Rückkehrerfamilie unterstützt Service-Agentur – Julia Handkte vermittelt kurze Drähte in die X-Region
Kommen, bleiben, Wurzeln schlagen

Höxter -

Die Jobsteckbriefe laufen hervorragend, die Homepage mit Rundum-Informationen und Chatroom ist online: Die aus Leader-Mitteln geförderte Rückkehr-Agentur „WillkommenWillbleibenWillHeimat“ ist durchgestartet. Leiterin Julia Handkte hat sowohl online, als auch direkt einen kurzen Draht zu potenziellen Rückkehrern, heimischen Unternehmern und verschiedenen anderen Partnern aufgebaut. „Mein Netzwerk wächst und wächst“, freut sich die 39-Jährige. Und sie hat viele Ideen.

Samstag, 07.11.2020, 05:52 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 09:36 Uhr
Die Rückkehr-Agentur mit Julia Handtke (rechts) ist durchgestartet. Cécile und Nicolaus Droste möchten in Zusammenarbeit mit Julia Handtke anderen Rückkehrern zur Seite stehen. Die Rückkehrerbank und das X für die „Region plus X“ sind Aushängeschilder Agentur. Foto: Sabine Robrecht

Für einen ihrer Pläne steht der agilen Marketing-Fachfrau eine Familie zur Seite, die vor eineinhalb Jahren ihren Lebensmittelpunkt von der Großstadt in den Kreis Höxter verlegt hat: Nicolaus Droste zu Vischering (43) ist mit Ehefrau Cécile (42) und den drei gemeinsamen Kindern Florence (12), Vincent (9) und Éloïse (4) aus Münster in seinen Heimatort Lütmarsen gezogen. Das Ehepaar ist bereit, sich mit anderen Rückkehrern zu vernetzen – sei es online oder sobald die Corona-Pandemie es zulässt, auch in direktem Austausch mit einem Picknick oder regelmäßigen Treffen.

Neustarter

Ein solches Forum für frisch zurückgekehrte Neustarter schwebt Julia Handkte als Angebot ihrer Agentur vor. Daher freut es sie, dass die Familie Droste dieses Netzwerk knüpfen möchte. Gesprächsstoff gibt es allemal. Denn nach der Rückkehr in die Heimat läuft nicht unbedingt alles sofort rund. Dass bei Paaren beide Partner gleich einen Job finden, ist nicht selbstverständlich. Außerdem ist der Umzug oft nur für einen der beiden eine Rückkehr – und für den anderen ein gewöhnungsbedürftiger Ortswechsel, der nicht unbedingt sein Lebenstraum war.

Licht und Schatten

Wo Licht ist, ist also auch Schatten. Das haben Cécile und Nicolaus Droste und ihre Kinder erlebt. Der 43-Jährige hatte bei seiner Rückkehr im Juli 2019 nicht sofort seine neue Stelle. Ehefrau Cécile musste sich an ein völlig anderes Lebensumfeld gewöhnen. Gebürtig aus Paris stammend, hatte sie in Deutschland auch nur in Großstädten gewohnt. Da gelingt es nicht von heute auf morgen, sich auf dem Land einzuleben. Tochter Florence trauerte in den ersten Monaten ihren Freundinnen in Münster nach – und fand bei ihren Eltern Verständnis und Zuwendung. „Ich habe erst im März angefangen zu arbeiten“, sagt die freiberuflich tätige Psychologin und Coach. „Vorher habe ich mir Zeit genommen, die Kinder zu begleiten, und sie ermutigt, ihre Gefühle zuzulassen.“

"Wir sind umgezogen": Mit diesem Foto ihrer Kinder Florence (12 ), Éloïse (4) und Vincent (9) und auf dem HX-Stuhl vor dem Historischen Rathaus haben Cécile und Nicolaus Droste Freuden ihre neue Adresse bekannt gegeben.

