Parteien und Einzelbewerber im Kreis Höxter haben Tausende Plakate drucken lassen 
Mit Tempo in den Wahlkampf

Kreis Höxter(WB). Im Kreisgebiet und vor allem in Höxter geht es derzeit vor allem um Beziehungen – zu Bürgern, zur Umwelt, zur Wirtschaft oder auch zur Jugend und zu Senioren. „Einer von wir“ oder doch lieber allein wie andere Einzelbewerber im Bürgermeister-Karussell. Sie alle laufen sich gerade warm für das Amt des Bürgermeisters in der Weserstadt. Der Wahlkampf hat spätestens mit den großflächigen Plakaten, die vor allem in der Kreisstadt das Straßenbild bestimmen, mächtig an Fahrt aufgenommen.

Mittwoch, 05.08.2020, 08:09 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 10:54 Uhr
Die BfH ist mit diesem Gefährt unterwegs und macht auf sich aufmerksam. Foto: Harald Iding

Die Spitzenkandidatin der FDP im Kreis, Marion Ewers aus Steinheim, wünscht sich in den kommenden Wochen vor allem Fairness. Sie habe bereits negative Erfahrungen gemacht. „Bei meinem morgendlichen Spaziergang mit Pluto, meinem Bernhardiner-Doggenmix, stellte ich mit Schrecken fest, dass die meisten Straßenlaternen bereits von Mitbewerbern mit Plakaten belegt worden sind. Ich hatte echt Schwierigkeiten, wie üblich sechs Wochen vor der Kommunalwahl, überhaupt noch meine Botschaften unterzubringen“, verrät die studierte 46-Jährige (Stadt- und Wirtschaftsgeografie), die seit 2009 Parteimitglied in der FDP ist. Alle der rund 400 Plakate im Kreis für die Wahl 2020 im September würden sie und ihr Team der FDP eigenständig aufhängen oder an die Stellwände, die von den Kommunen meist an beliebten Stellen montiert werden, kleben. Das machen übrigens die meisten Parteien so – vor allem die kleinen. Ewers: „Wichtig ist uns, dass die Menschen wissen, dass wir als FDP weiter präsent sind, wenn auch nicht mehr in allen Stadtparlamenten vertreten.“

Start in den Wahlkampf

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Foto: Harald Iding
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Mehr als 7000 Plakate

Rund 5000 bis 6000 Plakate im Kreis plus Werbung für den Landratswahlkampf (weitere 1200 Plakate) – die Christdemokraten in der Region steigen natürlich größer ein als die Freien Demokraten und wollen ihre Spitzenleute in jeder Stadt so gut wie möglich an den Wähler bringen. CDU-Kreisgeschäftsführer Fabian Lülff, der in diesem Jahr erstmalig für seine Heimatstadt Beverungen und die CDU als Bewerber für den Kreistag antritt, sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Wir lassen die Plakate auf Kreisebene für den Landratskandidaten in einer Druckerei der Region herstellen – und auch von einem Profi-Fotografen die Bilder machen. In den Städten gibt es individuelle Lösungen. Oft haben die Stadtverbände eigene Druckereien vor Ort. Die Umsetzung hängt von vielen Fragen ab. Zum Beispiel, ob jedes Ratsmitglied oder Bewerber ein eigenes Plakat bekommt – oder ob man sich gemeinsam präsentiert.“ Jüngere und vor allem neue Bewerber würden gerne viel werben. „Alte Hasen der Kommunalpolitik“, die jeder kennt, verzichten dagegen gerne auf den großen Auftritt.

Es gäbe von der Landespartei NRW ein Musterportal, wo man sich das Grundlayout ziehen kann. Man hinterlegt einfach das Foto und einen individuellen Spruch – und schon ist es fertig. Am wichtigsten wäre bei diesen Werbeaktionen, dass man im wahrsten Sinne des Wortes „Gesicht zeigt“.

