Sabrina Busse eröffnet ersten mobilen Unverpackt-Laden im Kreis Höxter
Aus gutem Grund

Godelheim(WB). Bundesweit hat sich die Zahl der Unverpackt-Läden von 2018 bis 2019 verdoppelt. Der Kreis Höxter ist aber noch ein weißer Fleck auf dieser Landkarte. „Nicht mehr lange“, sagt Sabrina Busse (35) aus Godelheim. Die Unternehmensgründerin eröffnet in Kürze den ersten mobilen Unverpackt-Laden in der Region – und das „aus gutem Grund“, wie ihr Firmenname sagt: „Wir müssen etwas an unserem Einkaufsverhalten ändern. Die Möglichkeit dazu biete ich mit unverpackten Waren. Die Kunden bringen ihre Behälter selbst mit und vermeiden so unnötigen Plastikmüll.“

Mittwoch, 15.07.2020, 05:00 Uhr
Noch trägt sie das „Unverpackt“-Mobil als Modell in den Händen, bald rollt der echte Wagen in Richtung Wochenmarkt: Sabrina Busse bietet in ihrem mobilen Geschäft unverpackte Waren an und möchte dazu beitragen, die Plastikflut einzudämmen. Foto: Sabine Robrecht
Crowdfunding

Mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ für Ideen, Projekte und Startup-Unternehmen hat Sabrina Busse eine Unterstützungskampagne gestartet. Über die Webseite https://www.startnext.com/aus-gutem-grund-unverpackt-hoe können die Bürgerinnen und Bürger dabei mithelfen, dass der mobile Unverpackt-Laden bald auf den Wochenmärkten der Region steht. Die Möglichkeit, zu spenden besteht bis zum 2. August. Die bis dahin anvisierten 12.000 Euro fließen in den Ausbau des Marktwagens, die großen Waren-Spender und das Kassensystem inklusive Waage. Das Projekt funktioniert so: Wer den mobilen „Unverpackt“-Laden unterstützen will, entscheidet sich für einen Betrag und sucht sich dafür eines der Dankeschön-Geschenke aus, die es zur Eröffnung gibt. Wählen können Unterstützer zwischen Gutscheinen für einen Einkauf im „Unverpackt“-Wagen, nachhaltigen Produkten oder einer Führung durch die Ölmühle in Boffzen. Auch können Unterstützer gemeinsam mit Sabrina Busse bei einer Initiative gegen das Insektensterben mitmachen (www.insektenhelden.de). Ein Risiko gehen die Spender bei der Crowd-funding-Aktion nicht ein: „Wenn wir unser Ziel nicht erreichen, bekommen sie ihr Geld zurück“, versichert Sabrina Busse.

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Diese Geschäftsidee ist der jungen Mutter ein Herzensanliegen: Die Plastikflut in den Weltmeeren und auch der Klimawandel bereiten ihr Kopfzerbrechen. „So kann es nicht weiter gehen“, sagt die gebürtige Höxteranerin. Als im April 2019 die gelbe Wertstofftonne eingeführt wurde, erschrak sie, als sie feststellte, wie schnell das riesige Behältervolumen mit Verpackungsmüll gefüllt ist. Sabrina Busse begann, nachhaltig einzukaufen. Das stößt bei Trockenprodukten wie Nudeln oder Reis jedoch an Grenzen. Die gibt es zwar unverpackt, aber nur in speziellen Geschäften in Paderborn oder Detmold. „Die langen Anfahrtswege dorthin sind nicht ökologisch“, sagt Sabrina Busse.

Idee in die Welt tragen

Trotzdem wollte sie etwas tun gegen den Wust an Einwegverpackungen, stellte Brotaufstriche und Reinigungsmittel her und begann zu recherchieren – motiviert von der Vision, nicht nur selbst unverpackt einkaufen zu können, sondern auch anderen Höxteranern die Möglichkeit dazu zu eröffnen. „Ich möchte diese Idee in die Welt tragen und mit meinem Geschäft einen Anfang machen.“

Dieser Gedanke nahm Form an, als die zweifache Mutter bei ihren Recherchen auf den 2018 in Nürnberg gegründeten Berufsverband der Unverpackt-Läden stieß. Seit November 2019 gehört sie ihm an, belegte ein Online-Seminar und hält sich über Lieferanten, Mehrwegsysteme und große Warengebinde auf dem Laufenden. Um trotz der Selbstständigkeit auch Zeit für die Töchter Lara (5) und Kira (3) zu haben, entschied sich Sabrina Busse für das mobile Geschäftsmodell: „Morgens bin ich auf den Wochenmärkten unterwegs, nachmittags habe ich Zeit für meine Kinder.“ Im September oder Oktober möchte die 35-Jährige in Höxter beginnen und möglichst bald auch den Wochenmarkt in Brakel ansteuern. „Ich bin ein aufgeschlossener und ehrlicher Typ. Deshalb bin ich auf dem Markt gut aufgehoben“, freut sich Sabrina Busse auf den Start.

Keine Konkurrenz

Um den anderen Beschickern keine Konkurrenz zu machen, bietet sie keine Milchprodukte und auch kein Geflügel oder anderes Fleisch an. Ihr Angebot umfasst Nudeln, Reis, verschiedene Müslisorten, Hülsenfrüchte, Nüsse, einige Süßigkeiten, Gewürze, eventuell Kaffee, Haushaltsgegenstände von der Holzbürste bis hin zum Kupferschwamm und Drogerieartikel wie Seife, feste Zahncreme oder Bambus-Wattestäbchen. Mit der Ölmühle Boffzen ist sie über ein Basissortiment im Gespräch. Überhaupt legt die 35-Jährige Wert auf Regionalität. „Es muss nicht alles aus China kommen.“

Für den Einkauf an ihrem Wagen bringen die Kunden ein eigenes Gefäß von zuhause mit. Sie stellen dieses auf ein Tablett und Sabrina Busse füllt es mit der zuvor abgewogenen Menge der gewünschten Ware. Der Kunde schließt das befüllte Gefäß dann selbst. Dieses Prozedere unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften „wird sich schnell einspielen“, ist die Jungunternehmerin überzeugt.

In die Heimat zurückgekehrt

D ass ihre Offensive nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, glaubt Sabrina Busse nicht. Sie geht davon aus, dass die Idee für ein nachhaltiges Einkaufen Kreise zieht. In dieser Hoffnung bestärkt sie auch das breite Interesse an ihrer Facebook-Seite, die binnen 48 Stunden nach dem Start schon 500 Abonnenten hatte. Rückendeckung hat sie auch von ihrem Mann Ingvar Busse (38), der bei Phönix Contact in Blomberg arbeitet. Zusammen mit ihm und den beiden Töchtern ist Sabrina Busse erst im Februar 2018 in ihren Heimatort Godelheim zurück gekehrt. „Wir haben sechs Jahre in der Schweiz gelebt“, erzählt die Jungunternehmerin. Zuvor hatten Studium und Beruf sie unter anderem nach Hamburg und Kaiserslautern geführt. „Ich war 15 Jahre weg. In Godelheim bauten wir das Elternhaus meines Vaters um.“

Jetzt, da die junge Familie nach dem Umzug Wurzeln geschlagen hat und die Mädchen auch die Nähe zu den Großeltern genießen, startet Sabrina Busse durch. In den nächsten Wochen richtet sie das „Unverpackt“-Mobil ein und hofft, dass ihre Idee Unterstützung findet – „damit wir alle zusammen die Plastikflut eindämmen und unsere Welt ein bisschen besser machen“. Das ist es, was ihr Geschäftsmodell zu einem Herzensprojekt macht.

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