Kreis stellt 20 neue Containment-Scouts ein – wieder mehr Infizierte
Corona-Detektive ermitteln

Höxter (WB). Der Kreis Höxter stellt 20 weitere so genannte Containment-Scouts ein. Sie sollen Corona-Infektionsketten zurückverfolgen – per Telefon oder Hausbesuch. Das sei nötig, um die Kontaktpersonenermittlung auch weiterhin mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen durchführen zu können.

Donnerstag, 22.10.2020, 22:00 Uhr
Abstriche im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes übernimmt im Regelfall das Rote Kreuz. Aber auch unter den Containment-Scouts gibt es dafür qualifizierte Kräfte, so dass sie gelegentlich auch bei Testungen eingesetzt werden. Foto: dpa

Erste Einstellungen sind bereits erfolgt, weitere Vorstellungsgespräche laufen. Die Scouts sollen zunächst befristet bis Ende Juni 2021 direkt beim Kreis angestellt werden. Sie müssen über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein begonnenes oder beendetes Studium verfügen.

Mehr Kontaktpersonen

Bislang hat das Gesundheitsamt Kontaktpersonen von Corona-Infizierten mit Hilfe von Personal aus anderen Abteilungen der Kreisverwaltung ausfindig gemacht. Zudem gab es Unterstützung von drei Mitarbeitern des Robert-Koch-Institutes und von zwei Pflegekräften des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung.

Die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter sei nötig, weil durch private Feiern und größere Veranstaltung die Anzahl der Kontaktpersonen pro Infektionsfall steige. „Dies erschwert die Arbeit des Gesundheitsamtes enorm“, sagt dessen Leiter Dr. Ronald Woltering. Im Durchschnitt kommen auf einen Coronafall heute zehn bis 15 Kontaktpersonen. „Wenn es um Schulklassen geht, kann dieser Wert auch auf 50 steigen“, so Woltering. Zum Vergleich: Im Frühjahr lag der Wert nur bei etwa fünf Personen pro Fall, was nach Angaben des Gesundheitsamtschefs auf den Lockdown zurückzuführen war.

210 Menschen in Quarantäne

Die beim Kreis eingesetzten Corona-Detektive befragen Covid-19-Patienten zu möglichen Kontaktpersonen. Diese würden dann kontaktiert und in unterschiedliche Risikokategorien eingeordnet und unter Umständen in Quarantäne geschickt. Derzeit befinden sich nach Angaben des Kreises etwa 210 Menschen in häuslicher Isolierung. Einzelne Scouts seien auch für die Abnahme von Abstrichen qualifiziert, so dass sie gelegentlich bei Testungen eingesetzt würden, heißt es aus der Kreisverwaltung. Grundsätzlich sei aber das Rote Kreuz zuständig, das Abstriche im Auftrag des Gesundheitsamtes im gesamten Kreisgebiet abnehme.

Steigende Fallzahlen

Von Mittwoch auf Donnerstag sind die Infektionszahlen im Kreis weiter gestiegen. Neun neue Corona-Infektionen sind hinzugekommen. Aktiv infiziert sind derzeit 57 Menschen. Mit Blick auf die Städte ergibt sich folgendes Bild: Bad Driburg 19 (+1); Beverungen 1 (-1); Borgentreich 6 (+1); Brakel 13 (+1); Höxter 6; Marienmünster 0; Nieheim 0; Steinheim 5 (+2); Warburg 3; Willebadessen 4 (+1). Die Sieben-Tage-Inzidenz, der Anteil der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche, klettert auf 27,8. Ab einem Wert von 35 ergreifen die Behörden kontaktbeschränkende Maßnahmen.

Wann der im Kreis Höxter erreicht wird, lässt sich nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit nur schwer einschätzen. Kreisdirektor Klaus Schumacher spricht allerdings von einer „besorgniserregenden Entwicklung“. Die Zahlen zeigten ganz deutlich: „Das Virus ist noch da.“ Der Großteil der Bürger verhalte sich vorbildlich. Dennoch sollten Kontakte jetzt auf ein Minium reduziert werden. So könnten alle daran mitwirken, die Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben so gering wie möglich zu halten.

Folgen steigender Werte

Wenn im Kreis Höxter der Inzidenz-Wert von 35 geknackt wird, sind gemäß Corona-Schutzverordnung des Landes Veranstaltungen und Versammlungen sowie Kongresse mit mehr als 1000 Personen unzulässig. An Festen aus herausragendem Anlass außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens 25 Personen teilnehmen. Die Maskenpflicht gilt auch am Sitz- oder Stehplatz bei Konzerten und Versammlungen in geschlossenen Räumen sowie für Zuschauer bei Sportveranstaltungen. Die Maskenpflicht gilt auch in stark frequentierten Außenbereichen wie Fußgängerzonen, in denen der Mindestabstand kaum einzuhalten ist. Wo genau das ist in einer Stadt ist, legen die Kommunen fest. Sie können darüber hinaus weitere Schutzmaßnahmen wie eine Sperrstunde für gastronomische Einrichtungen anordnen.

Steigt der Inzidenz-Wert über 50, sind Veranstaltungen mit maximal 100 Personen zulässig. Darüber hinaus gibt es eine Sperrstunde für gastronomische Betriebe von 23 bis 6 Uhr. An Festen außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen und in der Öffentlichkeit dürfen sich außerhalb von Familien und Personen zweier Hausstände nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen treffen.

Blick zu den Nachbarn

Bislang hat bei den Nachbarkreisen nur Northeim die 50 überschritten, wo es in Bad Gandersheim zu einem Massenausbruch in einem Glaubenszentrum gekommen ist. In Lippe lag der Wert am Donnerstag bei 46,5 und ist damit leicht rückläufig gewesen. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg stieg er deutlich von 31,3 auf 43,5 binnen eines Tages. Im Hochsauerlandkreis wird mit Stand von Mittwoch ein Wert von 33,5 angegeben. Im Kreis Paderborn ist die Inzidenz von 22,7 auf 24,7 gestiegen. Dort gibt es derzeit 111 aktive Fälle. 631 Menschen befinden sich in Quarantäne. Im Landkreis Kassel stieg der Inzidenzwert von Mittwoch auf Donnerstag von 36,8 auf 61,3. Insgesamt gibt es 436 Corona-Erkrankte. Ausbrüche gibt es auch in Altenheimen.

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