Projekt zur Schlaganfall-Nachsorge im Kreis Höxter erfolgreich
„Lotsen geben Sicherheit“

Höxter (WB). „Erste Erfahrungen zeigen, wie erfolgreich das Lotsen-Modell für die Nachsorge bei Schlaganfall-Patienten ist“, sagt Landrat Friedhelm Spieker bei einem Erfahrungsaustausch zum Projekt „Stroke OWL“. Im Kreis Höxter gibt es das Modell seit 2018.

Samstag, 03.10.2020, 05:43 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 05:50 Uhr
Schlaganfall-Lotsinnen leisten im Projekt „Stroke OWL“ wertvolle Hilfe. Eine positive Bilanz ziehen im Kreishaus Schirmherr und Landrat Friedhelm Spieker sowie (von links) Lotsin Angela Winzmann, Hala Gorges, Dr. Uta Häberle und Lotsin Irmhild Schmidt. Foto: Kreis Höxter

Ein Jahr lang begleiten die Lotsen Betroffene und leisten Unterstützung auf dem Weg in ein verändertes Leben. Friedhelm Spieler ist Schirmherr des Projekts der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe im Kreis Höxter. „Ein Schlaganfall ist ein tiefer Einschnitt. Die neuen Lebensumstände stellen die Patienten vor große Herausforderungen“, erklärt die Leitende Oberärztin der Neurologie am St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter, Dr. Uta Häberle. Dies betreffe auch die Familie und das persönliche Umfeld. „Es hat sich gezeigt, dass die Schlaganfall-Lotsinnen den Betroffenen und ihren Angehörigen eine große Hilfe sind“, sagt sie.

In dem Projekt „Stroke OWL“ wird derzeit modellhaft erprobt, wie durch eine patientennahe Begleitung die Versorgung der Betroffenen verbessert und die Lebensqualität erhöht werden kann. „Mit einer wissenschaftlichen Studie wollen wir nachweisen, dass diese Form der Unterstützung viele positive Effekte hat“, sagt Anja Kottmann von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. „Aufgrund der guten Erfahrungen engagieren wir uns dafür, dass die Lotsentätigkeit fortgesetzt wird, insbesondere bei Schlaganfall-Betroffenen mit einem erhöhten Versorgungsbedarf“, erklärt Kottmann.

Überblick behalten

Die Schlaganfall-Lotsinnen im Kreis Höxter, Irmhild Schmidt und Angela Winzmann, unterstützen die Patienten und ihre Angehörigen dabei, angesichts der Vielzahl von medizinischen und pflegerischen Angeboten den Überblick zu behalten. Sie beraten, informieren und koordinieren die Versorgungsleistungen. Sie helfen, Anträge zu stellen, erklären, wie Medikamente einzunehmen sind, und motivieren, Therapien wahrzunehmen. „Sprachprobleme machen es den Betroffenen oft schwer, ihre Anliegen mitzuteilen“, erklären die Lotsinnen, die über fundierte Kenntnisse in der Pflege, Neurologie und Nachsorge verfügen. Darüber hinaus haben sie eine Schulung im Fall-Management absolviert.

Davon hat auch Hala Gorges aus Höxter profitiert, die seit ihrem Schlaganfall im November 2019 von einem Tag auf den anderen auf Unterstützung angewiesen war und immer noch ist. Bis dahin galt sie als Motor der Familie. Auch war sie ehrenamtlich engagiert. „Ich habe immer gern anderen Menschen geholfen“, sagt Hala Gorges, die insbesondere in der Integrationsarbeit und als Übersetzerin aktiv war. „Nach dem Schlaganfall brauchte ich selbst Hilfe“, schildert sie die ungewohnte Situation. Durch die Lotsinnen habe sie sich sicher gefühlt. Auch, wenn die Familie ihr sehr viel Rückhalt gebe, sei ihr die fachkompetente Begleitung im Lotsen-Projekt eine wichtige Stütze. „Wenn ich Fragen habe oder etwas brauche, habe ich eine feste Ansprechpartnerin“, sagt sie. Diagnosen, wie die von Hala Gorges, treten immer öfter auf. „Der Schlaganfall ist eine Krankheit, die in jedem Alter auftreten kann – häufiger aber im höheren Alter“, erläutert Dr. Häberle. Da die Menschen älter werden, nehmen auch diese Schicksalsschläge zu.

Lebensqualität

Allein im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter werden etwa 600 Schlaganfall-Patienten pro Jahr behandelt. Mehr als 160 der Betroffenen sind im Rahmen des Projekts „Stroke OWL“ im Kreis Höxter seit Projektbeginn im Sommer 2018 von den Schlaganfall-Lotsinnen begleitet worden. Für 100 Patienten ist die Begleitung bereits abgeschlossen. Bei etwa 60 Patienten wird die Begleitung spätestens Ende März 2021 auslaufen. „Der Stiftung liegt es sehr am Herzen, dass die Nachsorge durch die Begleitung verbessert wird und sich die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erhöht“, sagt Anja Kottmann von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. „Deshalb ist es uns so wichtig, die Lotsentätigkeit langfristig als Regelleistung der Krankenkassen zu etablieren.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7613463?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Arminia: Mittwoch erster Corona-Test seit dem Bayern-Spiel
Bayern-Profi Serge Gnabry (rechts) beim Spiel am Samstag in Bielefeld Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker