Kinder, Eltern und Erzieherinnen freuen sich über „eingeschränkten Regelbetrieb“
Ein Stück Normalität

Höxter/Beverungen/Steinheim (WB). „Ninjago spielen mit Ben-Aaron und Nicole.“ Nilos Augen leuchten, als er von seinem ersten Tag im Kindergarten erzählt. Nilo ist fünf und hatte viel Spaß mit seinen Freunden aus der Langstrumpf-Gruppe. In der Kita „Bullerbü“ in Höxter haben Kinder, Eltern und Erzieherinnen diesem Tag entgegen gefiebert. Jetzt begann der „eingeschränkte Regelbetrieb“ in den Kitas im Kreis Höxter. Die Erfahrungen vom ersten Tag sind durchweg positiv.

Dienstag, 09.06.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 07:10 Uhr
Erster Kita-Tag für Jonne (zwei Jahre) und erster Arbeitstag für Mutter Christina Dorn. Mit dem „eingeschränkten Regelbetrieb“ in den Kitas im Kreis Höxter ist ein Stück Normalität in Corona-Zeiten zurück gekehrt. Foto: Ralf Brakemeier

Zurück zum Alltag

„Die Kinder brauchen einfach ihre sozialen Kontakte“, atmet auch Katja Thien-Würtz, Leiterin der Kita „Bullerbü“, nach vielen Wochen des „Lockdowns“ auf. Die allermeisten der 45 Kinder im Vorschulalter waren gleich am ersten Tag wieder da. Von den Eltern wurden sie vor der Kita mit Schutzmaske verabschiedet und von den Erzieherinnen in Empfang genommen. „In der Kita tragen aber weder die Kinder noch die Erzieherinnen die Masken. Wir wollen den ganz normalen Alltag zurück haben und arbeiten ja auch viel mit Mimik“, sagt Katja Thien-Würtz, die am Samstag eigentlich mit allen Beteiligten den 20. Geburtstag der Kita „Bullerbü“ hatte feiern wollen. „Das haben wir jetzt auf 2021 verschoben, dann werden die Tombola-Preise eben nächstes Jahr an den Mann gebracht“, so die Kita-Leiterin.

Gemeinsam mit Nilo hatte auch Bruder Jonne (zwei Jahre) seinen ersten Kita-Tag nach der Corona-Schließung. Den hat er mit den Möwenkindern überwiegend auf dem nahe gelegenen Spielplatz verbracht. Eine Premiere war der gestrige Montag auch für Mutter Christina Dorn. Nach Wochen im Homeoffice konnte die junge Erzieherin wieder in „ihre“ Kita fahren. Durch ihre Schwangerschaft durfte sie allerdings auch hier nur Bürodienst machen. Den eigenen Kindern habe sie aber vor allem in letzter Zeit angemerkt, dass sie nicht ausgelastet seien.

„Ich habe die Wochen mit den Kindern sehr genossen“, zieht Mutter Sandra Vogt ihr vorläufiges Corona-Fazit. Sie holt gerade Tochter Greta (fünf Jahre) aus der Kita „Bullerbü“ ab. „Sie war ganz aufgeregt, so etwas wie der zweite, erste Kindergartentag“, lacht Sandra Vogt. „Ich war auf dem Spielplatz und hab’ endlich meine Freundin Ina wieder getroffen“, freut sich Greta über ihren ersten Kindergartentag nach so langer Zeit. In der kommenden Woche geht dann die ältere Schwester Mathilda (sechs) wieder regelmäßig in die Grundschule.

