Schießerei in Stahle – Mutmaßlicher Täter darf sich Nachbarn nicht nähern
„Wir fühlten uns mit dem Tod bedroht“

Höxter-Stahle WB). Bei einer Schießerei in Stahle am Wochenende hat der mutmaßliche Täter seine Nachbarn wie berichtet mit einer Schusswaffe – später stellte sich heraus, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte – bedroht und auch auf sie geschossen. Unter den Angegriffenen befand sich auch ein fünf Wochen altes Baby.

Mittwoch, 05.08.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 09:00 Uhr

„Wir wussten ja nicht, dass er keine echten Waffen hatte, wir fühlten uns mit dem Tod bedroht“, schildert ein Nachbar, der den Täter schließlich entwaffnen konnte, die Situation. Er und seine Familie können nicht verstehen, warum der Täter, der gleich mehrmals mit unterschiedlichen Waffen gedroht, geschossen und auch rechtsradikales Gedankengut geäußert hat, so schnell aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurde. Gestern Abend konnte die Familie beim Amtsgericht in Höxter eine Einstweilige Verfügung erwirken. Der mutmaßliche Täter darf sich den Nachbarn höchstens auf 20 Meter nähern. Es ist ihm auch untersagt, ein „Zusammentreffen“ mit der Familie „herbeizuführen“ oder ihnen aufzulauern. Auch ist ihm laut Gericht nicht gestattet, telefonisch oder anderweitig Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

Maschinengewehr in der Hand

Der betroffene Familienvater schildert gegenüber dieser Zeitung die Geschehnisse von Samstagnacht als äußerst dramatisch. „Wir hatten keinen Streit, er ist bei uns einfach mit dieser Waffe aufgetaucht, die wir ihm dann abgenommen haben.“ Auf dem Weg in die Wohnung des mutmaßlichen Täters, er und die bedrohten Nachbarn wohnen im selben Haus, hatte er plötzlich ein augenscheinliches Maschinengewehr in der Hand, verfolgte die Nachbarn bis auf die Straße, bedrohte sie und gab später auch gezielte Schüsse ab. Der Tatzeuge: „Meine Familie hat sich im Keller verbarrikadiert.“ In einer „Kurzschlussreaktion“ habe er den Täter dann mit einem Nachbarn überwältigt und entwaffnet. Sofort danach seien Polizeibeamte aus Höxter und Holzminden aufgetaucht und hätten den Verdächtigen festgenommen. „Hätten wir ihn nicht überwältigt, hätten die Polizisten gezielte Schüsse auf ihn abgeben müssen“, berichtet der Zeuge aus Gesprächen mit den Beamten.

Alle Waffen sichergestellt

Später hätte die Polizei dann alle Waffen sichergestellt. Da der Täter augenscheinlich stark alkoholisiert war und es sich bei den Waffen lediglich um Nachbildungen gehandelt habe, handele es sich bei der Tat nur um eine Bedrohung, nicht um eine versuchte Geiselnahme. So begründe die Polizei das schnelle auf freien Fuß setzen des mutmaßlichen Täters. Die Opfer wurden anschließend von der Notfallseelsorge und die Opferschutzbeauftragten der Polizei betreut. Der Zeuge: „Für uns war das echt“.

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