„Flow-Ra“ spielt an der Klosterruine tom Roden
Natur hörbar gemacht

Höxter (WB). Eine pastorale und florale Inspiration konnten die Besucher des Klostersommers bei der Klosterruine tom Roden in Höxter erleben.

Dienstag, 11.08.2020, 02:27 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 05:04 Uhr
Sebastian Netta (von links), Hans Wanning und Kurt Holzkämper bescherten den Besuchern des Klostersommers am vergangenen Sonntag ein naturverbundenes Musikerlebnis an der Klosterruine tom Roden. Foto: Greta Wiedemeier

„Sie werden als veränderte Menschen aus diesem Konzert hervorgehen“, versprach Sebastian Netta, Schlagzeuger der Gruppe „Flow-Ra“, vorab. Der Musiker hat sich gemeinsam mit Hans Wanning (Piano) und Kurt Holzkämper am Bass viel vorgenommen: Sie wollten die Natur hörbar machen.

Neue Möglichkeiten

„Wenn Beethoven solche Möglichkeiten gehabt hätte, der hätte die auch genutzt“, ist das Trio sich sicher. Mit den Möglichkeiten ist das Hauptgerät dieses Nachmittags gemeint: Ein sogenannter Midi-Sproud, der die Oberflächenspannung von Lebewesen messen und in Töne umwandeln kann. Auch ein iPad kommt zum Einsatz, um die Klänge aufeinander abzustimmen. Denn im Gegensatz zu Ludwig van Beethoven, dessen sechste Sinfonie dem Musizieren an der Klosterruine einen Rahmen bot, möchten die drei Herren sich von der Natur nicht nur inspirieren lassen, sondern eine ganz direkte Verbindung herstellen.

Das Datum des Auftritts war dabei nicht zufällig gewählt: Am Sonntag vor genau 75 Jahren ereignete sich der Atombombenabwurf auf Nagasaki. „Wir wollen heute ganz bewusst Friedensboten sein, den Frieden als unsere Aufgabe ansehen und von den Bäumen und der Musik lernen“, erläuterte Hans Hermann Jansen, Projektleiter des Klostersommers.

Die Klosterruine tom Roden sei dabei ganz bewusst als Gegenentwurf zum großen und mondänen Corvey ausgesucht worden, wo später am Tag noch Klanginstallationen von Max Hundelshausen und gregorianische Gesänge präsentiert wurden.

„Es muss nicht immer eine Großveranstaltung sein“, so Jansen mit Blick auf die wenigen Stühle, die vor der Klosterruine aufgebaut waren. Mit Sicherheitsabstand und Sonnenschutz, so dass die mitgebrachten eigenen Schirme von den Gästen schnell wieder verstaut werden konnten. Und von den Schatten spendenden, gern gesehenen Bäumen stammte dann auch die Musik.

Waren vorher noch die Worte „Ich rechne ja mit einem ziemlichen Kreischen, das die Bäume bei der Hitze von sich geben“, aus dem Publikum zu vernehmen, wurde man schnell eines Besseren belehrt. Mal sanft und wogend, mal schnelle Melodien und hin und wieder überraschende Zwischentöne waren zu hören.

Der Wind spielt mit

„Sogar der Wind spielt eine Rolle“, erklärten die Musiker, die selbst oft improvisieren und sich den Vorgaben der Natur anpassen. „Ist ja irre – da wagst du gar keinen Zweig mehr abzubrechen“, äußerte sich eine Besucherin, die auf Aufforderung des Trios sogar selbst einmal den Kontakt zwischen Gerät, ihrer eigenen Spannung im menschlichen Körper und dem nebenstehenden Baum herstellen konnte.

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