Die Ängste nehmen

Aufatmen mit angezogener Handbremse herrscht sozusagen bei den Kitas im Kreis. Claudia Lüdtke leitet die evangelische Kita „Groß für Klein“ in Beverungen. Ihr Fazit am Tag eins nach dem Lockdown: „Ungewohnt, aber es läuft alles ganz gut.“ Getrennte Gruppen, Eingang über den Garten, regelmäßiges Händewaschen, feste Plätze bei den Mahlzeiten – die Kleinen bei „Groß für Klein“ hatten am ersten Tag viel zu lernen. Von den maximal 43 Kindern waren 33 am ersten „Regel“-Tag gekommen. „Manche machen die Woche wegen des Feiertags noch frei“, so die Rückmeldung einiger Eltern an die Kita-Leiterin. Es gehe jetzt darum, Kindern und Eltern die Ängste zu nehmen. Claudia Lüdtke: „Wir haben schon große Hoffnung angesichts der rückläufigen Zahlen im Kreis Höxter. Eine echte Bilanz kann man aber erst nach ein paar Wochen ziehen. Heute freuen wir uns einfach und schauen uns mal wieder im echten Leben in die Augen.“ In den Wochen der Notbetreuung hatte die evangelische Kita per Video-Botschaft und Whats-App Kontakt zu den Kindern gehalten.

„Wie überall in Deutschland, hatte Corona auch uns fest im Griff und auch wir in unserem Katharina-von-Bora Evangelischen Familienzentrum konnten Corona bedingt nur eine Notbetreuung für Kinder von systemrelevanten Eltern stattfinden lassen“, berichtet Patricia Fastenrath, Leiterin der Steinheimer Einrichtung mit mehr als 50 Kindern. „In dieser schwierigen Zeit haben wir versucht, den engen und vertrauensvollen Kontakt zu den Familien zu halten, auf besondere Weise zu denen, die unser Familienzentrum nicht in der Notbetreuung besuchen durften. Es wurden viele Briefe geschrieben und telefonisch Kontakt gehalten.“

Singkreis via Facetime

In Steinheim wurde für jedes Kind eine Mappe mit vielen Spielideen, Experimenten, Malvorlagen, Bastelanleitungen und Rezepten erstellt und zusammen mit einer kleinen Überraschung nach Hause gebracht. Ein anderes Mal fanden die Kinder zu dem Elternbrief ein Töpfchen Knete in ihrem Briefkasten. Auch auf dem digitalen Weg wurde der Kontakt zu den Kindern gehalten. Die teilnehmenden Kinder konnten mit einer Erzieherin beim morgendlichen Singkreis via Facetime am Computerbildschirm gemeinsam singen und Singspiele mitmachen. Vor einer Woche konnten dann alle Schulanfänger wieder zurück ins Familienzentrum. Unter strengen Hygienemaßnahmen und reduzierten Betreuungszeiten wurde nun gestern der eingeschränkte Regelbetrieb wieder aufgenommen. Patricia Fastenrath, erst seit einem dreiviertel Jahr Leiterin der Kita in Steinheim: „Wir sagen Danke an so großartige Eltern und Familien. In diesen Tagen haben sie diese besondere Herausforderung gemeistert und Unglaubliches geschafft, um ihre Lieben zu schützen. Und Danke an die besten Kinder, die seit Wochen alles so toll mitmachen, obwohl sie manchmal noch ‚zu klein‘ sind, um das alles zu verstehen.“

Händewaschen A und O

Fast alle „ihre“ Kinder konnte auch Michaela Schäfer von der Höxteraner Kita „Regenbogen“ gestern wieder begrüßen. Sie mussten unterschiedliche Eingänge benutzen, und: „für uns ist Händewaschen das A und O.“ So sieht das auch Sahra Lasica von der Kita „Kunterbunt“ aus Höxter. Fast 40 der 63 Kita-Kinder nahmen hier gestern auch, wie gewohnt, das Mittagessen ein. Allerdings nach Gruppen getrennt. „Eltern und Kinder freuen sich über den nun wieder geregelten Tagesablauf“, hat Sahra Lasica festgestellt.

Allein gelassen

Ein wenig fühlt sich Kita-Leiterin Katja Thien-Würtz von der Politik allein gelassen: „Wir sind mit den Kindern natürlich weiter auf Kuschelkurs – ohne Schutz. Ähnlich wie Altenpfleger arbeiten auch Erzieherinnen in diesen Zeiten ohne Netz und doppelten Boden.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7441579?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Terrorverdacht nach tödlicher Messerattacke in Nizza
Polizisten der Eliteeinheit Raid treffen ein, um die Kirche Notre-Dame nach einem Messerangriff zu durchsuchen.
Nachrichten-Ticker