Inzidenzwert knapp unter 100 – 170 aktiv Infizierte – Keine Intensivpatienten
Kreis Höxter reißt die Höchstwerte

Kreis Höxter (WB). Für einige Wochen ging die rasante Zunahme der aktiv mit dem Covid-19-Erreger-Infizierten am Kreis Höxter vorbei. Das ist nun anders. Nach Angaben des Gesundheitsamtes waren Stand Donnerstag 170 Menschen im Kreis mit Corona infiziert, zwölf mehr als beim bisherigen Höchststand im April. Der Inzidenzwert steigt parallel dazu auf 95,54 Infizierte pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen und damit auf fast das doppelte des festgelegten Grenzwertes von 50.

Freitag, 30.10.2020, 05:30 Uhr
Immerhin 19 Punkte bringt der „Lockdown“ beim Scrabble. Für viele Geschäftsleute, Hoteliers und Gaststättenbetreiber auch im Kreis Höxter bedeuten die nun von Bundesregierung und den Ministerpräsidenten beschlossenen Maßnahmen eine echte Gefährdung ihrer Existenz.                Foto: Ralf Brakemeier

Neun in Behandlung

Aktuell werden am Klinikum Weser-Egge neun Covid-19-Patienten stationär behandelt. Davon befinden sich fünf Patienten im Isolationsbereich im St.-Ansgar- Krankenhaus in Höxter und vier Patienten im St.-Josef-Hospital in Bad Driburg. Allerdings sind diese infizierten Patienten derzeit weder intensiv- noch beatmungspflichtig und befinden sich ausschließlich in Isolation. Das teilte die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES mit.

Zwischen dem 11. Juli und dem 17. Oktober wurde demnach kein einziger mit dem Corona-Virus infizierter Patient in den Krankenhäusern stationär behandelt. „Aktuell stehen am Klinikum Weser-Egge 42 Intensivbetten zur Verfügung. Darüber hinaus ist es möglich, die Zahl der Intensivplätze innerhalb eines Tages um mehr als 50 Prozent zu erhöhen. Für den Fall einer weiteren Eskalation ist in einem Stufenkonzept der weitere Ausbau von Intensiv- und Beatmungsplätzen vorgesehen. Beispielsweise könnten die Aufwachräume in Bad Driburg und Höxter sehr schnell für Intensivpatienten umgerüstet werden“, erklärt KHWE-Sprecherin Isabell Waschkies. Die Krankheitsverläufe der Patienten seien ähnlich wie im Frühjahr. Die Betroffenen leiden in der Regel an einer Lungenentzündung. Mit Corona-Spätfolgen musste im Kreis Höxter bislang kein Patient behandelt werden.

Kreis ist vorbereitet

Für seine eigenen Veranstaltungen hat sich der Kreis Höxter auf diese Lage vorbereitet. „Besprechungen mit mehreren Personen werden in der Kreisaula durchgeführt, die nächste Kreistagssitzung findet unter Einhaltung der Abstandsregeln in der Stadthalle Warburg statt“, informiert Kreis-Pressesprecher Burkhard Schwanneke im Gespräch mit dieser Zeitung. Probleme gebe es auch beim Kreis Höxter inzwischen mit der Nachverfolgung der Kontaktpersonen. Schwanneke: „Wir haben ja extra Scouts eingestellt und auch Mitarbeiter von anderen Abteilungen versetzt. Die Zahl der Kontakte hat sich aber vervielfacht, wir sind zur Zeit an der Grenze.“

Nur notwendige Kontakte

Die Stadt Höxter wartet zunächst die aktualisierte Corona-Schutzverordnung des Landes mit ihrer konkreten Ausgestaltung ab und beschließt dann das weitere Vorgehen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte am Donnerstag die Ordnungsämter aufgefordert, zur Not auch im privaten Raum die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen zu kontrollieren. Dazu Stadtsprecher Sebastian Vogt: „Das Ordnungsamt kontrolliert seit Beginn der Corona-Pandemie regelmäßig die Einhaltung der geltenden Regeln. Eine Kontrolle im privaten Bereich ist bisher in NRW aufgrund des hohen Grundrechtsschutzes des Privatbereiches nur in sehr wenigen Ausnahmefälle rechtlich zulässig.“ Es gelte der eindringliche Appell, auf nicht notwendige Kontakte zu verzichten.

