Vierbeiner sind am Räuschenberg fleißige Naturschützer und lassen Tradition aufleben
„Ziegen können mehr als meckern“

Höxter-Brenkhausen (WB). Die Freude ist groß: Mehr als 60 Ziegen machen sich im Laufschritt auf in Richtig Eingangsbereich des Zaunes, der ihr Areal einschließt. Landwirt Carsten Arndt hat seinen erwartungsfrohen Vierbeinern an diesem Morgen Brötchen mitgebracht. An Arendts Seite ist diesmal jemand, der die Ziegen-Geschichte in und um Brenkhausen herum genaustens kennt und beleuchtet hat: Johannes Hüls wird freundlich mit einem lang anhaltendem „Määhhhh“ begrüßt.

Dienstag, 02.06.2020, 20:51 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 21:00 Uhr
Fürsorgender und stolzer Blick auf die Ziegenherde am Räuschenberg: Landwirt Carsten Arndt (links) und Johannes Hüls, der um die Ziegen-Geschichte in Brenkhausen bestens Bescheid weiß, stellen deren Beitrag zum Naturschutz heraus. Foto: Jürgen Drüke

Ziegen von Landwirt Carsten Arndt pflegen den Räuschenberg

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Foto: Jürgen Drüke
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„Es ist so wie in alten Zeiten“, freute sich der 76-jährige Hüls beim Anblick der Herde. Der Rentner und Bezirksverwaltungsstellenleiter von Brenkhausen fühlt sich in seine Kindheit zurückversetzt, wenn er auf dem Räuschenberg spazieren geht. „Viele Familien besaßen einst bis Mitte der 50er-Jahre im Schelpedorf mindestens zwei Ziegen. An einer Sammelstelle des Ortes wurden die Tiere von einem Ziegenhirten auf den Räuschenberg geführt und verrichteten hier ihr Tagwerk. Mittags wurden sie wieder in den Ort und zurück in die Ställe gebracht“, berichtet der Zeitzeuge. „Die Ziegen waren die Milchkuh des kleinen Mannes. Sie haben für Milch, Butter und zu Pfingsten für einen Lammbraten gesorgt.“ Natürlich hätten sie auch damals schon alle aufkommenden Sträucher und Bäume verbissen und so den heute unter Naturschutz stehenden Kalkmager-Trockenrasen mit seinen seltenen Pflanzen, Arten und Blumen wie Orchideen, Enzian und Silberdisteln geschaffen. „Vorrangig für Naturschutz und Landschaftspflege stehen die Tiere heute“, stellt Ziegenzüchter Carsten Arndt heraus. Bereits im dritten Jahr ist seine Herde am Räuschenberg aktiv. „Die Ziegen erleben dabei eine Renaissance, mit ihnen leben alte Traditionen wieder auf“, weiß Arndt. Für das Gleichgewicht der Natur leisteten sie einen erheblichen Beitrag.

Ausblick auf das Tal Gottes

Carsten Arndt, der vorrangig auf Schafzucht spezialisiert ist und zudem Getreideanbau betreibt, sorgt für die Beweidung am Räuschenberg unterhalb des Flugplatzes Höxter/Holzminden. Von Mitte April bis etwa Ende September stehen seine Tiere hier und genießen ganz nebenbei einen tollen Ausblick auf das „Tal Gottes“. So wird das Schelpedorf Brenkhausen genannt.

„Ziegen benutzen zum Festhalten des Futters nicht die Zunge, sondern die sehr beweglichen und zum Greifen geeigneten Lippen. Dies ist auch die Ursache für das feine Selektionsverhalten und für den relativ tiefen Abbiss“, erklärt der Landwirt. Die Ziegen seien für das Naturschutzgebiet am Räuschenberg prädestiniert. Der Wuchs des Strauchwerks werde massiv eingedämmt. Klare Licht- und Sichtverhältnisse sorgen auf den Weideflächen am Räuschenberg dafür, dass die Arten- und Pflanzenvielfalt hier in voller Pracht zur Geltung kämen. So wie einst in den 20er-, 30er-, 40er- und 50er-Jahren, als die Ziegen für die Einwohner von Brenkhausen vorrangig fleißige Milch- und Fleischgeber waren.

Landwirt Carsten Arndt setzt nicht auf Milch- sondern auf Fleischziegen. Denn der Aufwand des täglichen Melkens sei sonst zu groß.

In Brenkhausen gab es einen Ziegenzuchtverein

„Einst wurden die Ziegen den ganzen Tag von einem Ziegenhirten gehütet. In unserem Dorf gab es sogar einen Ziegenzuchtverein. Der Verein entlohnte wiederum den Ziegenhirten“, weiß Hüls aus seiner Kindheit und den Überlieferungen. An den letzten Ziegenhirten erinnert sich der Ur-Brenkhäuser noch ganz genau: „Anton Steden haben wir als Kinder immer bewundert und ehrfurchtsvoll verfolgt, wenn er mit der Herde Richtung Räuschenberg gezogen ist. Ein trauriges Ereignis sei in der Dorfchronik des Ortes festgehalten: 1938 hat der Blitzeinschlag auf dem Räuschenberg 30 Ziegen getroffen und erschlagen. Die Tiere hatten unter den Eichenbäumen Schutz gesucht.

Insekten und Blumen blühen im Naturschutzgebiet am Räuschenberg. Die mehr als 60 Ziegen fühlen sich dabei wohl. „Ziegen können eben mehr als meckern“, räumt Carsten Arndt mit einem alten Vorurteil auf und ist stolz auf seine fleißigen und akribischen Naturschützer.

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