Gefährliches Gift bei Planungen für Kunstrasenplatz festgestellt
Dioxin: Sportanlage Albaxen gesperrt

Albaxen  (WB). Die Aschenbahn ist mit Kunststoffplanen abgedeckt worden. „Sportplatz gesperrt“ steht in dicken Lettern auf einem Schild am Zaun geschrieben. Dioxin-Alarm in Albaxen. Zumindest für die Aschenbahn der Sportanlage des Weserdorfes besteht der Verdacht, dass sie mit dem giftigen Stoff belastet ist. Deshalb hat die Stadt die Anlage am Donnerstagmorgen gesperrt.

Donnerstag, 03.09.2020, 20:37 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 20:40 Uhr
Dioxin-Alarm in Albaxen: Die Aschenbahn der Sportanlage ist mit Kunststoffplanen abgedeckt worden. Foto: Jürgen Drüke

Eines Besseren belehrt

Wer am Donnerstag beim Spaziergang entlang der Sportanlage womöglich geglaubt hatte, dass aufgrund der Abdeckung der Aschenbahn mit dem Bau des Kunstrasenplatzes begonnen würde, der ist schnell eines Besseren belehrt worden. In einer Presseerklärung der Stadt wurde der wahre Grund für die Sperrung der Anlage angeführt: „Im Rahmen der Vorplanungen des Kunstrasenplatzes sind auf der Laufbahn durch den beauftragten Landschaftsarchitekten routinemäßig Bodenproben entnommen worden. Im Zuge der Auswertung wurden auffällige Werte festgestellt, die auf den begründeten Verdacht einer Belastung mit Dioxin hinweisen.“

Gutachten

„Wir werden umgehend ein Gutachten in Auftrag geben, ob sich der Verdacht bestätigt“, führte Bürgermeister Alexander Fischer gegenüber dem WESTFALEN-BLATT aus. In einem speziellen Bodengutachten will die Stadt den Umfang der Belastung sowie den Grund dafür ermitteln. Auch wird geprüft, ob die angrenzende Rasenspielfläche betroffen ist. Erst danach könnten gesicherte Aussagen zur Belastung und zum weiteren Vorgehen gemacht werden.

Schutz der Bevölkerung

Nach Rücksprache und auf Empfehlung des Gutachters, der die Untersuchungen durchführen wird, seien Rasenplatz und Sportanlage vorsorglich zum Schutz der Bevölkerung gesperrt worden. Die Laufbahn wurde zwischenzeitlich mit einer Plane bedeckt. Am Donnerstagmorgen hatten sich Vertreter aus Sport, Schule und der Ortschaft getroffen. „Mit dem ausführlichen Gutachten soll Klarheit geschaffen werden, um gemeinsam die nächsten Schritte einzuleiten“, sagte Fischer.

In Albaxen soll, so wie es das Sportstättenkonzept vorsieht, der Kunstrasenplatz für das so genannte Zentrum Nord entstehen. Diesem gehören neben Albaxen auch Stahle und Lüchtringen an. Parallel ist für das Zentrum West (Ovenhausen, Bosseborn, Lütmarsen und Brenkhausen) ein Kunstrasenplatz in Brenkhausen für 2021 fest eingeplant.

Kein Spielbetrieb

„Trainings- und Spielbetrieb können bei uns vorerst nicht stattfinden. Wir haben eine Jugend-Spielgemeinschaft mit dem TuS Lüchtringen und dem FC Stahle und werden Lösungen finden“, führte SVA-Vorsitzender Michael Heine gegenüber dem WB aus. Für die beiden Seniorenmannschaften des SVA werde zum Saisonstart an diesem Wochenende zunächst einmal über den Tausch des Heimrechts mit den jeweiligen Gegnern nachgedacht. „In Zeiten von Corona bringt das sicherlich Probleme mit sich, zumal Hygienekonzepte und Regeln unbedingt eingehalten werden müssen und fast alle Sportanlagen entsprechend ausgelastet sind“, so Heine weiter.

Der Bau des Kunstrasenplatzes in Albaxen sollte laut Ratsbeschluss aus dem November des vergangenen Jahres im Frühjahr 2020 in Angriff genommen werden. Der Corona-Lockdown hatte das Projekt verzögert. In der vergangenen Woche hatte der Rat zusätzlich beschlossen, Fördermittel für den Kunstrasen und die Sanierung der Anlage zu beantragen. Das Projekt wurde dabei mit 1,4 Millionen veranschlagt. Für den Kunstrasenplatz waren ursprünglich 750.000 Euro vorgesehen.

Dioxine sind krebserregend

Dioxine gelten schon in geringen Mengen als krebserregend und sind hochgiftig. Die Giftsoffe reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und stellen daher eine langfristige Gefahr dar.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Das Sportstättenkonzept der Stadt Höxter soll umgesetzt werden. Das war in der letzten Ratssitzung des Jahres 2019 Beschluss. Dazu gehörte neben der Sanierung der Bielenberghalle für 2,3 Millionen Euro insbesondere der Bau der Kunstrasenplätze in Albaxen und Brenkhausen.

Albaxen 2020 – das war die Vorgabe des Ratsbeschlusses. Der Corona-Lockdown stoppte das Projekt zunächst. In der vergangenen Woche beschloss der Rat, dass für Albaxen Fördermittel beantragt werden sollen. War der Kunstrasenplatz in der ursprünglichen Planung mit 750.000 Euro veranschlagt worden, so soll sich das Paket inzwischen auf 1,4 Millionen Euro belaufen. Und nun der Dioxin-Verdacht. Das ist ein Schock für alle, die seit Jahren um die neue Anlage im Sportzentrum Nord kämpfen. Die Gesundheit hat Vorrang. Die Stadt musste die Notbremse ziehen. Ein Gutachten wird Aufschlüsse bringen.

Hoffentlich bestätigt sich der Verdacht auf das krebserregende Gift nicht. Dann können und sollten die Arbeiten schnell beginnen.

Transparenz sollte beim Sportstättenkonzept mehr denn je über allem stehen. Der Pakt für den Sport, bestehend aus Sport, Verwaltung und Politik, hält nur so weiterhin. Kein Beschluss des Konzepts darf rückgängig gemacht werden. Es sei denn, es gibt triftige Gründe. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit jedes Kommunalpolitikers.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7565287?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Gerüchte in der SPD: Esdar gegen Hartmann?
Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker