Schülerbeförderung: Eltern und Verwaltung wollen an einem Strang ziehen
Nach den Ferien wird es besser

Höxter (WB). Nicht zufrieden sind viele Eltern in Höxter und vor allem in den Ortschaften mit der Schülerbeförderung. Die Busse seien oft überfüllt, kämen nicht pünktlich und hinter den geschlossenen Fahrzeugtüren herrsche Chaos. Das soll sich, spätestens nach den Herbstferien, verbessern, versprechen Stefan Fellmann, Brigitte Husemann und Annette Potthast von der Stadt Höxter. Am Donnerstag ging die Aufforderung an die Busbetriebe raus, der Inhalt wurde maßgeblich auch von betroffenen Eltern mit bestimmt.

Freitag, 02.10.2020, 06:11 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 06:20 Uhr
Verwaltung und Eltern wollen in Sachen Schulbusverkehr an einem Strang ziehen. Spätestens nach den Herbstferien soll sich die Situation entspannen, hoffen (von links): Dezernent Stefan Fellmann, Martin Hillebrand (FDP), Elternvertreterin Tina Markus-Benincasa sowie Annette Potthast und Brigitte Husemann (beide Stadtverwaltung Höxter). Foto: Ralf Brakemeier

Gedrängel und Geschubse

Probleme in der Beförderung der Schulkinder stellt Tina Markus-Benincasa aus Brenkhausen schon seit Wochen fest. Die Mutter von vier Kindern ist gleich mehrfach betroffen, vor allem die Grundschüler, für die das Busfahren vielfach neu ist, seien betroffen. Da wird gedrängelt und geschubst, Busse erreichen ihre Ziele „auf den letzten Drücker“ und sind – vor allem Anbetracht der gewünschten Corona-Abstandsregeln – deutlich überfüllt (das WESTFALEN-BLATT berichtete). Gemeinsam mit Martin Hillebrand, Rats-Fraktionssprecher der FDP und ebenfalls aus Brenkhausen, traf sich die engagierte Mutter nun mit den Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung. „Wir haben wirklich konstruktiv diskutiert und die Verwaltung so für unser Anliegen mit ins Boot geholt“, sagt Hillebrand. Fahrpläne sollen entzerrt und eventuell auch weitere Busse eingesetzt werden, so der Plan, den Annette Potthast von der Verwaltung ausgearbeitet hat. Jetzt wurden die Verbesserungsvorschläge an den Anbieter des Schulbusverkehrs, den NPH, abgeschickt. „Spätestens nach den Herbstferien wird es besser laufen“, ist Potthast zuversichtlich.

Bus kommt zu spät

Unter anderem geht es um die Linie Hx4, die laut Plan um 7.16 Uhr in Brenkhausen-Denkmal abfährt und das Schulzentrum in Höxter zehn Minuten später erreichen soll. „Das funktioniert aber nicht“, hat Tina Markus-Benincasa schon häufiger festgestellt. Auch wegen unterschiedlicher Baustellen (unter anderem die Sperrung in Bödexen) komme der Bus bereits in Brenkhausen zu spät an und erreiche das Schulzentrum oft erst nach Unterrichtsbeginn (ab 7.35 Uhr). Der Grund liegt, nach Erkenntnissen von Dezernent Stefan Fellmann, vor allem daran, dass die Linie 595 vor der Fahrt nach Brenkhausen bereits die ersten Kindern ins Schulzentrum gebracht hat. Da die Schulkinder in Rischenau bereits um 6.37 Uhr abführen, käme eine weitere Vorverlegung der Abfahrtszeit nicht in Frage. Fellmann: „Der Ball liegt nun beim NPH.“

Chaos an der Grundschule

Chaos herrsche morgens und mittags an der Grundschule Petrifeld, hat Tina Markus-Benincasa beobachtet. Weil viele Eltern mit den Busverbindungen unzufrieden oder wegen der Corona-Krise verunsichert sind, stauen sich hier die „Elterntaxis“. Zur Entlastung müssten weitere Busse eingesetzt werden. Stefan Fellmann: „Die Verträge mit den Busunternehmen sind geschlossen. Weitere Busse müssten bezahlt werden. Dafür muss die Politik grünes Licht geben.“ Die FDP werde sich dem nicht verschließen, sicherte Martin Hillebrand für seine Partei zu.

Gemeinsam Lösung finden

Auf eine Lösung hofft die Stadtverwaltung auch für die Linie R21, die in Richtung Albaxen, Stahle und Holzminden fährt. Nach der 7. Stunde müssen bis zu 50 Schüler hier bisher eine Stunde warten. Fellmann: „Wir versuchen, ob etwas mit Verschiebungen im aktuellen Fahrplan möglich ist. Veränderungen sind aber spätestens zum nächsten Schuljahr angemahnt.“ Grundsätzlich setzt der Dezernent der Stadtverwaltung auf die Hilfe der Eltern, wenn es um Probleme mit dem Busverkehr geht: „Wichtig ist, sich bei der Verwaltung zu melden, damit wir gemeinsam eine Lösung finden.“ Der ÖPNV sei nur gut, wenn er auch genutzt werde, sind sich alle Beteiligten einig. „Unser Ziel ist ein guter, verlässlicher Busverkehr für alle Schulen im Stadtgebiet“, bestätigt auch Brigitte Husemann für die Verwaltung.

Auf mehr Verantwortungsgefühl bei den Busfahrern hofft Tina Markus-Benincasa. Sie müssten Rangeleien im Bus unterbinden und auch dafür Sorge tragen, dass die Kinder an den richtigen Stationen ausstiegen. Die engagierte Mutter hat mit ihrem Einsatz dafür gesorgt, dass die Stadtverwaltung reagiert, und der NPH als Vertragspartner sowie die BVO als ausführendes Unternehmen nun Änderungsvorschläge präsentieren müssen. Die Brenkhäuserin möchte aber weiter gehen. Für sie kann am Ende einer nun angestoßenen Entwicklung nur die Anschnallpflicht auch in Schulbussen stehen. Das würde das Gedrängel beenden und die Sicherheit massiv erhöhen, bedeutet aber auch: Viel mehr Busse und Fahrer und deutlich höhere Kosten für die Kommunen.

 

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