Für Ausschuss- und Ratssitzungen gelten weiter besondere Regelungen (und Ausnahmen). Gremiensitzungen fallen nicht unter die untersagten oder zu untersagenden Versammlungen. Unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen sei geplant, dass die Sitzungen stattfinden werden.

Für Besucher geschlossen

Die Weserberglandklinik ist seit Dienstag für Besucher weitgehend geschlossen, nimmt aber weiter Patienten auf. Es bestehe kein Anlass, geplante Reha-Maßnahmen zu verschieben oder abzusagen, teilte die Klinik mit. Man sei auf die Situation vorbereitet und habe ein Hygienekonzept vorgelegt, das allen Vorgaben der Behörden entspreche. Dazu gehöre, dass Patienten und Mitarbeiter generell einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Beim Arbeiten nah am Patienten werden FFP2-Masken getragen“, erläuterte Geschäftsführer Rüdiger Pfeifer. Diese böten einen noch besseren Schutz als Mund-Nasen-Masken. Darüber hinaus habe die Klinik eine neue Teststrategie für Mitarbeiter und Patienten eingeführt. Eine wesentliche Rolle spiele dabei der so genannte Antigen-Schnelltest, bei dem das Ergebnis nach 15 Minuten vorliege. Das verschaffe Sicherheit, vor allem bei Patienten, die nicht aus einen Krankenhaus in die Rehaeinrichtung verlegt würden. Mitarbeiter würden häufiger getestet.

Kein Grund zur Panik

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr haben viele Menschen auf notwendige Behandlungen verzichtet, um keine Ressourcen in Krankenhäusern zu binden. Natürlich sei das Coronavirus eine bleibende Gefahr, aber kein Grund zur Panik, denn die Kliniken hätten in der ersten Welle Erfahrungen gemacht und seien jetzt deutlich besser darauf eingestellt. Daher warnt Dr. Thorsten Diercks, Chefarzt der Geriatrie, ausdrücklich davor, Maßnahmen abzusagen.

Trotz der geringen Zahl an bestätigten Covid-19 Fällen im Landkreis Holzminden hat das Krankenhauses Holzminden ein generelles Besuchsverbot ab Montag, 2. November, erlassen. Für einzelne Bereiche (Kreißsaal, Intensivstation, Palliativ-Patienten) gelten weiter Ausnahmeregelungen.

Corona-Daten

Die aktiven Corona-Fälle: Bad Driburg 37 (+6), Beverungen 4, Borgentreich 7, Brakel 20 (+4), Höxter 7 (+1), Nieheim 2, Steinheim 58 (+2), Warburg 19 (+3), Willebadessen 14 (+2), Marienmünster 2 (+1).

Jede Nacht wird der komplette Bestand der Corona-Datenbank des Kreises ausgewertet. Das heißt, es werden alle darin abgespeicherten Daten vom 1. März bis zum aktuellen Tag neu ausgelesen. Dabei fließt immer das reale Erkrankungsdatum und nicht das Meldedatum in die Auswertung. Diese Daten entsprechen also exakt dem Verlauf der Pandemie, weil die neuen Zahlen nicht einfach nur addiert werden.

Dies kann allerdings dazu führen, dass die Zahlen, die vom Kreis Höxter generiert und nachträglich angepasst werden, von anderen Quellen wie dem Landeszentrums für Gesundheit abweichen. Das WESTFALEN-BLATT veröffentlicht die Zahlen auf Grundlage der Daten des Kreises Höxter.

 

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