Raumausstatter Köster feiert Jubiläum – Traditionsfirma seit 175 Jahren in Höxter
„Mir macht es noch immer Spaß“

Höxter (WB). „Mir macht es noch immer Spaß – fast noch mehr als vor 30 Jahren. Und: ‚Köster – Stoff zum Wohnen‘ wird es noch viele Jahre geben.“ Das verspricht Inhaber Michael Köster, der das Höxteraner Traditionsunternehmen in fünfter Generation führt. Im September vor 175 Jahren hatte Urahn Hieronymus Köster an gleicher Stelle den ursprünglichen Sattler-Betrieb gegründet. In diesem Monat möchte Michael Köster, der die Firma 1983 gemeinsam mit Bruder Elmar übernommen hatte, etwas an seine treue Stammkundschaft zurückgeben: „Wir gewähren zum Jubiläum 17,5 Prozent Rabatt.“

Freitag, 04.09.2020, 22:00 Uhr
Elmar (links) und Michael Köster übernahmen den Familienbetrieb 1983. Nach dem Ausscheiden Elmars arbeitet auch Michaels Ehefrau Marion mit. Gegründet und aufgebaut wurde der Betrieb von (rechts, von oben) Hieronymus, Julius, Carl und Karl Köster. Foto: Ralf Brakemeier

Anfang war Sattlerei

Der Werkstoff war meist Leder, die „Kunden“ oft Pferde oder Ochsen. 37 Jahre lang, bis 1882 leitete Firmengründer Hieronymus Köster seine Firma. Geschirre für Kutschen, Zaumzeug oder auch Taschen wurden hier, natürlich handwerklich, gefertigt. Sohn Julius führte die Firma bis fast an das Ende des Ersten Weltkriegs und ergänzte die Leistungspalette um eine Polsterei. Dann kam der Bruch. Carl Köster, Großvater des heutigen Inhabers, zwang das Ende des Krieges und die heraufziehende Wirtschaftskrise dazu, neue Wege zu gehen. Für mehrere Jahre lernte er in Amerika neue Trends und Produktionsweisen kennen, arbeitete in unterschiedlichen Unternehmen und brachte sein erworbenes Wissen schließlich mit zurück nach Höxter. „Er hatte ganz andere, fortschrittliche Ideen, baute das Haus zu einem echten Ladenlokal um“, berichtet Enkel Michael. 1924 wurde die Firma Köster dann weiter geführt. Das Sattlerhandwerk war immer weniger gefragt, dafür war Carl der erste, der Gardinen und Stoffe in das Sortiment brachte ­– bis heute die zentralen Werkstoffe in der Firma.

Neues aus Amerika

Carl Köster führte den Höxteraner Betrieb dann auch durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Mit Beginn des Wirtschaftswunders gab er dann 1954, nach 30 Jahren, sein gesundes Unternehmen an den Sohn Karl, Vater des jetzigen Inhabers, weiter. Der hatte 1949 seine Meisterprüfung abgelegt. „Damals war die Berufsbezeichnung bereits Polsterer und Dekorateur“, berichtet Michael Köster, der nach dem altersbedingten Ausscheiden seines Bruders Elmar seit ein paar Jahren alleiniger Chef ist. Zur Unterstützung arbeitet seit dieser Zeit auch seine Frau Marion mit. „In den Jahren, in denen mein Großvater die Firma führte, haben zum Teil alleine fünf Polsterer im Betrieb gearbeitet“, sagt Michael Köster. Damals wurde noch mit Rosshaar gearbeitet, hochwertige Cocktailsessel, Garnituren oder Küchensofas hergestellt. Die Zeiten seien allerdings seit der Massenfertigung von Möbeln vorbei. Sessel und Sofas müssen nicht mehr, wie vor 100 Jahren, für Generationen halten. Statt aufwendiger Handarbeit, werden Möbel heute einfach neu gekauft.

Sich neu erfinden

Überhaupt hat sich der Beruf des Raumausstatters stark verändert. Für Michael Köster kein Problem: „Man muss immer mit der Zeit gehen, sich neu einfinden.“ So liegt das Hauptarbeitsgebiet des 62-Jährigen heute in der Beratung der Kunden. Und die sind in Höxter besonders treu. „Die kommen ja nur alle 15 oder 20 Jahre zu mir. So oft gestaltet man seinen Wohnbereich ja nicht um“, lacht Michael Köster. Gutes Handwerk und kompetente Beratung sorgen aber dennoch dafür, dass viele Kunden auch nach Jahrzehnten und über Generationen hinweg immer wieder den Weg in die Stummrige Straße zu „Gardinen Köster“, wie es im Volksmund noch immer heißt, finden. Genau das, die Gespräche mit den Kunden, sind es, was Michael Köster besonderen Spaß bereitet. „Farbberatung, welche Designs und welche Materialien passen zusammen – wir bieten Komplettlösungen für den Wohnbereich bis hin zur Umsetzung. Dabei arbeiten wir schon seit vielen Jahren mit anderen Handwerkern zusammen“, berichtet der Firmeninhaber begeistert. Den Vorteil für die Kunden sieht Michael Köster ganz einfach: „Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es nur einen Ansprechpartner.“

Köster wird bleiben

Das System hat sich bewährt und auch herumgesprochen. Aufträge in Frankfurt und die komplette Neu-Einrichtung des Schlosses Nienover (Südniedersachsen) waren Highlights der vergangenen Jahre. Sonnen- und Insektenschutz, Rollos, Plissees und Markisen wurden in den vergangenen Jahren ins Programm genommen. Das Internet und die Baumärkte haben die Konkurrenzsituation auch für Köster nicht einfacher gemacht. Inzwischen schätzten aber wieder mehr Kunden gute handwerkliche Qualität und eine Vor-Ort-Beratung, wie sie der Baumarkt eben nicht bieten könne. Und das soll auch so bleiben. Michael Köster: „Die Kunden freuen sich, dass ich noch da bin. Gespräche mit einem Nachfolger wurden auch schon geführt. Wir wollen zusammen in ein paar Jahren etwas Neues machen. Der Name Köster aber wird bleiben.“

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