Abschied: Alexander Fischer blickt mit Wehmut und Stolz auf elf bewegte Jahre als Bürgermeister zurück
„In Höxter haben wir trotz allem viel erreicht“

Höxter (WB). Es sind die letzten Tage im Stadthaus: Alexander Fischer (56) sagt nach mehr als elf Jahren „Auf Wiedersehen“. Der Schreibtisch ist geräumt und vertrauliche Gespräche mit dem Nachfolger Daniel Hartmann, ab 1. November neuen Bürgermeister, geführt worden.

Mittwoch, 21.10.2020, 23:23 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 09:16 Uhr
Mit den elf Amtsjahren verbindet Alexander Fischer auch viele Begegnungen mit Bürgern und sehr viel Kampf. Nun hat der scheidende Rathauschef für das WESTFALEN-BLATT die Jahre als Bürgermeister noch einmal Revue passieren lassen: „In Höxter hat sich viel zum Positiven bewegt.” Foto: Jürgen Drüke.

„Wehmut spielt in den letzten Tagen sicherlich mit. Es hat trotz allem Spaß gemacht, denn wir haben gemeinsam viel auf den Weg gebracht. Darauf bin ich stolz. Höxter hat Großprojekte bereits abgeschlossen und steckt in vielen noch mittendrin. Die Landesgartenschau 2023 ist die Herausforderung schlechthin.“ Der scheidende Bürgermeister, dessen Amtszeit am 31. Oktober endet, blickt im Interview mit Redakteur Jürgen Drüke nicht nur auf Höhen und Tiefen zurück, sondern regt die heimischen Politiker zum Nach- und Umdenken und insbesondere zum besseren Umgang miteinander an.

 

Die dritte Amtszeit war Ihr großes Ziel. Das haben Sie verfehlt. Ist die Enttäuschung über die Wahlniederlage inzwischen verflogen?

Alexander Fischer: Ja, denn seit der Kommunalwahl sind mehr als fünf Wochen vergangen. Am Abend des 13. September und die Tage danach war ich in der Tat sehr enttäuscht. Mein Ziel war es, die Großprojekte als amtierender Bürgermeister fortzuführen. Es ist in den vergangenen Jahren so viel auf den Weg gebracht worden. Ich wäre sehr gerne bis zum Ende dabei geblieben. Die Bürgerinnen und Bürger haben anders entschieden. Zweimal war ich vorher der Sieger gewesen. Diesmal war ich der Verlierer. Das ist Demokratie.

 

Elf Jahre sind trotzdem eine lange Zeit. Was verbinden Sie mit dem 30. August 2009 sowie den 15. April 2014?

Fischer: Ich erinnere mich an beide Daten sehr gerne. Mit 38,5 Prozent der Stimmen habe ich mich am 30. August 2009 gegen Klaus Schumacher, der es auf 36,5 Prozent brachte, durchgesetzt und die Nachfolge von Hermann Hecker angetreten. Erstmals hatte in Höxter ein Sozialdemokrat einen CDU-Kandidaten auf den zweiten Platz verwiesen. Es war ein historischer Sieg. Die Bürgerinnen und Bürger von Höxter waren für einen SPD-Bürgermeister bereit. Ganz schnell musste ich mich vor mehr als elf Jahren aus meiner Rechtsanwaltskanzlei verabschieden. Bereits Anfang September 2009 habe ich das Bürgermeisteramt übernommen. Die Euphorie war damals insbesondere bei den Sozialdemokraten groß. Sie wollten Höxter mit Bürgermeister Alexander Fischer verändern. Fünf Jahre später habe ich am 15. April 2014 in der Stichwahl gegenüber dem CDU-Kandidaten Uwe Schünemann mehr als 58 Prozent geholt. Das war die Bestätigung der fünf vorhergehenden Jahre gewesen, die sicherlich nicht leicht waren. Höxter fehlte wie vielen Kommunen das Geld. Wir haben den Gürtel enger geschnallt und das Tal durchschritten.

 

Warum waren die ersten Jahre so schwierig?

Fischer: Weil wir uns auch in der Haushaltssicherung befanden. Höxter stand unter Druck und unter Aufsicht des Kreises. Großprojekte waren nicht angesagt. 2012 waren wir zunächst aus der Haushaltssicherung heraus und sind dann wieder reingerutscht. Mit dem Haushaltsplan 2018 konnten wir positive Zahlen vorlegen. Damals herrschte eine große Euphorie und sind die besonderen Projekte auf den Weg gebracht worden. Die Bewerbung für die Landesgartenschau 2023 war bereits vorher von Erfolg gekrönt gewesen.

 

Wie ist Höxter in Ihrer Amtszeit verändert worden? Was ist besonders gut gelungen?

Fischer: Neben der Landesgartenschau ist es sicherlich das Weltkulturerbe Corvey. Corvey ist am 21. Juni 2014 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet worden. Die Bäderfrage spielte in den Jahren meiner Amtszeit zudem eine große Rolle. Die CDU wollte zunächst ein Kombibad. Die Bäder standen im Verlauf der Jahre symbolisch für den zähen Kampf um viele Projekte. Wir haben nun ein renoviertes Freibad und ein schmuckes Hallenbad, das Anfang 2021 eröffnet wird. Am Ende wurde alles gut. Eine Visitenkarte ist die Entwicklung der Innenstadt. Eine Galerie ist für die Einkaufsstadt noch vor einigen Jahren in Erwägung gezogen worden. Es ist anders gekommen. Und letztlich war es für eine kleine Stadt wie Höxter gut. Wir haben eine Vielfalt an Geschäften, Läden, Gastronomiebetrieben und vor allem eine Markt-Fassade, die nicht nur die heimischen Bürgerinnen anlockt. Höxter ist beneidenswert schön. Wichtig ist zudem, dass der Schulstandort mit dem König-Wilhelm-Gymnasium, der Realschule und der Sekundarschule gesichert ist. Der Medien-Entwicklungsplan und die Digitalisierung machen Höxter zukunftsfähig. Das Sportstättenkonzept mit der Sanierung der Sporthallen und dem Bau von zwei Kunstrasenplätzen ist jeden Cent wert und für die Schulen und heimischen Sportvereine wichtig. Jetzt gilt es, alles zum Abschluss zu bringen. Die Bürger setzen darauf, dass die Versprechen und Zeitpläne eingehalten werden.

 

Herr Fischer, zahlreiche Ratssitzungen dürften ebenfalls in Erinnerung bleiben. Wie ist es aus Ihrer Sicht um die kommunalpolitische Kultur in der Kreisstadt bestellt?

Fischer: Schlecht. Zu oft ist es in den Sitzungen nicht mehr um die Sache gegangen. Das hat uns sogar sehr oft zurückgeworfen und Höxter in ein schlechtes Licht gerückt. Gut, dass es in den meisten Fällen zu einem guten Ende gekommen ist. In meiner ersten Amtszeit war es um die politische Kultur aus meiner Sicht noch besser bestellt. Die Stadt und deren Bürgerinnen und Bürger standen im Vordergrund. In meiner zweiten Amtszeit hat sich der Umgang und das Verhalten im Rat verändert. Manche Debatte konnte als solche nicht bezeichnet werden. Zank und verbale Gefechte haben den Sachthemen geschadet. Es war oft peinlich. Ich gehe davon aus, dass sich nach der Kommunalwahl und den personellen Veränderungen im Rat vieles zum Positiven und damit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger wenden wird. Höxter ist eine zukunftsorientierte und kultivierte Stadt. Das sollte und muss sich auch im Rat abbilden.

 

Wenn Sie noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden wären, wo hätten Sie Schwerpunkte gesetzt und was anders gegenüber den ersten beiden Amtsperioden gemacht?

Fischer: Es ist wichtig, der Familienpolitik einen gebührenden Stellenwert einzuräumen. Junge Familien sollte angeworben werden. Wir brauchen noch mehr Kindergärten und gute Schulen. Wir benötigen zudem für unsere älteren Bürgerinnen und Bürger ein drittes Altenheim. Hier habe ich mich bereits in guten Gesprächen mit Investoren befunden. Jung und Alt sollen sich in der Kreisstadt wohlfühlen. Eine gute Familienpolitik bedeutet zwangsläufig, dass der Wirtschaftsstandort Höxter gestärkt wird. Die Landesgartenschau 2023 ist ein Pfund, das diese Stadt gewinnbringend in die Waagschale werfen wird. Die Landesgartenschau ist ein Konjunkturpaket. Zudem sollte der Hochschulstandort Höxter ausgebaut werden, da verfügen wir noch über sehr viel Potenzial, und der Bundeswehrstandort gesichert bleiben.

 

An welche Momente oder Ereignisse erinnern Sie sich immer noch oder auch besonders gern?

Fischer: Die Vereidigung als Bürgermeister 2009 werde ich niemals vergessen: Das Gesicht des stellvertretenden Bürgermeisters Günther Ludwig, der die Vereidigung vornahm, brachte zum Ausdruck, wie schwer es ihm fiel, mich als neuen Bürgermeister ertragen zu müssen. Der CDU-Mann stand sicherlich noch unter dem Eindruck der Wahlschlappe. Zudem erinnere ich mich an ein gutes Gespräch mit dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Es ging um den Bundeswehrstandort Höxter, der auf den Prüfstand gestellt worden war.

 

Herr Fischer, wie geht es nun für Sie persönlich weiter?

Fischer: Ich orientiere mich zwangsläufig neu und wäge ab. Spruchreif ist allerdings noch nichts.

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