Nach Steinheimer Messerattacke Lkw-Fahrer vor Amtsgericht verurteilt
Drei Jahre in Haft

Höxter/Steinheim  (WB). Ein Lkw-Fahrer aus der Ukraine ist am Montag vor dem Amtsgericht in Höxter zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Die Kosten des Verfahrens trägt der 54-jährige Angeklagte zudem. Am 2. Mai dieses Jahres hatte dieser im Industriegebiet Steinheim seinen Kollegen mit einem Messerstich in den Brustbereich lebensbedrohlich verletzt.

Dienstag, 10.11.2020, 19:52 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 19:54 Uhr
Vor dem Amtsgericht in Höxter ist das Urteil gegen den 54-jährigen Lkw-Fahrer aus der Ukrainie von Richterin Christina Brüning gesprochen worden: Drei Jahre haft ohne Bewährung. Der Angeklagte hat sich bei dem Geschädigten entschuldigt. Foto: Harald Iding

Unter Alkoholeinfluss

Die Anklage lautete gefährliche Körperverletzung. Beim Angeklagten waren damals am Tatort 1,6 Promille Alkohol im Blut festgestellt worden. Zwei Stunden später waren es im Krankenhaus beim Bluttest 1,8 Promille. Aufgrund des nachgewiesenen Alkohols im Blut wurde eine verminderte Schuldfähigkeit zuerkannt.

Richterin Christina Brüning begründete das Urteil am zweiten Prozesstag im Wesentlichen mit den Aussagen des heute 44-jährigen Geschädigten, der sehr glaubwürdig gewirkt habe. „Der Angeklagte hat dem Geschädigten eine tiefe Schnittverletzung im Thorax-Bereich zugefügt. Letztlich konnte durch die notärztliche Versorgung und schnelles Handeln zunächst im Krankenhaus in Höxter und anschließend im Krankenhaus in Paderborn mit einer Notoperation das Leben des Mannes gerettet werden“, führte Brüning aus. Die Zeugenaussagen und die des Geschädigten hätten belegt, dass der Angeklagte aufgrund des Alkoholkonsums Ausfallerscheinungen gehabt hätte und auch deshalb vermindert schuldfähig gewesen sei.

Gefährliche Körperverletzung

„Grundsätzlich ist von einem versuchten Tötungsdelikt auszugehen. Strafrechtlich handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung“, sagte Brüning. Der Geschädigte sei lebensgefährlich verletzt worden. Das Motiv der Tat bleibe unklar und sei in erster Linie auf zu viel Alkohol zurückzuführen.“ Zudem sei der Angeklagte nicht vorbestraft. Berechtigte Gründe für die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt würden nicht bestehen.

Geschädigter hatte großes Glück

Oberstaatsanwalt Dietmar Sauerland hatte vorher eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten gefordert. „Sie können von Glück reden, dass Passanten vor Ort waren, unmittelbar reagiert und Notarzt sowie Polizei gerufen haben. Ansonsten hätte der Mann versterben können. Die Anklage hätte dann Mord gelautet“, sagte Sauerland in Richtung des Ukrainers. Eine Freiheitsstrafe auf Bewährung hatte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Sascha Haring aus Halle, gefordert. „Ein Stich in den Oberkörper kann den Tod bewirken“, stellte auch der Verteidiger klar. Haring wertete für seinen Mandanten als strafmildernd, dass er dem Geschädigten nicht gefolgt sei, als dieser das Führerhaus des Lkw nach der Stichverletzung verletzt verlassen habe. Zudem habe sich sein Mandant entschuldigt. „Der Geschädigte wiederum hat nach Krankenhausbehandlung und Therapien keine Folgeschäden davon getragen“, so Haring.

Angeklagter entschuldigt sich

Rückblick: Am 2. Mai hatten sich beide Fahrer auf dem Parkplatz im Industriegebiet in Steinheim getroffen. Sie kannten sich nach einvernehmlicher Aussage erst zwei Tage. Die beiden Ukrainer, die damals für die gleiche Spedition arbeiteten, parkten ihre Lkw nebeneinander. Sie ließen sich im Führerhaus des Angeklagten nieder, um auch etwas zu trinken und zu essen. Später gingen sie in einem in der Nähe gelegenen Laden einkaufen. Der Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt nach eigener Aussage bereits eine Flasche Rum geleert. Der Geschädigte wiederum führte aus, bis dahin lediglich etwas Bier getrunken zu haben. Im Supermarkt kauften die beiden Männer Esswaren sowie eine Flasche Whisky und eine Flasche Wodka ein. Zurück im Führerhaus muss der Angeklagte zwischen 17.30 Uhr und 17.45Uhr unvermittelt auf seinen Kollegen eingestochen haben. „Ich habe gerade einen Schluck aus einer zwei Liter-Bierflasche genommen, als der Stich erfolgte“, sagte der Geschädigte aus. Wie der Ermittler vom Landeskriminalamt aus Bielefeld vor dem Schöffengericht feststellte, habe es sich wahrscheinlich um ein Messer mit einem Holzgriff und einer zwölf Zentimeter langen Klinge gehandelt. Das hätten DNA- und Blutspuren ergeben. Der 44-jährige Ukrainer schaffte es nach dem Messerstich noch, sich aus dem Führerhaus zu bringen. Der Verletzte wurde von Passanten, die nun als Zeugen aussagten, gesehen. Sie leisteten am 2. Mai Hilfe und riefen den Notarzt. Der Angeklagte hatte ausgesagt, dass er sich aufgrund seines alkoholisierten Zustands an nichts erinnern könne.

Ein mögliches Selbsttötungsdelikt wurde ausgeschlossen. Ebenso, dass ein Dritter den Messerstich ausgeübt haben könnte.

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