Ex-Frau zerrt 36-jährigen aus Höxter vor Gericht - Vergewaltigungsvorwürfe reichen für Verurteilung nicht - Geldstrafe
Ein Rosenkrieg mit tiefen Abgründen

Höxter/Paderborn (WB). Es hörte sich nach einem Jahre langen Martyrium an. Aber was als Vergewaltigungsprozess vor dem Landgericht begann, erwies sich als abgrundtiefer Blick in eine für alle Beteiligten ruinöse Ehe und einen noch immer schwelenden Rosenkrieg. Von dem, was einen 36-jährigen Höxteraner auf die Anklagebank gebracht hatte, blieb nur so wenig übrig, dass es für eine Geldstrafe reichte.

Freitag, 10.07.2020, 19:36 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 10:04 Uhr
Über einen Zeitraum von vier Jahren sollte sich der 36-Jährige im Schlaf immer wieder sexuell an seiner Frau vergangen haben (Symbolfoto). 20 Vergewaltigungen, darunter auch mit Sex-Spielzeug, standen in der Anklage. Am Ende blieb von den Vorwürfen nicht viel für eine Verurteilung. Foto: dpa

Auf der Anklagebank saß ein 36 Jahre alter Lastwagenfahrer aus Godelheim, Vater zweier eigener und noch mehr uneigener Kinder – und dass er dort saß, verdankte er seiner jetzigen Ex-Frau, mit der er sich in einem Kampf befindet, der mit dem Begriff „Rosenkrieg“ vermutlich schmeichelhaft umschrieben wäre.

Die Vorwürfe waren massiv: Über einen Zeitraum von vier Jahren sollte sich der 36-Jährige im Schlaf immer wieder sexuell an seiner Frau vergangen haben. 20 Vergewaltigungen, darunter auch mit Sex-Spielzeug, standen in der Anklage. Vier Mal sollte der Mann sich nach der Trennung über ein vom Gericht ausgesprochenes Annäherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz hinweggesetzt, seiner Frau elektronische Nachrichten geschickt und sich in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnadresse aufgehalten haben.

Letztere Anklagepunkte räumte der Lkw-Fahrer vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn ein, und präsentierte eine plausible Begründung: Seine neue Lebensgefährtin wohne in direkter Nachbarschaft zu der Wohnung seiner Frau. Er habe diese nur aufgesucht, um dringende persönliche Dinge dort zu erledigen. Die sexuellen Übergriffe hingegen habe es nicht gegeben.

Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, berichtete der Angeklagte vor der Strafkammer über das gemeinsame „sehr ausgeprägte“ Sexualleben mit seiner Frau, in der er jedoch niemals etwas erzwungen habe. So auskunftsfreudig war der 36-Jährige, der jetzt im Raum Bad Driburg wohnt, hinsichtlich der ehelichen Freuden wie Probleme gleichermaßen, dass Vorsitzender Richter Eric Schülke ihn immer wieder bremsen musste.

Allerdings machten mehrere Umstände die Kammer stutzig, ob alles an der bisherigen Schilderung der Ehefrau so stimmen mochte. „Sie hat gesagt: Wenn du dich von mir trennst, mache ich dir das Leben zur Hölle. Ich bringe dich in den Knast“, gab der Angeklagte eine Drohung seine Frau wieder. Dass die Anzeige kurz nach der Trennung erstattet wurde, während die Frau vier Jahre lang nie etwas unternommen haben sollte, machte die Kammer ebenso nachdenklich wie dass sie während der Ehe zwei Mal ein Kind von anderen Männern bekam. Richter Schülke unternahm angesichts der „deutlich erkennbaren Belastungstendenzen“ seitens der Ehefrau und der damit verbundenen Bedenken hinsichtlich der Beweisführung den Versuch, „Frieden einkehren zu lassen“: Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer möge überlegen, von dem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch zu machen. „Wenn sie aber immer noch will, dass er in den Knast geht, dann müssen wir ihre Aussage auch würdigen.“

Das hieße aber auch, im Falle einer möglichen Falschaussage mit einem Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft konfrontiert zu werden – eine Position, die auch die Staatsanwältin unterstützte und die Anwältin der Frau letztlich erfolgreich vermitteln konnte. Das führte zum Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen.

Blieben am Ende zwei verbotene Annäherungen: Für die gab es eine Geldstrafe von 2100 Euro.

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