auf der Agenda“, sagt Mkrtchyan. Der Armenier steht in der Adventszeit für ein Höxteraner Weihnachtsmärchen. „Vor vier Jahren hat mein Sohn Vladimir das Haus erworben. Wir wussten, es gibt sehr viel zu tun“, blickt der Vater zurück. Das vollends verfallene Anwesen sollte schließlich ein Schmuckkästchen werden. Die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten würden deshalb noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Wohnhaus mit den zwei Etagen will Maurer- und Tischlermeister Martiros Mkrtchyan bis Ende 2021 in einen „Blickfang“ verwandeln.

Gayane Mkrtchyan präsentiert „Loui“. Der anschmiegsame Hund fühlt sich pudelwohl.

Gayane Mkrtchyan präsentiert „Loui“. Der anschmiegsame Hund fühlt sich pudelwohl. Foto: Jürgen Drüke

Fünf Jahre Bauzeit würden dann hinter ihnen liegen. Dornröschen werde in der Fürstenberger Straße fünf eben langsam, aber dafür mit sehr viel Liebe und großer Hingabe wachgeküsst. Der Höxteraner liegt laut eigener Aussage voll im Plan. „Es geht jeden Tag einen Schritt voran.“

Etwa vier Jahrzehnte sei das Haus hinter der Weserbrücke nicht bewohnt gewesen. „Es war sicherlich kein Hingucker mehr“, formuliert der Baumeister vorsichtig, was viele Höxteraner lange als Schandfleck bezeichneten und weg haben wollten. Das Haus in der Fürstenberger Straße verfiel zusehends.

Die Familie Mkrtchyan, das sind neben Martiros dessen Ehefrau Gayane sowie die drei erwachsenen Kinder Vladimir (28) und die Zwillinge Seda und Aschot (25), machten sich zunächst an die Entrümpelungsarbeiten. „Das Haus war innen und außen in einem verwahrlosten und katastrophalen Zustand“, erinnert sich Sohnemann und Hausbesitzer Vladimir, der im Rahmen seiner Ausbildung zum Polizeibeamten gerade in Höxter im Einsatz ist. „Aufgrund der Corona-Pandemie und des Lockdowns erfolgen die Vorlesungen nun meistens online“, lernt der 28-Jährige in seinem Zimmer in der Fürstenbergerstraße fünf.

Drei der fünf Familienmitglieder: Sohn Aschot sowie Gayane und Martiros Mkrtchayan fühlen sich in dem alten und bald komplett renovierten Haus in der Fürstenberger Straße sehr wohl.

Drei der fünf Familienmitglieder: Sohn Aschot sowie Gayane und Martiros Mkrtchayan fühlen sich in dem alten und bald komplett renovierten Haus in der Fürstenberger Straße sehr wohl. Foto: Jürgen Drüke

Im Inneren des Hauses sind beide Etagen bereits sehr modern und wohnlich her- und eingerichtet. „Besonders am Kamin fühle ich mich wohl“, hat Martiros seinen Lieblingsplatz gefunden. Fast immer an seiner Seite ist Hund Loui. „Unser Vierbeiner ist sehr anhänglich und hat in der Wohnung alles und jeden im Blick“, hält Ehefrau Gayane den Puddel mit den treuen Augen liebevoll in den Armen. „Loui freut sich über jeden Gast“, sagt sie.

In dem altehrwürdigen Haus fühlt sich die armenische Familie, die vorher sieben Jahre in Schwerin und danach acht Jahre im spanischen Malaga gelebt hat, wohl. „Das Haus ist etwas ganz Besonderes. Höxter ist zudem eine lebenswerte und wundervolle Stadt“, gerät Sohn Aschot, er hat in Göttingen studiert, ins Schwärmen.

Die alten Holzbalken kommen im Hausinneren wieder zur Geltung. „Es knistert zwar hin und wieder im Gebälk, doch damit können wir leben“, schmunzelt Martiros Mkrtchyan, der lange in China, Russland und Spanien beruflich unterwegs war. Der Fachmann hebt hervor: „Es ist wichtig, dass sich die Geschichte dieses Hauses im Aussehen und im Mauerwerk widerspiegelt.“

Wer regelmäßig aus Richtung Boffzen nach Höxter reinfährt oder an der Weser spazieren geht, sieht die stetigen Fortschritte an dem uralten Haus unmittelbar vor der Weserbrücke.

Wer regelmäßig aus Richtung Boffzen nach Höxter reinfährt oder an der Weser spazieren geht, sieht die stetigen Fortschritte an dem uralten Haus unmittelbar vor der Weserbrücke. Foto: Jürgen Drüke

„Wer das Gebäude von außen sieht, wird denken, dass wir noch nicht weit vorangekommen sind. Das ist ein Trugschluss. Die Fassade Richtung Straße ist verputzt und die neuen Fenster sind eingesetzt.“ Die Außenfassade zum Garten werde nun umgehend in Angriff genommen. Das Grundstück sei 400 Quadratmeter groß. Im Garten hinter dem Haus wollen die Mkrtchyans Aprikosen-Bäume anpflanzen.

„Es soll ein wunderschönes Haus mit Garten, eben eine begehrte Prinzessin, werden“, leuchten die Augen von Ehefrau Gayane Mkrtchyan. Tuffstein aus Armenien mit einem rötlichen Farbton soll das Gebäude herausputzen“, hat sich Martiros festgelegt. Den besonderen Stein will er aus seinem Heimatland holen. „Das Haus könnte bestimmt viele Geschichten erzählen“, ist Martiros Mkrtchyan, der an diesem Samstag mit seiner Familie seinen 57. Geburtstag im Haus mit der Nummer fünf feiern wird, überzeugt.

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