"Wir sind umgezogen": Mit diesem Foto ihrer Kinder Florence (12 ), Éloïse (4) und Vincent (9) und auf dem HX-Stuhl vor dem Historischen Rathaus haben Cécile und Nicolaus Droste Freuden ihre neue Adresse bekannt gegeben. Foto: Cécile Droste

Eine große Hilfe, sagt sie, waren auch ihre Schwiegereltern. Sie haben mit den Enkelkindern Ausflüge in die neue Heimat unternommen, und Florence entdeckte für sich eine große Leidenschaft ihrer Großmutter – den Garten. Beide teilen nun diese gemeinsame Freude. Unterdessen ergab sich für Nicolaus Droste, der von 1998 bis 2003 Forst studiert hatte und zuletzt seit 2006 in vertriebsnahen und kaufmännischen Leitungsfunktionen beim Landmaschinenkonzern Claas in Harsewinkel tätig gewesen war, eine völlig andere berufliche Option. Das Erzbistum Paderborn suchte einen Verwaltungsleiter für den Pastoralen Raum Steinheim -Marienmünster-Nieheim. Am 1. Juli ging es los. „Ich mache diesen Dienst mit großer Freude. Er ermöglicht uns die erwünschte Flexibilität, die wir uns mit dem Wechsel ins Weserbergland erhofft hatten, für den familieneigenen Forstbetrieb und für die Betreuung unserer Kinder.“ Den durch die Dürre beschädigten Forst macht der Fachmann fit für den Klimawandel. Ende gut, alles gut also bei der Rückkehrerfamilie? Noch nicht ganz, aber „jeden Tag ein bisschen besser“.

Großstadt-Angebote

Ihre Geschichte kann anderen Mut machen – sei es jenen, die mit der Rückkehr hadern und sich den Wechsel vom Konzern ins kleinere Unternehmen nicht vorstellen können, oder auch denen, die den Schritt gerade getan haben und dem „alten Leben“ nachtrauern. Daher ist Julia Handkte froh über den guten Draht zum Ehepaar Droste. Die beiden sind neben ihren Erfahrungen auch Botschafter der Region und haben Ideen – Beispiel: Waldkita. Cécile und Nicolaus Droste kommunizieren die Vorzüge des Kreises gerne nach außen. Aus dem Ballungsraum kommend, empfinden sie die schulische Bandbreite als groß. „Was mich begeistert, ist, dass es in Höxter zwei Grundschulen mit unterschiedlichen Konzepten gibt“, sagt Cécile Droste. „Dass Eltern die Wahl haben, ist ein großes Plus.“ Und: Von Biohöfen bis hin zum neuen Unverpackt-Laden „gibt es für uns verwöhnte Metropol-Bewohner ein großes Angebot“.

Ideale Bedingungen

Ideale Bedingungen also für Menschen, die nach Jahren in der Großstadt ihre Work-Life-Heimat-Balance suchen. Bei Julia Handtke und ihrer Agentur sind Rückkehrwillige mit all ihren Fragen auf dem Weg zum „Wurzelschlager“ (wie sie sagt) an der richtigen Adresse. Auf der Homepage können sie sich über Unternehmen, Kitas, Schulen, Wohnmöglichkeiten, Gesundheit, Freizeit oder andere Rahmenbedingungen erkundigen. Die Leiterin hat alle zehn Städte im Blick. Und sie hat eine Bitte: „Wir brauchen für die Städte und Dörfer Botschafter, die mir Bescheid sagen, wenn zum Beispiel neue Bauplätze erschlossen werden oder ein neuer Spielplatz entstanden ist. Ich bin dabei, alle Angebote zusammenzutragen und ergänze sie fortlaufend.“ Julia Handtke möchte auch Newsletter und einen Blog mit aktuellen Artikeln an den Start bringen und freut sich neben vielen Homepage-Klicks aber auch über Anfragen per Mail oder Telefon. Die Marketing-Fachfrau recherchiert mit Herzblut alles Notwendige und vermittelt Kontakte. Den Jobsteckbrief, den Interessierte auf der Homepage finden und ausfüllen können, gibt sie an Unternehmensnetzwerke weiter. „Für Rückkehrwillige ein ganz besonderer Service, bereits aus der Ferne die Fühler nach einem passendem Job auszustrecken und erste Kontakte zu knüpfen.“ Der Steckbrief bringt Firmen und Fachkräfte zusammen. Fachkräfte anzulocken, ist auch primäres Ziel der Service-Agentur.

