Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstand des Kleingartenvereins Papenwinkel
Tatvorwurf lautet Untreue

Höxter  (WB). Es ist ziemlich heiß an diesem Nachmittag. Die Sonne sorgt für lange Schatten: Bernhard Henning und Werner Repke stehen beim Rundgang durch die Kleingartenanlage ­Papenwinkel in Höxter die Schweißperlen auf der Stirn. Die beiden

Samstag, 06.06.2020, 08:10 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 08:46 Uhr
Das Lachen ist wieder zurückgekehrt: Die neue Schriftführerin Ulla Strohhoff und ihr Ehemann Helmut fühlen sich in ihrem Domizil wohl und verbreiten im Kleingartenverein Papenwinkel berechtigte Aufbruchstimmung. Foto: Jürgen Drüke

Zu Besuch beim Kleingartenverein Papenwinkel

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Foto: Jürgen Drüke
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neuen Vereinsvorsitzenden haben in den vergangenen Monaten im wahrsten Wortsinn mächtig geschwitzt und nach Durchsicht der Vereins-Unterlagen und Kontoauszüge Strafanzeige gegen ehemalige Vorstandsmitglieder und den langjährigen Ex-Vorsitzenden gestellt.

„Gegen ehemalige Vorstandsmitglieder des Kleingartenvereins Papenwinkel ist am 20. Mai ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der Tatvorwurf lautet Untreue“, bestätigte Pressesprecher und Oberstaatsanwalt Marco Wibbe von der Staatsanwaltschaft Paderborn auf WB-Anfrage. Da Datenträger ausgewertet würden, werde das Ermittlungsverfahren einige Zeit in Anspruch nehmen. Nach Informationen dieser Zeitung hat eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Aktuell fehlt ein Betrag in Höhe von etwa 76.000 Euro. Hinterlegte Kautionen sind dabei nicht berücksichtigt.

Transparenz Fehlanzeige

„Transparenz war bei uns seit viereinhalb Jahren Fehlanzeige. Pachtgelder sind zum Teil bar vom Vorstand eingezogen worden. Die letzte Jahreshauptversammlung hat Ende 2015 stattgefunden“, berichtet der neue erste Vorsitzende Werner Repke. Die Vereinssatzung sehe jährliche Mitgliederversammlungen vor.

Nach der Mitgliederversammlung am 31. Januar diesen Jahres, der damals kommissarische Vorsitzende Bernhard Henning hatte diese per Gerichtsbeschluss erwirkt, kamen die Ungereimtheiten und das dicke Minus in der Vereinskasse mehr und mehr ans Tageslicht.

Stadt fehlen Pachteinnahmen

„Bei der Stadt Höxter sind Pachteinnahmen von anderthalb Jahren nicht eingegangen. Nachdem auf entsprechende Aufforderungen von Seiten der Stadt zur Begleichung der einmal im Jahr fälligen Pacht nicht eingegangen worden ist, haben wir ein Mahnverfahren eingeleitet. Dieses ist etwa zeitgleich mit der Wahl des neuen Vorstands geschehen“, führte Baudezernentin Claudia Koch von der Stadt Höxter aus. Die jährliche Pacht an die Stadt beläuft sich nach Auskunft des neuen Vorstands auf 21.000 Euro. „Das Mahnverfahren ist mit einer Vollstreckungssperre versehen worden. Der neue Vorstand ist sehr engagiert, benötigt Zeit und hat jede Unterstützung verdient“, betont Claudia Koch.

Loch in der Kasse noch größer

„Wir hatten ein Minus erwartet. Dass es sich allerdings um eine derartig hohe Summe handeln würde, wollten wir zunächst nicht glauben. Nach Ermittlungen der Kripo, welche die Kontoauszüge bei der zuständigen Bank eingefordert hatte, war das Loch in der Kasse sogar noch höher als vorher von uns ermittelt“, so Bernhard Henning. Im neuen Vorstand seien alle fassungslos gewesen.

