Kreis Höxter: Wirte bereiten Außerhauskarten vor – Ordnungsämter kündigen Kontrollen an
Viele haben Angst vor dem „Lockdown“

Höxter (WB). Der Kreis Höxter bleibt Corona-Hotspot-Gebiet und muss seit Montag mit neuen Einschränkungen leben . Die Gesamtzahl der aktiv Infizierten lag am Montagvormittag kreisweit bei 117 . Der Inzidenzwert war auf 66,3 gestiegen. Für die Schüler hat am Montag der Unterricht nach den Herbstferien mit neuen Regeln begonnen. Es gilt eine Sperrstunde für die Gastronomie von 23 bis 6 Uhr. Hotels, Gaststätten und Einzelhandel befürchten für diesen Herbst einen weiteren „Lockdown“.

Montag, 26.10.2020, 20:03 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 09:12 Uhr
Der Mund- und Nasenschutz ist auch im Freien inzwischen im Kreis Höxter ein Muss, so wie hier bei den Zuschauern des Fußball-Regionalligaspiels der Bökendorfer Frauen gegen den VfL Bochum am vergangenen Sonntag. Foto: Sylvia Rasche

Hotspots und coronafrei

Als Hotspots innerhalb des Kreises galten am Montag Steinheim mit 40 aktiven Infektionen und Bad Driburg mit 26 . Nach Auskunft von Steinheims Bürgermeister Carsten Torke befanden sich dort 142 Menschen in Quarantäne. „Wir werden jetzt ganz genau beobachten, ob weitere positive Testergebnisse – die es sicher geben wird – aus dem Kreis der in Quarantäne befindlichen Personen kommen, oder es weitere Infektionsquellen gibt. Wir hoffen, dass wir die Situation durch die Quarantänemaßnahmen entschärfen können.“ Im Verlauf der Woche will das Ordnungsamt unter anderem die Einhaltung der Sperrstunde sowie das Verhalten der Menschen in der Innenstadt kontrollieren. Das Rathaus bietet weiter alle Dienstleistungen an – jedoch lediglich nach Terminvereinbarung.

Um diese bittet auch Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe ausdrücklich. In der Kur-stadt bleibe das Rathaus zwar weiterhin für Besucher unter hohen Schutzmaßnahmen geöffnet, jedoch befänden sich viele Mitarbeiter im Homeoffice – „um die Aufrechterhaltung des Betriebes sicherzustellen“, wie Deppe betont. In Bad Driburg waren am Montag neben den 26 aktiv Infizierten weitere 45 Kontaktpersonen in Quarantäne.

Marienmünster vermeldet derzeit als einzige Stadt des Kreises keine aktiven Infektionen. Das sei laut Bürgermeister Robert Klocke jedoch „trügerisch“: Man dürfe sich nicht in Sicherheit wähnen und müsse weiter vorsichtig sein. „Ein Virus kennt keine Stadtgrenzen“, so Klocke. Die Stadt biete weiterhin alle Dienste an, jedoch sei eine Anmeldung Pflicht.

Gastronomie/Hotellerie

Die sich verschärfende Corona-Krise stellt die Hotels und Gaststätten im Kreis Höxter erneut vor große Probleme. Viele haben Angst vor einem „Lockdown“. Mit Blick auf die umsatzstarken Vorweihnachtswochen sehen viele Gastronomen und Hoteliers ihr Geschäft in Gefahr. „Wir kämpfen alle“, brachte es Frank Sievers, Inhaber des größten Hotels in Höxter auf den Punkt, was viele in seiner Branche mit Blick auf die neue Corona-Welle denken. Er hoffe, das Adventsgeschäft irgendwie retten zu können. Noch sei das „Hotel Niedersachsen“ Weihnachten und Silvester ausgebucht – „noch!“ Nachdem am Wochenende bekannt geworden sei, dass der Kreis Höxter ein Corona-Hotspot sei, habe es bei ihm am Montag gleich Stornierungen von mehreren Tagungen und Versammlungen gegeben. Man müsse immer bedenken, dass die schwierigen Monate bis März mindestens dauern könnten, sagte Frank Sievers. Er sieht durch die verschärften Hygieneregeln ein riesiges Problem auf alle Innenstädte zukommen. Auch das Thema Kurzarbeit stehe möglicherweise wieder auf der Tagesordnung, wenn sich die Lage so fortsetze. Frank Sievers, der Ende dieser Woche sein neues 57-Zimmer-Hotel „Zeitgeist“ in Warburg eröffnen möchte, meint, dass es für viele schwer werde, ein zweites Mal dieses Jahr durch so eine Krise zu kommen.

Das sehen viele gastronomische Betriebe so, auch Christian Potthast (Gasthaus Strullenkrug Höxter). Er und seine Frau, die Dehoga-Vorsitzende Barbara Potthast-Menne, rechnen mit einer weiteren Verschärfung der Auflagen. „Wir bereiten bereits eine Karte für das Außerhausgeschäft wie im März vor“, sagte Potthast. Schwierig werde es auch mit den Weihnachtsfeiern. Viele Firmen würden Feiern untersagen. Schon am vergangenen Wochenende hätten Gastronomen und Kneipenwirte einen ersten Besucher- und Umsatzrückgang registriert.

Veranstaltungen

Für Organisatoren von Veranstaltungen bedeuten die neuen Corona-Regeln einen größeren Aufwand. Veranstaltungen sind zwar innen und außen mit maximal 100 Personen zulässig – sollte jedoch spätestens drei Tage vor Beginn ein spezielles Hygienekonzept vorgelegt werden, können auch mehr als 100 Besucher zugelassen werden. Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen im Freien oder mehr als 250 Personen in Innenräumen sind jedoch untersagt. Dr. Andreas Knoblauch-Flach von der Kulturgemeinschaft Beverungen betonte: „Wir haben bereits am Sonntag bei einer Veranstaltung in der Stadthalle die neuen Auflagen berücksichtigt – und das hat funktioniert. So lange wir mit vernünftigen Konzepten arbeiten können, wollen wir Veranstaltungen anbieten.“

Handel

Neben den großen Supermärkten muss unter anderem auch der Dorfladen in Dringenberg Sicherheitskonzepte umsetzen. Geschäftsführer Marcel Rehermann betonte, dass wieder eine digitale Ampel anzeige, ob Kunden eintreten dürfen oder nicht. „Wir beschränken den Zutritt wieder auf fünf Kunden, obwohl wir auf 180 Quadratmetern auch 18 Leuten gleichzeitig Einlass gewähren könnten. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst – außerdem haben die Dringenberger im Frühjahr bewiesen, dass sie Verständnis für die Regelung haben.“

Schulen

Für alle weiterführenden Schulen im Kreisgebiet gelten zum Ferienende verschärfte Hygieneschutzregeln. Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände müssen alle Schüler ab Jahrgang 5 im Unterricht und am Sitzplatz verpflichtend eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Stoßlüften alle 20 Minuten, Querlüften und Lüften während der gesamten Pause sind Vorgaben. Die Regelungen gelten bis zu den Weihnachtsferien. Im KWG Höxter wurde bisher schon freiwillig Maske getragen. „Wir hoffen sehr, dass diese Maßnahmen dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht weiterhin regulär stattfinden kann“, schreibt Heike Edeler (Leiterin König-Wilhelm-Gymnasium Höxter) in ihrem Elternbrief. Dieser Hoffnung schließen sich viele Lehrer, Eltern und Schüler an.

Unterbrochen ist inzwischen die Saison in den Hallensportarten. In den Krankenhäusern herrscht Besuchsverbot.

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