Die Bürger möchten wissen, wer hinter dem Namen auf der Liste steckt, um die Person vielleicht auf der Straße oder auf dem Wochenmarkt direkt ansprechen zu können. Damit nicht am Ende alles „wie Kraut und Rüben aussieht“, so Lülff, gäbe es im Vorfeld Absprachen und Entscheidungen der Wahlkampfteams und Lenkungsgruppen. Der 39-jährige Lülff: „Da sind viele dankbar, dass die Partei das Grundgerüst liefert – als einheitliche Werbelinie.“

Regionale Note

Während der Hintergrund aktuell beim A1-Portrait von Michael Stickeln eher neutral (vor einem blühenden Baum) ausfällt, so würden die CDU-Flyer mit Stickeln, die demnächst verteilt würden, schon eher eine regionale Note aufweisen – sprich Sehenswürdigkeiten oder bekannte Bauwerke zeigen. In Warburg würde ein anderes Titelfoto von ihm zu sehen sein als in Beverungen oder Höxter. „Letztendlich sind aber alle Stadtverbände in Eigenregie unterwegs. Wir haben als Kreisgeschäftsstelle einen speziellen Topf für diese Wahlkampfmaßnahmen – und zahlen auch die Plakate für den Bürger­meisterkandidaten Daniel Razat. Er ist bekanntlich kein Mitglied unserer Partei. Razat tritt parteiunabhängig an und hat sein eigenes Layout. Das verbieten wir auch nicht und haben es natürlich vorher abgesprochen.“ Im „Großen und Ganzen“ würde die Partei die Kosten (Plakate) übernehmen. Daneben gibt es Spenden von Sponsoren und Privatspenden – auch des Kandidaten Daniel Razat, so Lülff. Frei in der Gestaltung seien die Stadtverbände bei den größeren Planen (keine Aufsteller). Dennoch: „Die Inhalte dürfen natürlich nicht im Widerspruch zu dem Wahlprogramm stehen oder die Werbelinie konterkarieren!“

Punktuelle Sichtbarkeit

Für die Grünen im Kreis Höxter sagte Geschäftsführer Ludger Roters: „Für den Kommunalwahlkampf gibt es ein grafisch sehr ansprechendes Kampagnendesign unseres Landesverbandes. Die Motivauswahl für die Plakate ist diesmal besonders vielfältig und deckt die meisten kommunalpolitisch wichtigen Themen ab. Eine massenhafte Plakatierung ist daher aus unserer Sicht überflüssig.“

Die Ortsverbände der Grünen würden selbst entscheiden, in welchem Umfang sie von diesem Angebot Gebrauch machen. Roters: „Sie haben auch die Möglichkeit, im Layout der Kampagne eigene Themenplakate und Plakate ihrer Kandidatinnen und Kandidaten zu erstellen. Wo noch alte Plakatträger vorhanden sind, werden Papierplakate aufgekleistert, auch diese Möglichkeit gibt es.“

Kreisweit seien sie mit Großflächenplakaten vertreten. „Auch hier setzen wir auf punktuelle Sichtbarkeit unserer Botschaften, ohne den Leuten durch Überpräsenz auf die Nerven zu fallen.“

Jede Wahl ist ein Unikat

Für die Sozialdemokraten sei auch diese Wahl besonders: „Sie ist stets einzigartig und man muss sich aktuellen Themen und Herausforderungen stellen. Jede Wahl ist ein Unikat“, so SPD-Geschäftsführer Rainer Brinkmann (62), ehemaliger Bundestagsabgeordneter. Die Stadtverbände würden sich selbst um die Plakatierung kümmern. Das gilt auch für die Kosten: Die Plakate für den Wahlkampf auf kommunaler Ebene oder für ein Bürgermeisteramt – das trage die Partei vor Ort. Brinkmann: „Wir von der Geschäftsstelle sind zuständig für den Landrats- und Kreistags-Wahlkampf“. Und den lassen sich die Sozialdemokraten etwas kosten. „Wir haben einige Großplakate (3,56 x 2,58 Meter) drucken lassen. Die Bilder hat ein Fotograf aus dem Kreis Höxter erstellt. Solche Aufsteller sind teuer – aber sie wirken natürlich auch!“ Kreisweit habe die Geschäftsstelle 800 Plakate in Auftrag gegeben. Hinzu kommen etwa 2000 von der Basis.

Ob nun ein Werbe-Mobil (BfH) unterwegs ist oder die vielen Internetauftritte auf Facebook und Instagram – alle Parteien setzen auf einen starken Auftritt.

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