Bielenberg-Projekt: Seltene Tier und Pflanzenarten werden wieder heimisch
In der Natur ist weniger manchmal mehr

Höxter (WB). Es ist ein echtes Stück vom Paradies oberhalb von Höxter. Nur wenige hundert Meter vom Straßenlärm entfernt wachsen seltene Pflanzen, finden Schmetterlinge, Hirschkäfer oder Zauneidechsen einen idealen Lebensraum. Möglich macht das schon im fünften Jahr das Bielenberg-Projekt – und nicht zuletzt seine engagierten Mitarbeiter.

Donnerstag, 02.07.2020, 00:21 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 05:02 Uhr
Weniger ist manchmal mehr: Erst die abgestorbenen Bäume ermöglichen es anderen Wiesenpflanzen, sich zu entwickeln. Beim Projekt auf dem Bielenberg werden Flächen regelmäßig gemäht und das Mahdgut abgefahren, um karge Verhältnisse zu schaffen, die viele Pflanzen zum Gedeihen benötigen. Foto: Ralf Brakemeier

Einer von ihnen ist Maik Stepholt. Erst seit einigen Wochen ist er Teil der so genannten AGH-Maßnahme zur Herstellung und Aufrechterhaltung der Beschäftigungsfähigkeit und von Anfang an begeistert bei der Sache.

Begeisterung

Auch in seiner Freizeit sammelt er Pflanzensamen, die dann am Bielenberg ausgesät werden. „Die Samen werden von mir angezüchtet, und ich schaue auch, wo die Pflanzen am besten gedeihen“, sagt Stepholt, der auch versucht, Lavendel- oder Margeriten-Pflanzen an neuen Stellen auf dem großen Projektgelände heimisch zu machen.

„Wenn es dann in dieser trockenen Zeit einen Regenguss gibt, dann kann man zusehen, wie die Natur explodiert, wie die Pflanzen zum Teil am Tag mehrere Millimeter wachsen“, ist der Projekt-Mitarbeiter fasziniert.

Wie auch die anderen sieben Projektteilnehmer arbeitet er hier jeden Tag siebeneinhalb Stunden, um der Natur „auf die Sprünge“ zu helfen. „Die Artenvielfalt hier ist ja nicht natürlich, sondern erst im Laufe der Jahrhunderte durch die Bewirtschaftung durch den Menschen entstanden“, erklärt Arne Füsers.

Regelmäßig mähen

Der Landschaftsarchitekt leitet seit 2019 das Projekt auf dem Bielenberg. 2012 war Füsers, gebürtiger Dortmunder, zum Studium nach Höxter gekommen – und geblieben. Nach Abschluss der Bachelor-Arbeit trat Arne Füsers als erstes die Stelle als Projektleiter bei der VHS an. „Ich denke das bleibt auch noch eine Weile so“, fühlt sich der junge Mann aus dem Ruhrpott in der herrlichen Natur oberhalb der Kreisstadt sichtlich wohl.

Wohl fühlen sich auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Damit das so bleibt, müssen die Projektteilnehmer viel unternehmen. Die Flächen müssen regelmäßig gemäht, das Mahd­gut entfernt werden, damit der Boden seinen mageren Charakter, der das Gedeihen seltener Pflanzenarten erst möglich macht, behält. Mit extra herbeigeschleppten Bruchsteinen sorgen die Männer außerdem dafür, dass das steile Gelände für Besuchergruppen erlebbar wird.

Das ebenfalls aus Bruchsteinen und vielen Pflanzen gestaltete Grüne Klassenzimmer wird regelmäßig von der Umwelt AG der Sekundarschule, Jugend Forscht-Projekten des König Wilhelm-Gymnasiums oder Studentengruppen genutzt. Hier wird bald auch noch einen Sonnensegel aufgestellt, damit der Unterricht im Freien auch im Hochsommer möglich wird.

Arbeitgeber noch zurückhaltend

Neben den Natur- und Umweltschutzaspekten spielt für die Projektträger VHS, Jobcenter, Landschaftsstation und NRW-Stiftung natürlich auch das Ziel der Integration der Mitarbeiter in den allgemeinen Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. Hier sieht Dr. Claudia Gehle von der VHS durchaus noch Nachholbedarf: „Wir geben den Mitarbeitern mit dem Projekt eine Struktur für den Tag und schaffen Teamfähigkeit. Die Arbeitgeber sind leider sehr zurückhaltend.“

Gehle sieht vor allem im Garten-Landschaftsbau oder im Handwerk gute Beschäftigungsmöglichkeiten für „ihre“ Leute. Nicht nur für sie lohnt ein Besuch auf dem Bielenberg.

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