Im Vorfeld der Landesgartenschau: Bundeswehr plant Rückbau ihres Areals an der Weser
Hafen verwandelt sich in grünes Ufer

Höxter (WB). Er wird nicht mehr gebraucht und die Schäden sind so groß, dass sich eine Sanierung auch nicht mehr lohnen würde: Die Bundeswehr will ihren Hafen am Übungsplatz in Höxter für 1,2 Millionen Euro zurückbauen lassen. Dort soll eine Grünfläche entstehen. Die Stadtverwaltung sieht das als Chance für die Landesgartenschau und möchte eine Anlege- und Rastmöglichkeit für Kanufahrer schaffen – mit Blick auf die Skyline der Kreisstadt.

Mittwoch, 10.06.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 05:01 Uhr
Direkt neben dem Weser-Wohnmobilhafen (rechts) in Höxter liegt das Areal der Bundeswehr – mit Hafenanlage. Der Ortsausschuss begrüßt den Rückbau. Foto: Harald Iding

Laichhabitat für Fische

Geplant ist, dass das Hafenbecken zu einem Großteil verfüllt wird. Weil es, seit Jahren ungenutzt, eine hohe ökologische Bedeutung für die Fischfauna besitzt, ist eine komplette Verfüllung nicht möglich. Den Fischen würde ein wichtiger Rückzugsraum zum Laichen verloren gehen. „Das ist als ökologische Verschlechterung zu werten“, heißt es in einem Gutachten des Ingenieurbüros Sönnichsen und Partner aus Minden, das im Auftrag des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Bielefeld den Genehmigungsantrag zum Rückbau des Hafenbeckens ausgearbeitet hat. Darum soll im Auslaufbereich des Hafenbeckens eine Stillwasserzone geschaffen werden. Sie soll als Laichhabitat und Wintereinstand für die Fische dienen.

Zu Beginn der Baumaßnahmen sollen die Fische im Hafenbecken langsam vertrieben werden, in dem das Becken allmählich verfüllt wird. Die Planer gehen nicht davon aus, dass eine Elektrobefischung erfolgen oder Einschwimmsperren installiert werden müssen.

Reparatur nicht mehr möglich

Um das Ufer naturnah zu gestalten und zu sichern, soll in der alten Hafenanlage eine Böschung nach den Vorgaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung eingerichtet werden. Den Wasserspiegel und die Hochwassersituation soll das Vorhaben nicht negativ beeinflussen.

Die Hafenanlage erstreckt sich etwas 200 Meter entlang der Weser und stammt noch aus Zeiten, in denen in Höxter Bundeswehrpioniere stationiert waren. Das heutige ABC-Abwehrbataillon benötigt die Anlagen mit Kran, Tankplattform und Schwimmanleger nicht mehr. Das Areal ist in einem beklagenswerten Zustand. Bereits 2015 hatte eine Bauwerksprüfung ergeben, dass die Rostschäden an den Spundwänden, der Stahl­trägerkonstruktion und den Leitern am Anleger so eklatant sind, dass die Standsicherheit nicht mehr gegeben und eine Reparatur nicht mehr möglich sei. Der Gutachter führte das vor fünf Jahren zum einen auf das Alter der Anlagen als auch auf mangelnde Wartung und Pflege zurück.

Antrag bei Bezirksregierung

Für die Genehmigung des Hafenrückbaus ist die Bezirksregierung in Detmold verantwortlich. Ein entsprechender Antrag des Bau- und Liegenschaftsbetriebes ist dort Ende April eingegangen. Die Genehmigungsbehörde hat die Stadt Höxter um Stellungnahme gebeten. Der Ortausschuss hat das Vorhaben bereits befürwortet. In der kommenden Woche werden die politischen Beratungen im Planungs- und Umweltausschuss fortgesetzt.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sollte an der Stelle des Hafenbeckens nach dessen Verfüllung Wasserwanderern mit Kanus oder Kajaks ein Anlanden ermöglicht werden. „Der Bereich bietet sich als attraktiver Rastort mit Blick auf die Altstadtsilhouette an“, heißt es in einer Beratungsvorlage für den Planungsausschuss.

Zehn Bäume müssen gefällt werden

Vom Wasser könne der Ufersaum so zugänglich gemacht werden. Die naturnahe Umgestaltung der Weserufers an dieser Stelle sei ein Kontrast zum eher steinernen linken Weserufer und decke sich mit den in der Machbarkeitsstudie zur Landesgartenschau definierten Zielen. Im Ortsausschuss war von einem „wilden grünen Ufer“ die Rede. Die Stadt Höxter wünscht sich, dass Gehölze den Standortübungsplatz, der direkt hinter dem Hafenbecken liegt, künftig verdecken.

Wann genau der Rückbau beginnt, ist noch nicht klar. Die Planer rechnen mit einer Bauzeit von fünf Monaten. Fest steht schon, dass zu Beginn der Maßnahme zehn Bäume gefällt werden.

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