Seit fünf Jahren ist Bernhard Henning, den es aus familiären Gründen von Berlin nach Höxter verschlagen hat, Mitglied im Kleingartenverein Papenwinkel. „Damals war die Stimmung hier noch gut. Doch dann kippte sie ziemlich schnell. Von Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Wir-Gefühl konnte kaum noch die Rede sein. Die Hecken um die Gärten wurden immer höher. Abschottung war angesagt“, blickt der 65-jährige Rentner zurück. Die einstige Idylle des 80.000 Quadratmeter großen Gartenareals unterhalb der Weserbergland-Klink war dahin. Inzwischen laufen die Arbeiten im Kleingarten Papenwinkel auf Hochtouren. „Das Vereinsheim ist allerdings heruntergekommen und muss erneuert werden“, so der erste Vorsitzende.

Kleines Paradies

Der 63-jährige Werner Repke, der inzwischen 25 Jahre sein „kleines Paradies“ im Papenwinkel hat, Bernhard Henning sowie die neue Kassierin Diana Mothes und Schriftführerin Ulla Strohhoff sind seit Monaten mit den Aufräum- und Verschönerungsarbeiten beschäftigt. „Alle ziehen dabei mit. Es geht in jeder Hinsicht aufwärts“, freut sich Henning über den Tatendrang. „Die Gärten und die Mitglieder blühen wieder auf“, stellt die neue Schriftführerin Ulla Strohhoff mit einem Lachen im Gesicht heraus. Waren Ende 2019 gerade einmal 138 der 196 Anlagen verpachtet, sind es nur ein halbes Jahr später aktuell bereits 178. „Wir können jede Unterstützung gebrauchen“, setzen Repke und Henning für die 18 noch nicht verpachteten Anlagen auf Interessenten. „Die jährliche Pacht beträgt für ein Grundstück jeweils 240 Euro“, so Repke.

Aufbruchstimmung

 

„Inzwischen zeigt sich die Anlage von einer ganz anderen Seite. Alte Lauben sind bereits abgerissen. Der neue Vorstand und die Pächter leisten tolle Arbeit“, lobt Claudia Koch. Die Baudezernentin hat sich vor wenigen Tagen ein Bild gemacht und würde im Hinblick auf die Landesgartenschau eine Vernetzung zwischen dem Kleingartenverein Papenwinkel und dem Kleingartenverein „Am Rohrweg“ in Höxter begrüßen.

„Der Kleingartenverein Papenwinkel hat in mehr als sieben Jahrzehnten manche Stürme überstanden. In zwei Jahren wollen wir den 75. Geburtstag unseres Vereins gebührend feiern“, haben die gebeutelten Kleingärtner wieder ein großes Ziel vor Augen.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Die Kleingarten-Idylle war an der Grünen Mühle in Höxter schon lange nicht mehr gegeben. Die Hecken um die Schrebergärten wurden höher und das Misstrauen größer. Grundstücke vegetierten vor sich hin.

Der alte Vorstand des Vereins war nur noch präsent, wenn es um die Bar-Abholung der Pacht ging. Bei der Stadt Höxter gingen auf der anderen Seite Pachteinnahmen nicht mehr ein. Mahnungen von Seiten der Verwaltung wurden ignoriert.

Was alle Beteiligten ahnen mussten, ist inzwischen bestätigt: Die Vereinskasse weist ein dickes Minus aus – eine sechsstellige Summe ist nicht mehr ausgeschlossen. Die Ermittlungen werden einige Monate dauern. Über dem Kleingartenverein liegt ein langer Schatten.

Den beiden neuen Vorsitzenden gebührt höchster Respekt. Sie haben Mut gezeigt und räumen auf. Die Kleingarten-Idylle kehrt bereits in der schweren Krise wieder zurück. Dabei hat der neue Vorstand ein schweres Erbe angetreten.

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