Für Rückkehrer bricht sie eine Lanze: „Sie bereichern die Region und bringen aus der Außenperspektive Ideen mit. Ihre Erfahrungen können hilfreich sein.“ Was sie haben müssten, sei ein langer Atem. So wie das Ehepaar Droste. Die beiden hatten den langen Atem. Jetzt sind sie und ihre Kinder angekommen. Die Rückkehr-Agentur mit Julia Handtke unterstützt ein gutes Ankommen in der Heimat.

Daten und Fakten

Die Rückkehr-Agentur für den Kreis Höxter ist im Februar 2020 bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) an den Start gegangen und wird aus Leader-Mitteln gefördert.

Leiterin Julia Handtke ist die beste Botschafterin für ihre Mission: In Würgassen aufgewachsen, kehrte sie vor vier Jahren aus Köln in die Heimat zurück. Mit Ehemann und Sohn lebt die 39-Jährige in Höxter. Julia Handtke ist per E-Mail unter rueckkehrer@gfwhoexter.de sowie telefonisch unter 05271/974318 zu erreichen. Auf der Homepage der Rückkehr-Agentur https://xregion.de/rueckkehr/ fächert sich ein virtuelles Willkommens- und Bleibezentrum mit gebündelten Informationen auf.

Ein Kommentar von Sabine Robrecht

Zurückkehren, bleiben, Wurzeln schlagen: Nach Jahren in der Großstadt tragen sich viele Menschen mit dem Gedanken, ihren Lebensmittelpunkt in die alte Heimat zurückzuverlegen. Die Familiengründung – und mit ihr der Nestbau – ist oft ein Anlass.

Für den Kreis Höxter als Wirtschaftsstandort sind diese Rückkehrer ein Potenzial, wenn es um das wichtige Ziel der Fachkräftesicherung geht. Vor diesem Hintergrund ist die Rückkehr-Agentur mit ihrer Rundum-Servicedienstleistung ein schlagkräftiges Regionalmarketing-Instrument.

Gestartet ist die Agentur kurz vor der Zuspitzung der Corona-Pandemie. Der erste Lockdown bremste Planungen für Veranstaltungen aus. Trotzdem machte sich die agile Leiterin ideenreich an die Aufbauarbeit. Sie netzwerkte am Telefon, baute virtuelle Plattformen aus und bleibt am Ball, wenn es um die Fortschreibung interessanter Angebote in den Städten und Dörfern des Kreises geht.

Diese Vielzahl von Informationen sind zwar zum großen Teil nicht brandneu und irgendwo im Netz nachzulesen. Der Mehrwert der Rückkehr-Agentur liegt allerdings darin, dass auf der Homepage das Wissenswerte aus allen zehn Städten gebündelt wird. Rückkehrwillige müssen sich also nicht durch zig Online-Portale klicken, um am Ende vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen, sondern können die Agentur-Webseite als Wegweiser oder Impulsgeber nutzen. Beruflich bahnt die Agentur über die Jobsteckbriefe erste Kontakte zwischen Unternehmern und möglichen neuen Fachkräften an. Kurzum: Die Anlaufstelle rundet das Standortmarketing für den Kreis Höxter um einen lohnenswerten Baustein ab und trifft damit auch einen Nerv: Das Interesse am ländlichen Raum mit seinen geringen Lebenshaltungskosten und den vielen weiteren Vorzügen wächst. Bei diesen Pluspunkten für eine ausgewogene Work-Life-Balance kann sich der Kreis Höxter im Ranking mit anderen Regionen auf jeden Fall sehen lassen.

Die besten Botschafter für diese Vorzüge sind Menschen, die beides erlebt haben, die Heimat und die Metropole. Rückkehrer also. Sie wissen, was die Region im Vergleich zur Großstadt l(i)ebenswert macht. Wenn sie über ihre Erfahrungen berichten, ohne die Stolpersteine auf dem Weg zurück in die Heimat auszulassen, sind sie künftigen „Wurzelschlägern“ angesichts der Authentizität ihrer Schilderungen eine Entscheidungshilfe für den Kreis Höxter. Daher tut die Agentur gut daran, mit Botschaftern wie dem Ehepaar Droste zusammenzuarbeiten.

Mögen der Familie viele weitere Rückkehrer folgen. Mit ihrer Frische und dem Blick von außen tun sie der Region gut.

 

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